Studie bestätigt: Tierhandel ist verantwortlich für Chytridpilz-Verbreitung

Während der fortschreitende Rückgang von einheimischen Insekten als sog. „Bienensterben“ (und somit egoistischerweise lediglich auf ein ökonomisch relevantes Nutztier reduziertes Phänomen) seit einiger Zeit in aller Munde ist, ist es um die Verbreitung eines tödlichen Pilzes, der weltweit zu einem regelrechten Massensterben ganzer Amphibienpopulationen geführt hat, in der öffentlichen Berichterstattung eher ruhig geworden. Das mag sich womöglich bald wieder ändern, denn in einer aktuellen Studie haben Wissenschaftler eines internationalen Teams unter der Leitung von Simon J. O’Hanlon vom Londoner Imperial College die Verbreitung des Chytridpilzes Batrachochytrium dendrobatidis (Bd) untersucht und sind zu einem – für die Terraristik durchaus relevanten – Ergebnis gekommen.


Sequenzierungen des Genoms von Bd ergaben vier verschiedene Abstammungslinien. Drei dieser Linien kommen weltweit vor, die vierte Linie (BdASIA-1) wurde hingegen ausschließlich in Proben von der koreanischen Halbinsel gefunden. Das Erbgut dieser Linie zeigte zudem eine größere genetische Vielfalt als die anderen drei Linien, jedoch keine größeren Schwankungen in seiner rekonstruierten Entwicklungsgeschichte, welche den Wissenschaftlern zufolge im frühen 20. Jahrhundert ihren Anfang nahm. Die Forscher schließen aus diesen Erkenntnissen, dass sich die drei global verbreiteten Abstammungslinien innerhalb des letzten Jahrhunderts aus der koreanischen Linie entwickelt haben.

Diese Erkenntnisse legen den dringenden Verdacht nahe, dass es mit dem Aufkeimen des internationalen Tierhandels in den 1970er-Jahren (nicht nur zum Zwecke der Heimtierhaltung, sondern auch zur Produktion von „Delikatessen“ wie z.B. Froschschenkeln) zu einer weltweiten Verbreitung des Chytridpilzes kam. Bislang nahm man an, dass der Chytridpilz ursprünglich aus Afrika stamme, weil dort die älteste bekannte Infektion in den 1920er-Jahren nachgewiesen wurde, und von (gegen den Erreger immunen) Krallenfröschen, die als sog. „Apothekerfrösche“ bis in die 1960er-Jahre häufig in Schwangerschaftstests (Galli-Mainini-Test) Verwendung fanden, global verbreitet wurde. Sicherlich wird dieser Teil des Handels ebenfalls eine große Rolle bei der Ausbreitung von Bd gespielt haben.

Auch der sog. „Salamanderfresser“ Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal), welcher bereits in Deutschland zu Massensterben innerhalb von Feuersalamander-Populationen geführt hat, soll sich aus dem gemeinsamen Vorfahren entwickelt und somit ebenfalls über Handelsrouten in alle Welt verbreitet haben.

Obwohl der Rückgang von Amphibienbeständen aufgrund von Habitatzerstörungen sehr viel höher eingeschätzt wird (bis zu 90 Prozent aller gefährdeter Amphibienarten sind aufgrund von Lebensraumverlust bedroht), fordern die Forscher ein Verbot des weltweiten Amphibienhandels, weil sich negative Einflüsse gegenseitig verstärken können.

An dieser Stelle soll daher noch mal deutlich an alle Tierhalter appelliert werden, dass Amphibien, aber auch andere Tiere (inkl. Futtertiere), ihre Hinterlassenschaften, benutztes Wasser, Terrarieneinrichtungen (z.B. Äste, Laub etc.), Bodensubstrate und nicht zuletzt auch verstorbene Exemplare (Stichwort Waldbestattung) keinesfalls in die Natur ausgebracht werden dürfen, sondern eine sichere Entsorgung zu erfolgen hat! Feldherpetologen mögen die entsprechenden Hygienemaßnahmen einhalten.

Die Forderung nach Verboten wurde übrigens schon teilweise vor Veröffentlichung der Ergebnisse als Reaktion auf hiesige Massensterben umgesetzt: Im Amtsblatt L 62/18 der Europäischen Union wurde im März dieses Jahres ein Durchführungsbeschluss veröffentlicht, welcher den Import und den Handel innerhalb der EU von Schwanzlurchen (Caudata) ohne Veterinärbescheinigung verbietet. Die Übergangsfrist zu diesem Beschluss endet am 6. September 2018.

Literatur:
S. J. O’HANLON (2018); Recent Asian origin of chytrid fungi causing global amphibian declines; Science 11 May 2018: Vol. 360, Issue 6389, pp. 621-627; science.sciencemag.org/content/360/6389/621

F. MUTSCHMANN & C. SEYBOLD (2002); Richtlinien zum hygienischen Umgang mit Amphibien im Rahmen von feldherpetologischen Arbeiten; Elaphe 10 (4) [2002]: Seiten 70–72

Mehr zum Thema:

  

Chinesische Rotbauchunke (Bombina orientalis)
Ein in der Terraristik sehr beliebter und häufig gehaltener Froschlurch, der u.a. aus Südkorea nach Europa importiert wird.