Pandinoides cavimanus (Pocock, 1888)

  • Familie: Scorpionidae (Latreille, 1802)
    Gattung: Pandinoides (Thorell, 1872)
    Art: (Pandinoides) cavimanus [/i](Pocock, 1888)
    Trivialname: Rotscheren – Riesenskorpion


    Unterarten: keine bekannt


    Größe: von 9cm bis zu 12cm (zählt zu den mittelgroßen bis großen Skorpionen)


    Herkunft: Ostafrika: Kenia, Tansania, Somalia, Demokratische Republik Kongo; Sudan


    Äußere Merkmale:
    Pandinoides cavimanus[/i] weist eine schwarz bis dunkelbraune Grundfärbung an Prosoma, Mesosoma sowie Metasoma auf. Bei Jungtieren ist das schwarz ausgeprägter, verblasst aber von Häutung zu Häutung. Die Pedipalpen sind apikal rötlich gefärbt. Daraus leitet sich auch sein Trivialname ab. Die Laufbeine sowie das Telson weisen einen leichten rotbraunen Schimmer auf. Pandinoides cavimanus[/i] hat stark ausgeprägte Pedipalpen mit kräftigen Scheren am Ende und ein, im Verhältnis dazu gesehen, eher schlankes Metasoma.


    Haltung:
    Im natürlichen Habitat herrscht tropisches Regenwaldklima (Feuchtsavanne). Aus den Klimadiagrammen der Regionen abgeleitet bietet sich eine Haltung mit einer Tagestemperatur von 28°C bis 33°C an. Nachts ist eine Abkühlung auf eine hohe Zimmertemperatur, 20°C bis 25°C, empfehlenswert. Eine Trinkschale, mit frischem Wasser gefüllt, sollte stets angeboten werden. Eine Luftfeuchtigkeit um die 60% - 75% wird erreicht, in dem man einen Teil des Bodensubstrats stets feucht hält. Grünpflanzen und Moose unterstützen den Luftfeuchtigkeitsprozess. In diesem Bereich sollte ebenfalls die Möglichkeit für das Anlegen einer Wohnhöhle bzw. –röhre geschaffen werden. Pandinoides cavimanus[/i] nimmt sehr gerne das Angebot an und wechselt vom „feucht – warmen“ in den leicht „feucht – kälteren“ Bereich. Dabei presst er sich auch unter Steine oder andere Rückenkontakt spendende Einrichtungsgegenstände. Durch ein tägliches Sprühen wird ein gesteigertes Grabverhalten bei Pandinoides cavimanus[/i] ausgelöst. Eine Überwinterung mit Haltungsbedingungen ähnlich den oben beschrieben Nachtparametern ist anzustreben. Zusammengefasst kann gesagt werden, dass Pandinoides cavimanus[/i] ein humides Terrarium für Savannenbewohner benötigt.


    Das Terrarium sollte mindestens eine Grundfläche von 60x30cm für ein adultes Tier betragen. Da es sich bei Pandinoides cavimanus[/i] um eine sehr stark grabende Art handelt sollte der Bodengrund aus einem Erde – Lehm – Gemisch in der Mischung 1:1 bestehen, welches ca. 15cm bis 20cm hoch in das Terrarium gegeben werden sollte. Der hohe Lehmanteil sorgt für eine länger anhaltende Feuchtigkeit. Ein Austrocknen des Bodensubstrats muss unbedingt vermieden werden. Das Bodensubstrat sollte stets das Anlegen einer Wohnhöhle bzw. Wohnröhre bieten. Als Einrichtung bieten sich abgerundete Steine, Wurzeln, Hölzer, Pflanzen, Moos, Kork- und Rindenstücke an. Es ist darauf zu achten, dass sich keine spitzen bzw. scharfkantigen Einrichtungsgegenstände im Terrarium befinden. Die weiche Bauchhaut des Skorpions könnte sonst bei Grabaktivitäten in Mitleidenschaft gezogen werden. Halbe Kokosnussschalen oder Ähnliches eignen sich nur bedingt als Unterschlupf.


    Geschlechtsunterschiede und Paarung:
    Bei Pandinoides cavimanus[/i] handelt es sich, im Gegensatz zu seinem Gattungsverwandten Pandinus imperator[/i], um eine eher oberflächlich erforschte Art. Dennoch gibt es eindeutige Merkmale die Geschlechter zu unterscheiden. Die Kammzähne belaufen sich beim Männchen auf 28 – 32. Die Kammzähne des Weibchens zählen 24 – 29. Die Scherenhand des Männchens weist zudem zwei charakteristische Merkmale auf. Sie ist sehr stark nach innen gewölbt, besitzt also eine Art „Delle“. Des Weiteren ist am beweglichen Finger der Schere ein isolierter Zahn zu erkennen („Dorn“).


    Aufgrund des eher eingeschränkten Sozialverhaltens stellt sich die Zucht der Art etwas komplizierter dar als z.B. bei Pandinus imperator[/i]. Zur Paarung sollte das Männchen zum Weibchen gesetzt werden. Auch können beide gleichzeitig in ein neutrales großes Becken gesetzt werden. Der Paarungstanz beginnt nach einer Abtastphase. Während des Rituals kommt es sehr oft zu Stichen unter einander. Diese verlaufen meist harmlos, zumindest wenn von außerhalb keine Störungen erfolgen. Nach vollzogenem Akt sollte das Männchen sofort wieder entfernt werden.


