Opistophthalmus wahlbergii (Thorell 1876)

  • Familie: Scorpionidae
    Gattung: Opistophthalmus
    Art: (Opistophthalmus) wahlbergii (Thorell 1876)
    Trivialname: Tri – Color – Skorpion, oder auch: Shiny borrowing scorpion


    Unterarten: keine bekannt

    Größe: bis zu 9cm (zählt zu den mittelgroßen Skorpionen)

    Herkunft: Süd – Afrika, Botswana, Zimbabwe, Namibia (außer Namib – Wüste)




    Äußere Merkmale:
    Opistophthalmus wahlbergii weist eine orange – gelbe Grundfärbung auf. Bei Jungtieren ist das Orange ausgeprägter, verblasst aber von Häutung zu Häutung. Die Pedipalpen sind apikal schwarz gefärbt. Die letzten beiden Metasomaglieder sowie das Telson heben sich deutlich durch eine dunklere Farbe (bis schwarz) vom restlichen Farbbild ab. Das Tergum ist bei Jungtieren schwarzgrau gefärbt, die Zwischenräume der Platten sowie die Beine weisen einen leichten roten Schimmer auf. Auch hier verblasst die Färbung im Laufe der Häutungen. Opistophthalmus wahlbergii hat stark ausgeprägte Pedipalpen und ein, im Verhältnis dazu gesehen, eher schlankes Metasoma.



    Haltung:
    Im natürlichen Habitat herrscht trockenes Savannen- und Halbwüstenklima. Aus dem Klimadiagramm der Region abgeleitet bietet sich eine Haltung mit einer Tagestemperatur von 28°C bis 32°C, lokal auch 35°C, an. Nachts ist eine Abkühlung auf Zimmertemperatur empfehlenswert. Eine Trinkschale, mit frischem Wasser gefüllt, sollte stets angeboten werden. Eine Luftfeuchtigkeit um die 30% - 50% wird erreicht, in dem man den Bereich um die Trinkschale leicht anfeuchtet. In diesem Bereich sollte ebenfalls die Möglichkeit für das Anlegen einer Wohnhöhle bzw. –röhre geschaffen werden. Opistophthalmus wahlbergii nimmt sehr gerne das Angebot an und wechselt vom „trocken – warmen“ in den leicht „feucht – kälteren“ Bereich. Durch ein monatliches Sprühen wird ein gesteigertes Grabverhalten bei Opistophthalmus wahlbergii ausgelöst. Eine trockene Überwinterung (Luftfeuchtigkeit um die 20%) bei 18°C bis 20°C am Tage und bis zu 8°C in der Nacht ist möglich.




    Das Terrarium sollte mindestens eine Grundfläche von 30x30cm für ein adultes Tier betragen. Da es sich bei Opistophthalmus wahlbergii um eine sehr stark grabende Art handelt sollte der Bodengrund aus einem Sand – Lehm – Gemisch bestehen, welches ca. 15cm hoch, leicht feucht, in das Terrarium gegeben werden sollte. Nach dem Austrocknen des Bodengrundes sollte dieser hart werden, aber dennoch grabfähig bleiben und so die Möglichkeit für das Anlegen einer Wohnhöhle bzw. Wohnröhre bieten. Als Einrichtung bieten sich Steine, Wurzeln, Hölzer, Kork- und Rindenstücke an. Halbe Kokosnussschalen oder Ähnliches eignen sich nur bedingt als Unterschlupf.


    Geschlechtsunterschiede und Paarung:
    Zu den Kammzähnen kann ich keine Angaben machen, da meine beiden adulten Exemplare je 26 aufwiesen. Bei einem direkten Vergleich erkennt man, dass Weibchen runde, Boxhandschuh – ähnliche Scherenhände besitzen, wohingegen bei den Männchen die Scherenfinger im Vergleich zur Hand länger ausgeprägt sind.


    Zur Paarung sollte eigentlich das Männchen zum Weibchen gesetzt werden. Trotz guter Fütterung und Überwinterung kam es nie zum Paarungstanz. Bei Begegnung kam es zu einer Art Kampf, welcher zum Verlust eines Beines des Männchens führte. Auch ein zweiter und dritter Versuch mit zeitlichem Abstand und leicht veränderten Haltungsbedingungen führten nicht zum Erfolg. Das Männchen verstarb wenig später aufgrund von Verweigerung der Futteraufnahme.


