Rhopalurus laticauda

  • Rhopalurus laticauda
    (Thorell, 1876)


    Sein Name
    R. laticauda hat keinen generell akzeptierten Trivialnamen. Bei Rhopalurusmännchen werden die Metasomasegmente zum Telson hin breiter, daher der Name ihres Genus, der aus dem Griechischen kommt und soviel wie Keulenschwanz bedeutet. Rhopalos bedeutet Keule und/oder Knüppel, und laticauda(cauda = Schwanz) kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ebenfalls breiter Schwanz.


    Verbreitung
    R. laticauda kommt in den Llanos(Die Llanos sind weite Ebenen im nördlichen Südamerika, durch die der Fluss Orinoco fließt) von Kolumbien u nd Venezuela vor.


    Natürliche Umgebung
    Diese Art gräbt keine Höhlen aber versteckt sich unter Steinen, im Geröll, im Gehölze usw. und gräbt kleine Mulden unter/in diese(n) Objekten. In Venezuela herrscht überwiegend heißfeuchtes Tropenklima, besteht aus Savannen und Regenwald. R. laticauda bewohnt hier Laubwälder und halbtrockene Gebiete wie zum Beispiel die bereits erwähnten Savannen(auch in Kolumbien). Diese bestehen aus sandiger Erde mit stacheligen Büschen, Gräsern und Gruppen von Bäumen. Die Trockenzeit ist von November bis in den Mai, aber es gibt durchaus kleine regionale Unterschiede. In manchen Teilen der Küstenregion regnet es für bis zu zehn Monate nicht, während die südlichen Teile(Amazonas) nichtmal eine richtige Trockenzeit haben. Die Tagesdurchschnittstemperatur beträgt etwa 27° C (81° F). Diese Art betritt durchaus auch mal Häuser und andere Gebäude in Venezuela.


    Gift
    Obwohl R. laticauda zu der Familie der Buthidae (Koch, 1837) gehört, gilt er nicht als medizinisch wichtige Art. Der LD50 Wert des Goftes ist relativ niedrig und liegt bei 30 mg/ kg. Weil diese Art in vielen Regionen weit verbreitet ist, ist sie bei verhältnissmäßig vielen Stichunfällen beteiligt. Bei einem Großteil der Vergiftungen beschränken sich die Symptome auf lokale Schmerzen und/oder leichte Schwellungen oder aber auch Rötungen der Stichstelle.


    Morphologische Information
    Dies ist ein kleiner bis mittelgroßer Skorpion (Gesamtlänge: 45-70 mm). Größenunterschiede sind nichts Ungewöhnliches bei Rhopalurus (und anderen Buthiden). Die Grundfarbe ist gelblich bis hellbraun. Die Pedipalpenfinger sind dunkler ale die Chelae. Die Metasomasegmente I-III sind gelblich bis hellbraun, Segment IV rötlich braun und Segment V dunkelbraun bis schwarz. Sie haben einen dunklen Streifen auf der ventralen Seite des Metasomas. Das Telson ist rötlich braun bis dunkelbraun.
    Die Tergiten besitzen einen medianen Kiel. Verglichen mit Weibchen sind Männchen etwas kleiner und haben ein etwas weniger kräftiges Mesosoma, aber dickere Chelae und Metasoma und die Pedipalpenfinger sind leicht gebogen, sodass ein Spalt sichtbar wird wenn sie geschlossen sind.
    Das Telson ist klein und hat einen kleinen, gebogenen Aculeus. Der subakuleare Tuberkel fehlt entweder ganz oder ist nur klein und ist entwederstumpf oder spitz gebildet. Der Kannzahnschlüssel überschneidet sich bei den Geschlechtern , so sind es 23-26 bei den Männchen und 20-25 bei den Weibchen. Insgesamt sind es acht Granulierungsreihen an beiden beweglichen Scherenfingern.
    Diese Art striduliert durch Aneinanderreiben der Pectines gegen die Sterniten. Die Pectines haben specielle Strukturen die man "lyriform files" nennt. Dies sieht ähnlich aus wie die Lamellen auf der "Fußsohle" mancher Geckoarten. Stridulation wird eventuell benutzt um potenzielle Feinde zu warnen, denn auf Futtersuche oder bei der Paarung wird es nicht eingesetzt.