    Die Nachzuchten, zwischen 8 und 23 Jungtiere pro Wurf, sollten einzeln aufgezogen werden (Einschub: laut M. Watz sollen sie ab Instar 4 richtige Killer untereinander sein). Somit kann man Ausfällen durch eventuell auftretenden Kannibalismus bei Häutungen vorbeugen. Haltungsbedingungen können wie bei adulten Tieren der Art beschrieben werden. Eine kleine, nicht allzu tiefe, Wasserschale kann aufgrund der beachtlichen Größe der Jungtiere bereitgestellt werden. Zusätzlich sollte ein Teilbereich inklusive der Wand leicht besprüht werden. Ein leicht angefeuchtetes Zellstofftuch bzw. ein getränkter Schwamm werden ebenfalls dankend als Trinkgelegenheit, aber auch zum Wasserhaushaltsausgleich, angenommen. Fütterung einmal wöchentlich mit Futter in Körpergröße ist anzustreben. Das Jagdverhalten bei Jungtieren ist nach meinen Beobachtungen sehr stark ausgeprägt.



    Verhalten:
    Pandinoides cavimanus[/i] sucht sofort nach dem Einsetzen in das Terrarium nach einem festen Gegenstand und beginnt mit dem Anlegen einer Wohnhöhle bzw. Wohnröhre. Diese angelegt, sieht man ihn nur noch sehr selten. Pandinoides cavimanus[/i] ist ein sehr scheues Tier. Tagsüber ist Pandinoides cavimanus[/i] kaum außerhalb des Unterschlupfes zu sehen. Er ist leider auch nachts nur sehr wenig aktiv. Wenn man ihn überhaupt mal zu sehen bekommt, dann meist in Lauerstellung am Höhlen- bzw. Röhreneingang. Dieses Verhalten gibt Pandinoides cavimanus[/i] (cavi = Höhle, manus = Hand) auch seinen treffenden Namen. Wird Pandinoides cavimanus[/i] gestört, durch Licht oder Erschütterung, kommt sofortiges Fluchtverhalten zum Tragen. Aggressivität bei Störungen ist nicht zu erkennen. Aufgrund der geringen Aktivität ist diese wunderschöne, prachtvolle Art mit Futter sehr genügsam. Außer in Phasen der Häutung genügt Exemplaren ab Instar 5 alle 2 – 3 Wochen ein Futtertier in Körpergröße. Futterpausen werden saisonal, natürlich auch abhängig von den Haltungsbedingungen, eingelegt. Längste nachgewiesene Fresspause eines eigenen subadulten Tieres habe ich mit 3 Monaten, 2 Wochen und 4 Tagen notiert. Bei der Erbeutung wird selten der Giftstachel eingesetzt. Selbst bei wehrhaften Futtertieren in Körpergröße reichen die kräftigen Scheren zum Überwältigen aus. Trotz des ruhigen Gemüts besteht eine erkennbare innerartliche Aggression. Wohnhöhlen bzw. –röhren werden nicht gemeinsam genutzt. Das schwächere Tier wird verdrängt und wartet zunächst außerhalb. Anschließend sucht es einen geeigneten Platz und legt sich eine eigene Wohnhöhle bzw. –röhre an.



    Futter:
    Heuschrecken, Schaben, Steppengrillen, Heimchen, Zophobas und Rosenkäferlarven werden dankend angenommen. Mit der Erbeutung von schnellen Futtertieren, wie kleine Schaben und Heimchen, haben die kleinen Jungskorpione ihre Mühe.



    Giftigkeit:
    Pandinoides cavimanus[/i] zählt zu den mindergiftigen Vertretern, d.h. er wird in das 5 – Stufenmodell unter der Rubrik 2 eingeordnet und besitzt einen LD50 – Wert von > 2000mg/kg. Symptome gleichen einem herkömmlichen Bienenstich. Beim Umgang ist aber dennoch die nötige Sorgfalt, auch im Sinne des Tieres, angebracht. Aufgrund der geringen Giftwirkung sowie des ruhigen Wesens ist Pandinoides cavimanus[/i] meiner Meinung nach für einen Anfänger gut geeignet.



    Anmerkung:
    Quellen für den Haltungsbericht sind, neben den Angaben aus den Büchern (siehe auch Literaturverzeichnis) von Mahsberg & Lippe à Skorpione, Martin Watz à Skorpione im Terrarium – Mit Stachel und Scheren, Ann Web & Herbert Schiejokà Ihr Hobby – Skorpione, eigene Erfahrungen, gemacht über einen Zeitraum von ca. 4 Jahren, anhand eines adulten Paares sowie 4 Jungtieren (ENZ) im Instar2 (mittlerweile Instar6). Tiere stammen aus der Demokratischen Republik Kongo.



    Hinweis:
    Der hier dargebotene Haltungsbericht ist mein Gedankengut. Einbezogene Quellen wurden gekennzeichnet, Zitate nicht verwendet. Unerlaubte Vervielfältigung sowie Kopieren von Passagen ist hiermit untersagt bzw. bedarf Rücksprache. Danke für das Verständnis.