    Die Aufzucht von Jungtieren ist relativ einfach, die Kleinen nehmen sehr schnell zerdrückte kleine Heimchen an die man vor den Eingang der Wohnhöhle bzw. –röhre legt. Man hält sie bei ca. 28°C – 30 °C, bietet einen kleinen Unterschlupf (Kork oder Rinde) an und feuchtet eine Ecke täglich leicht an. Während der Häutungsphasen darf die Luftfeuchtigkeit kurzzeitig auf zirka 60% bis 70% ansteigen. Über die Lebensdauer von Opistophthalmus wahlbergii liegen mir noch keine verlässlichen Angaben vor. Vermutungen sind m. E. unangebracht.




    Verhalten:
    Opistophthalmus wahlbergii sucht sofort nach dem Einsetzen in das Terrarium nach einem festen Gegenstand und beginnt mit dem Anlegen einer Wohnhöhle bzw. Wohnröhre. Diese angelegt, sieht man ihn nur noch sehr selten. Opistophthalmus wahlbergii ist ein sehr scheues Tier. Tagsüber ist Opistophthalmus wahlbergii kaum außerhalb des Unterschlupfes zu sehen. Er ist leider auch nachts nur sehr wenig aktiv. Wenn man ihn überhaupt mal zu sehen bekommt, dann meist in Lauerstellung am Höhlen- bzw. Röhreneingang. Dieses Verhalten erinnert sehr stark an Pandinus cavimanus (cavi = Höhle, manus = Hand). Wird Opistophthalmus wahlbergii gestört, durch Licht oder Erschütterung, kommt sofortiges Fluchtverhalten zum Tragen. Aggressivität bei Störungen ist nicht zu erkennen. Aufgrund der geringen Aktivität ist diese wunderschöne, prachtvolle Art mit Futter sehr genügsam. Außer in Phasen der Häutung genügt alle 2 – 3 Wochen ein Futtertier in Körpergröße. Futterpausen werden saisonal, natürlich auch abhängig von den Haltungsbedingungen, eingelegt. Bei der Erbeutung wird selten der Giftstachel eingesetzt. Trotz des ruhigen Gemüts besteht eine erkennbare innerartliche Aggression. Wohnhöhlen bzw. –röhren werden nicht gemeinsam genutzt. Das schwächere Tier wird verdrängt und wartet zunächst außerhalb. Anschließend sucht es einen geeigneten Platz und legt sich eine eigene Wohnhöhle bzw. –röhre an.




    Futter:
    Heuschrecken, Schaben, Steppengrillen, Heimchen.




    Giftigkeit:
    O. wahlbergii zählt zu den mindergiftigen Vertretern, d.h. sie wird in das 5 – Stufenmodell unter der Rubrik 2 eingeordnet und besitzt einen LD50 – Wert von 625mg/kg. Symptome gleichen einem herkömmlichen Bienenstich. Eine Wespe hat im Vergleich ein neunfach stärkeres Gift (LD50 – Wert: 71mg/kg). Beim Umgang ist aber trotzdem die nötige Sorgfalt, auch im Sinne des Tieres, angebracht. Aufgrund der geringen Giftwirkung sowie des ruhigen Wesens ist sie meiner Meinung nach für einen Anfänger gut geeignet.




    Anmerkung:
    Quellen für den Haltungsbericht sind, neben den leider spärlichen Angaben zu O. wahlbergii aus den Büchern (siehe auch Literaturverzeichnis) von Mahsberg & Lippe à Skorpione, Martin Watz à Skorpione im Terrarium – Mit Stachel und Scheren, Ann Web & Herbert Schiejokà Ihr Hobby – Skorpione, Auszüge aus Reptilia Nr. 53 Jahr: 2005à Wüstenskorpione, eigene Erfahrungen, gemacht über einen Zeitraum von 1,5 Jahren, anhand eines sub – adulten Paares (jetzt adult) aus Botswana und 2 Jungtieren im Instar2 (mittlerweile Instar5) aus Zimbabwe.



    Hinweis:
    Der hier dargebotene Haltungsbericht ist mein Gedankengut. Einbezogene Quellen wurden gekennzeichnet, Zitate nicht verwendet. Unerlaubte Vervielfältigung sowie Kopieren von Passagen ist hiermit untersagt bzw. bedarf Rücksprache. Danke für das Verständnis.