    Haltung in Gefangenschaft
    Das letztere der folgenden Informationen basiert auf meinen eigenen Erfahrungen und den Informationen, die mir zugetragen wurden, weiter im Text findet ihr ein Beispiel, wie man diese Art halten kann. Da R. laticauda nicht gerade häufig in Gefangenschaft gehalten wird, sind gute Informationen über die idealen Voraussetzung für eine erfolgreiche Haltung bisher nicht verfügbar. Ich selbst halte R. laticauda warm und trocken. Ich halte die Temperatur zwischen 25 - 30°C (77-86° F) tagsüber und in etwa 20° C (68° F) nachts.
    Ich benutze ein Gemisch aus trockenem Humus und Sand als Substrat, auf dem ein paar flache Steine und Korkstücke liegen, damit die Skorpione sich darunter verstecken könenn. Die Substrattiefe beträgt ein wenig mehr als 2,5 cm, da sie ja wie oben erwähnt nicht graben. Bezüglich der relativen Luftfeuchtigkeit scheinen Jungtiere eher dazu zu neigen zu dehydrieren als ältere Tiere. Um Pilzinfektionen zu vermeiden sollte man darauf achten sie nicht zu feucht zu halten und eine gute Belüftung des Terrariums zu gewährleisten. Um eine gleichmäßiges Feuchtigkeitslevel halten zu können sollte eine Ecke immer etwas angefeuchtet sein. Ich sprühe bei adulten tieren einmal monatlich und bei den Jungtieren ein- bis zweimal die Woche. Ein kleines Trinkgefäß mit frischem Wasser sollte bei adulten Tieren wöchentlich aufgefüllt werden, die Jungtiere hingegen nehmen die Flüssigkeit von den Tröpfchen nach dem Sprühen auf. Junge Instars können in kleinen Kräuterbutterdöschen oder ähnlichem gehalten werden. Sie fressen kleine Grillen nachdem sie das Muttertier verlassen haben. Kleinere Futtertiere als Fruchtfliegen sind nicht notwendig. Adulte Tiere fressen entsprechend größere Grillen. Die Jungtiere werden am besten getrennt aufgezogen, um Kannibalismus zu vermeiden. Die postembryonale Entwicklung dieser Art ist noch weitgehend unerforscht. Eines meiner Weibchen warf bei der Geburt 26 Jungtiere, nach geschätzter Trächtigkeitszeit von fünf bis sieben Monaten. Es dauerte neun Tage bis die Kleinen sich ins zweite Instar gehäutet haben und verließen den Rücken der Mutter nach etwa 14. Die Lebenserwartung liegt bei etwa drei Jahren in Gefangenschaft. Rhopalurus spp. können keine Spermatophoren speichern, bzw. mehrfach trächtig werden nach einer Befruchtung also müssen sie nach der Geburt erneut verpaart werden.


    FAQ
    1. Q: Was ist der Unterschied zwischen R.laticauda and R.junceus?
    A: R.laticauda ist viel kleiner. Ein adulter R.laticauda wird etwa 45-70 mm groß und ein adulter
    R.junceus etwa 100-125 mm. R.laticauda besitzt auch eine andere Grundfärbung (mehr Gelbanteil).
    2. Q: Mein Männchen frisst nicht richtig, ist es krank?
    A: Generell fressen Männchen nicht so viel wie Weibchen. Manchmal brauchen sie länger, um ihre Beute zu fassen. Sie werden manchmal sogar regelrecht von den übereifrigen Grillen „genervt“. In diesem Falle sollte man die Grille nach 48 Stunden entfernen und es in der nächsten Woche erneut versuchen.
    3. Q: Meine B. gigas sind eine Woche nach der Häutung einfach verstorben/blieben in der Haut stecken, aber ich habe sie genauso wie oben beschrieben gehalten.
    A: Manchmal kann das passieren. Es kann passieren, dass sie ohne erdenklichen Grund sterben.
    4. Q: Mein R..laticauda ist nicht ruhig, sondern sehr aggressiv. Kann ich ihn trotzdem händeln?
    A: Ich rate keinem seine SKorpione mit bloßen Händen zu händeln.
    5. Q: Wie kann ich Männchen von Weibchen unterscheiden?
    A: Die Männchen haben nach hinten hin ein breiteres Metasoma, dickere Chelae und sind etwas dünner als Weibchen. Es gibt zudem eine Mulde zwischen dem Tibia und dem Tarsusfinger bei Männchen. Weibchen sind etwas dicker und größer.
    6. Q: Was bedeutet Laubwald?
    A: Das bedeutet dass die Vegetation sich verändert, weil die Bäume ihre Blätter nach der Wachstumsperiode verlieren um Wasser zu sparen. In den Tropen passiert dies vor dem Beginn der Trockenzeit.


    Dankeschön
    Besonderer Dank gebührt den Skorpiologen, die mir nützliche Daten und Arbeitsblätter zur Verfügung stellten.


