„Trockenbrut“ über Wasser oder feuchtem Substrat?


Stefan Broghammer von M&S Reptilien erklärte am 20. Juli in einer Folge seiner YouTube-Sendung „Reptil TV - Technik“ die verschiedenen Methoden zur Inkubation von Reptilieneiern. Dabei stellte er auch eine von ihm als „Trockenbrut“ bezeichnete Methode vor. Bei dieser „trockenen“ Inkubation werden die zu inkubierenden Reptilieneier nicht direkt in feuchtes Brutsubstrat eingebettet, sondern auf durchlässigen Oberflächen (z.B. Gittern) über Wasser bzw. alternativ über feuchtem Brutsubstrat inkubiert, ohne dieses selbst zu berühren. Dabei stellte sich die Frage, ob die für die Eier verfügbare relative Luftfeuchtigkeit über einer Wasseroberfläche oder über feuchtem Brutsubstrat höher ist – welche dieser beiden Methoden also eher empfohlen werden kann:

  

Auch mein bevorzugter Inkubator (siehe Produkttest) bietet mit seinem mitgelieferten Zubehör die Möglichkeit einer „trockenen Inkubation“ von Reptilieneiern, die ich selbst allerdings noch nie praktiziert habe. Befürworter gibt es laut Herrn Broghammer für beide Varianten der Trockenbrut, was eine kurze Sicht der etablierten Reptilienforen bestätigte. Für die Inkubation über Wasser spricht, dass die Feuchtigkeit direkt vom Wasser abgegeben wird und nicht dazu neigt, sich im Brutsubstrat zu binden - denn dort will man sie ja im Gegensatz zur Feuchtbrut nicht haben. Für die Inkubation über feuchtem Brutsubstrat (z.B. Vermiculit) spricht hingegen, dass dadurch die Oberfläche vergrößert wird, wodurch die zu erwartende abgegebene Feuchtigkeit (Verdunstungsrate) ebenfalls höher liegen sollte. Welche der beiden Methoden tatsächlich effektiv mehr Feuchtigkeit an den Luftraum mit den Eiern abgibt, habe ich mit folgendem Versuch geprüft:
 

 Versuchsaufbau

[IMG:https://3.bp.blogspot.com/-V30nqwUxmUU/WZhLO9S_ILI/AAAAAAAACt8/RO9_uBjS_D4UJKVn9-CN9HbqF0jUjhTWgCEwYBhgL/s200/Massebestimmung.JPG]Zwei baugleiche Kunststoffbehälter mit einer definierten Wassermenge (100 ml) mit und ohne Brutsubstrat (40 g Vermiculit) wurden gewogen und anschließend im geöffneten Zustand für 6 Tage bei 25 °C belassen. Täglich wurden die Behälter gewogen und der prozentuale Masseverlust ermittelt. Diejenige Methode, mit der höheren prozentualen Verdunstungsrate ist demnach als die Methode anzusehen, welche den Reptilieneiern theoretisch eine höhere relative Luftfeuchtigkeit bietet.
 

 Ergebnisse

Der prozentuale Masseverlust bei dem mit Wasser gefüllten Behälter betrug nach 6 Tagen 79,1 Prozent, während die Verdunstungsrate beim Vermiculit-Behälter 78,8 Prozent betrug. Demnach lässt sich kein signifikanter Unterschied bei der Verdunstungsrate feststellen.

Diskussion
Bei der „trockenen Inkubation“ ist keine der beiden Varianten als die effektivere Inkubationsmethode anzusehen. Mit diesem Versuch wurde lediglich das Potenzial der Wasserabgabe ermittelt. Fraglich bleibt, ob dieses Verdunstungspotenzial überhaupt entscheidend ist oder ob die relative Luftfeuchtigkeit in einem geschlossenen System wie einem Brutbehälter davon gar nicht verändert wird. Schließlich ist die Luftfeuchtigkeit abhängig von der Temperatur auf einen bestimmten Wert limitiert. Hätte eine der beiden Methoden zur „Trockenbrut“ eine signifikant höhere Verdunstungsrate ergeben, hätte ich in einem zweiten Versuch mittels Hygrometern ermittelt, ob die Luftfeuchtigkeit davon überhaupt beeinflusst wird oder ob sie – sobald sie das bei der jeweiligen Temperatur mögliche Maximum erreicht hat – bei beiden Varianten identisch ist und konstant bleibt. Da aber im ersten Versuch bereits deutlich wurde, dass gar kein Unterschied bei der Verdunstungsrate besteht, erübrigen sich weitere Versuche.
 

 Fazit:

Bei gleichen Inkubationsbedingungen ist die Feuchtigkeitsabgabe von Wasser mit der von feuchtem Vermiculit nahezu identisch. Sparsamer ist daher der Verzicht auf Vermiculit, wenn man sich schon für die „Trockenbrut“ entscheidet. Nicht umsonst wird diese Inkubationsmethode auch als „substratlose Inkubation“ bezeichnet.