Adroctonus crassicauda (Oliver, 1807) [tox]

  • Letale Dosis:

    Androctonus crassicauda verfügt über ein sehr potentes sowie medizinisch bedeutsames Gift mit einem LD50 – Wert von 0,40mg/kg.

    Diese Art produziert einen gefährlichen, komplexen Giftcocktail. Hauptbestandteil ist ein Acetylcholin - Rezeptoren stimulierendes Toxin, welches die auftretenden parasympathischen Vergiftungssymptome erklärt. Darunter versteht man unter anderem den negativen Einfluss auf das vegetative Nervensystem. Auftretende Symptome wie Speichel-, Tränen- und Bronchialfluss stellen sich ein. Das zentrale Nervensystem wird beeinträchtigt. Es treten Agitation , Ruhelosigkeit, Delir (kurz für Delirium ), Verwirrung, Krampfanfälle, Muskelkrämpfe (auch nahe der Stichstelle), Opisthotonus , Muskellähmung für mehrere Stunden bis hin zum Koma , ausgelöst durch eine Bradykardie ein.
    Das für Androctonus – Arten bestimmende Alpha – Toxin hat lediglich einen 3 prozentigen Anteil am Gesamtgift von Androctonus crassicauda !!! Am Natriumkanal erregbare Membranen werden durch das Toxin angriffen. Dieses Alpha – Toxin verzögert das Schließen des Natriumkanals und führt somit zu einer Verlängerung des axonalen Aktionspotentials (AP) und zu einer Dauererregung. Die für den Natriumkanal spezifischen Toxine bewirken eine Ausschüttung von Neurotransmittern, zu denen z.B. Katecholamine (Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin ) gezählt werden. Hierin liegt voraussichtlich auch die Grundlage für die sympathomimetischen Effekte (trockener Mund und Tachykardie ). Die Allgemeinsymptome Übelkeit, Erbrechen, Speichelfluss, trockener Mund sowie Durchfall treten meist nach dem sehr starken Schmerz, welcher sich direkt nach Sticheinwirkung ergibt, ein. Diese klingen unabhängig von der Therapie, auch in sehr schweren Fällen, innerhalb von 24 Stunden wieder ab. Eine Bradykardie übergehend in eine Sinustachykardie mit häufiger Hypertonie stellt sich ein. Ein später kardiogener Schock (Herzinsuffizienz) ist selten. Langfristig gesehen kann sich ein schweres Lungenödem bilden.



    Auf Gabe eines Antiserums kann normalerweise verzichtet werden. Eine symptomatische Therapie ist völlig ausreichend. Die Verabreichung von Paracetamol oder auch einem Opiat zur Behandlung von Stichopfern hat sich bewährt. Am effektivsten hat sich die lokale Infiltration von 1-2% Lidocain erwiesen. Die sich einstellenden cholinergen Symptome lassen sich durch vorsichtige Gabe von Atropin bekämpfen. Um eine klinische Überwachung bis zum Abklingen der Allgemeinsymptome auf einer Intensivstation kommt man als Gestochener nicht umher. Eine Dokumentation des Herzschlages anhand eines EKG ist unerlässlich.



    Androctonus crassicauda verfügt über ein sehr potentes sowie medizinisch bedeutsames Gift mit einem LD50 – Wert von 0,40mg/kg.




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