Mesobuthus gibbosus (Brullé, 1832)

  • Familie: Buthidae (C.L. Koch, 1837)
    Gattung: Mesobuthus (Vachon, 1950)
    Art: (Mesobuthus) gibbosus (Brullé, 1832)
    Trivialname: „Aristoteles – Skorpion“
    Unterarten: keine



    Größe: Angaben reichen von 6cm bis 8,5cm (zählt zu den mittelgroßen Skorpionen)

    Herkunft: Südteil der Balkanhalbinsel (Albanien, Bulgarien, Griechenland, Zypern, Montenegro) sowie in der Türkei und Syrien.

    Äußere Merkmale:
    Mesobuthus gibbosus weist eine bräunlich – gelbe Grundfärbung am Pro- und Mesosoma auf. Die Pedipalpen sowie die Laufbeine sind einheitlich sandgelb gefärbt. Er gehört zu den eher flach gebauten, mittelgroßen Skorpionen und verfügt über dünne Pedipalpen sowie ein mittelstark ausgeprägtes Metasoma (im Vergleich zu den Pediplapen).

    links 0.1 & rechts 1.0



    Haltung:
    Aus dem Klimadiagramm der Herkunft abgeleitet bietet sich eine halbaride Haltung mit einer Tagestemperatur von 28°C bis 32°C, lokal auch 35°C, an. Nachts ist eine Abkühlung auf Zimmertemperatur empfehlenswert. Eine Trinkschale, mit frischem Wasser gefüllt, sollte einmal wöchentlich angeboten werden. Eine Luftfeuchtigkeit von ca. 40% - 60% wird erreicht, in dem man den Bereich um die Trinkschale einmal wöchentlich leicht anfeuchtet. Zudem sollte im Sommer ein zweiwöchentliches Sprühen von Teilbereichen des Terrariums erfolgen. Eine trockene Überwinterung (Luftfeuchtigkeit um die 30%) bei 15°C bis 18°C am Tage und bis zu 8°C in der Nacht soll der Paarungsbereitschaft zuträglich sein, ist aber laut Übermittlungen kein muss. Auf eine höhere Lebenserwartung durch Überwinterung liegen keine belegbaren Erkenntnisse vor.


    Das Terrarium sollte eine Grundfläche von mindestens 30x20cm für diese mittelgroße Art aufweisen. Für eine Paarhaltung, welche übrigens möglich ist, sollte jedoch mindestens ein Platzangebot von 30x30cm zur Verfügung gestellt werden. Da es sich bei Mesobuthus gibbosus durchaus um eine grabende Art handelt, welche zum Großteil in offenem, stark isoliertem Gelände angetroffen wird, kann der Bodengrund aus einem Sand – Lehm – Gemisch bestehen, welches ca. 10cm bis 15cm hoch, leicht feucht, in das Terrarium gegeben werden sollte. Nach dem Austrocknen des Bodengrundes sollte dieser hart werden, aber dennoch grabfähig bleiben und so die Möglichkeit für das Anlegen einer Wohnhöhle bieten. Neben der Option Sand – Lehm – Gemisch kann aber auch eine trockene, grabfähige Erde / Humus – Sandmischung im Verhältnis 3:1 als Substrat verwendet werden. Als Einrichtung bieten sich neben Steinen, Wurzeln und Hölzer, auch Kork- und Rindenstücke an. Dadurch kann die Lauffläche im begrenzten Terrarium zusätzlich vergrößert werden. Halbe Kokosnussschalen oder Ähnliches eignen sich nur bedingt als Unterschlupf. Mesobuthus gibbosus neigt zu einer engen Höhle mit Rückenkontakt.



    Geschlechtsunterschiede und Paarung:

    Bei Mesobuthus gibbosus handelt es sich um eine sehr in die Tiefe gehend erforschte Art. Dadurch gibt es natürlich sehr viele Erkenntnisse zur Auseinanderhaltung der Geschlechter, die allerdings zum Großteil nur durch wahre Experten unter Zuhilfenahme von optischem Gerät erkannt werden können. Zu Männchen ist zu sagen, dass der Hinterrand des Sternums mit seitlich nach hinten weisenden Spitzen belegt ist. Der Genitaldeckel ist mit beiderseits deutlich mediolateralen, nach hinten weisenden Fortsätzen geprägt. Der Hinterrand des Deckels ist bis zur Mitte tief eingekerbt. Hier schließt sich zur Mitte hin eine Wölbung an. Die Grundplatte der Kämme ist doppelt so breit wie hoch und weist laterale, auswärts gekrümmte Gelenksfortsätze am oberen, nur wenig eingebuchteten Rand auf. Die Kammzähne beschränken sich beim Männchen auf 25 – 32. Der Hinterrand des Sternums der Weibchen weist seitlich abgestumpfte Enden auf. Der Genitaldeckel ist durch beiderseits gering, mediolateral, abgerundete Fortsätze charakterisiert. Der Deckel an sich ist flach (keine Wölbung wie beim Männchen) und hat nur eine kleine Einkerbung am Hinterrand. Die Grundplatte der Kämme ist mindestens drei Mal so breit wie hoch und weist nicht so stark gekrümmte seitliche Gelenksfortsätze wie beim Männchen auf. Der obere Rand ist tiefer als beim Männchen eingebuchtet. Die Kammzähne beschränken sich beim Weibchen auf 20 – 26. Somit gibt es eine kleine Überlappung der Kammzähne, welche jedoch laut einer Studie von Kritscher, 1991 kaum eine Gewichtung hat. Denn Beobachtungen und Zählungen haben ergeben, dass 82% der Männchen 28 – 31 sowie 88% Weibchen 21 – 24 Kammzähne pro Kamm besitzen. Des Weiteren sind Männchen im Vergleich zu Weibchen etwas zierlicher gebaut sind.