    Erörterung
    Die Gattung Rhopalurus besteht zur Zeit aus 17 Arten. R. laticauda stellt die Grundform der Gattung dar und wurde in Kolumbien entdeckt, sie kommen jedoch laut einschlägiger Literatur(siehe Quellenangaben) auch in Brasilien(Roraima, Amazonas), Französisch Guyana und Venezuela vor.
    Diese Art wurde früher in folgende zwei Unterarten unterteilt: Rhopalurus laticauda laticauda (Thorell, 1876) (Kolumbien, Venezuela) und Rhopalurus laticauda pintoi (Mello-Leitão, 1932) (Brasilien und Französisch Guyana). Die brasilianischen Aufzeichnungen wurden von Lourenço’s 1982er Revision der Gattung abgeleitet, in der sowohl R. crassicauda, als auch R. pintoi unter R. laticauda synonymisiert wurden und zwar als R. laticauda pintoi. Später wurden besagte brasilianische Aufzeichnungen für fehlerhaft erklärt, und zwar von ihrem ursprüglichen Autor(Lourenço, 2002). Er stellte die Art R. crassicauda wieder her und Teruel (2006) tat selbiges mit R. pintoi.
    Bisher sind noch nicht alle Fakten über die Verbreitung von R. laticauda bekannt obwohl es eine (im Verhältniss zu anderen Arten) relativ genau beobachtete Spezies ist. Oft wird über R. laticauda in der Literatur geschrieben, jedoch konnten bislang nicht alle dieser Aufzeichnungen verifiziert werden. Man hat bisher auch nicht erklären können, weshalb die innerartlichen Unterschiede bei Tieren aus verschiedenen Regionen zustande gekommen sind. Um Aufschluss darüber zu bekommen müsste man weitere Exemplare aus Venezuela und Französisch Guyana untersuchen. R. laticauda ist ziemlich eng verwandt mit R. crassicauda (Caporiacco, 1947) und R. caribensis (Teruel & Roncallo, 2008); R. crassicauda ist kleiner und besitzt keinen subaculearen Tuberkel. R. caribensis ist zudem eher hellgelb und hat kein völlig dukles fünftes Metasomasegment.


    Bilder: 1. Weibchen mit instar 1 Scorplings auf dem Rücken, 2. adultes Männchen, 3. adultes Weibchen


    Danksagungen
    Vielen Dank an Rolando Teruel, der mir viele nützliche Informationen hat zukommen lassen und diesen Report Korrektur gelesen hat, und auch an Wilson R. Lourenço, der mir mit Rat und Tat zur Seite stand.


    Quellen


    FET, V. & G. LOWE. 2000. Family Buthidae. Pp. 54-286. In: Catalog of the Scorpions of the World (1758-1998) (eds. V. Fet, W. D. Sissom, G. Lowe & M. E. Braunwalder). New York Entomological Society, 690 pp.


    GONZÁLEZ-SPONGA, M. A. 1996. Guía para identificar los escorpiones de Venezuela. Cuadernos Lagoven, Caracas, 204 pp.


    LENARDUCCI, A. R. I. P., R. PINTO DA ROCHA & S. M. LUCAS. 2005. Descrição de uma nova espècie de Rhopalurus Thorell, 1876 (Scorpiones: Buthidae) do nordeste brasileiro. Biota Neotropica, 5(1a): 1–8.


    LOURENÇO, W. R. 2002. Scorpions of Brazil. Les Éditions de l’If, Paris, 307 pp.


    LOURENÇO, W., D. HUBER & J. L. CLOUDSLEY-THOMPSON. 2000. Description of the stridulatory apparatus in some species of the genus Rhopalurus Thorell (Scorpiones: Buthidae). Ekológia, Bratislava, 19(3): 141-144.


    SOUSA, L. DE, P. PARRILLA-ALVAREZ & M. QUIROGA. 2000. An epidemiological review of scorpion stings in Venezuela: the Northeastern region. Journal of Venomous Animals and Toxins, 6(2).


    TERUEL, R. 2006. Apuntes sobre la taxonomía y biogeografía del género Rhopalurus Thorell 1876 (Scorpiones: Buthidae), con la descripción de dos nuevas especies de Cuba. Boletín de la Sociedad Entomológica Aragonesa, 38: 43-54.


    TERUEL, R. & C. A. RONCALLO. 2008. Rare or poorly known scorpions from Colombia. III. On the taxonomy and distribution of Rhopalurus laticauda Thorell, 1876 (Scorpiones: Buthidae), with description of a new species of the genus. Euscorpius, 68: 1-12.


    M.A.C.Cozijn © 2008. Dieser Text und die Fotos sind mein Eigentum. Falls Sie weitere Informationen oder Bilder wünschen, kontaktieren Sie mich bitte per PN.



    Originalthema: siehe HIER


    Übersetzt von Maschellodioma


    Geistiger Urheber:Michiel

  • Cool, super Report :D


    Ganz kleine Änderung gäbe es noch...:


    Zitat

    Gift
    Obwohl B. gigas zu der Familie der Buthidae (Koch, 1837) gehört, gilt er nicht als medizinisch wichtige Art. Der LD50 Wert des Goftes ist relativ niedrig und liegt bei 30 mg/ kg. Weil diese Art in vielen Regionen weit verbreitet ist, ist sie bei verhältnissmäßig vielen Stichunfällen beteiligt. Bei einem Großteil der Vergiftungen beschränken sich die Symptome auf lokale Schmerzen und/oder leichte Schwellungen oder aber auch Rötungen der Stichstelle.


    Grüsse und schönes Weekend.
    Lukas