    adultes Pärchen



    Aufgrund des aufgezeigten, nur leicht eingeschränkten Sozialverhaltens und der Möglichkeit der Paar- bzw. Gruppenhaltung soll sich die Zucht der Art relativ einfach darstellen. Die Nachzuchten sollten einzelnen aufgezogen werden. Somit kann man Ausfällen durch eventuell auftretenden Kannibalismus bei Häutungen vorbeugen. Bei Bereitstellung von genügend Raum und Versteckmöglichkeiten sollen sie aber auch in Gruppen aufzieh bar sein. Haltungsbedingungen können wie bei adulten Tieren der Art beschrieben werden. Auf eine Wasserschale sollte man jedoch aufgrund der Gefahr des Ertrinkens verzichten und lediglich einen Teilbereich inklusive der Wand leicht besprühen. Dieser Abschnitt wird als Trinkgelegenheit genutzt. Fütterung einmal wöchentlich mit Futter in Körpergröße. Das Jagdverhalten bei Jungtieren ist nach meinen Beobachtungen sehr stark ausgeprägt.



    Verhalten:
    Mesobuthus gibbosus sucht sofort nach dem Einsetzen in das Terrarium nach einem festen Gegenstand und versteckt sich dort bis zur Dämmerung. In der Dämmerung streift er durch sein Terrarium und sucht sich den bestgeeignetsten Platz für seine Wohnhöhle, welche sofort angelegt wird. Futterpausen werden saisonal, natürlich auch abhängig von den Haltungsbedingungen, eingelegt. Bei der Erbeutung wird meist der Giftstachel eingesetzt.


    Mesobuthus gibbosus ist ein sehr schneller Zeitgenosse, der auf Störungen nervös bis aggressiv reagiert. Er weicht nicht zurück, verfällt sofort in Drohposition, gespreizte Scheren und erhobenes Metasoma, und setzt, wenn notwendig, auch seinen Stachel ein. Es ist beim Umgang mit dem Tier größte Vorsicht angebracht!


    Futter:
    Als Futter werden Heuschrecken, Steppengrillen, Grillen, Heimchen sowie Mehlwürmer bis Körpergröße angenommen. Schaben hingegen werden gemieden.



    Giftigkeit:
    Mesobuthus gibbosus verfügt über ein sehr schmerzhaftes, basisches Neurotoxin mit einem relativ hohen LD50 – Wert von 50mg/kg (Übermittlung von G.G. Habermehl, 1981), welches normalerweise bei einem gesunden, erwachsenen Menschen nicht zu Herzkreislaufproblemen führt. Dennoch sollte beim Umgang mit dieser schnellen und stechfreudigen Art die notwendige Sorgfalt an den Tag gelegt werden. Innerhalb des 5 – Stufen Giftmodells reiht das Neurotoxin in Kombination mit der Bereitschaft eines Stiches Mesobuthus gibbosus im Bereich um die 2,5 ein.


    Trotz Aggression bei Störung ist Mesobuthus gibbosus meiner Meinung nach, aufgrund der etwas geringeren Giftwirkung, für einen verantwortungsbewussten Anfänger, der unbedingt einen Skorpion aus der Familie Buthidae halten will, gut geeignet.



    Anmerkung:
    Quellen für den Haltungsbericht sind, neben den leider spärlichen Angaben zu M. gibbosus aus den Büchern (siehe auch Literaturverzeichnis) von Mahsberg & Lippe à Skorpione,
    Martin Watz à Skorpione im Terrarium – Mit Stachel und Scheren,
    Ann Web & Herbert Schiejokà Ihr Hobby – Skorpione,



    Für weitergehende Informationen empfehle ich folgende Literatur:
    1.) http://www.science.marshall.edu/fet/euscorpius/p2006_44.pdf
    2.) http://www.science.marshall.edu/fet/euscorpius/p2007_55.pdf
    3.) http://www.biologiezentrum.at/pdf_frei_remote/ANNA_94_95B_0377-0391.pdf




    Hinweis:
    Der hier dargebotene Haltungsbericht ist mein Gedankengut. Einbezogene Quellen wurden gekennzeichnet, Zitate nicht verwendet. Unerlaubte Vervielfältigung sowie Kopieren von Passagen ist hiermit untersagt bzw. bedarf Rücksprache. Danke für das Verständnis.