Hottentotta trilineatus (Peters, 1862)

  • Familie: Buthidae (C.L. Koch, 1837)
    Gattung: Hottentotta (Birula, 1908)
    Art: (Hottentotta) trilineatus (Peters, 1862)
    Trivialname: dreigestreifter Tansaniaskorpion
    Unterarten / Farbmorphe: ---



    Größe: Angaben reichen von 35mm bis 65mm (zählt zu den kleinen bis mittelgroßen Skorpionen)

    Herkunft: Südafrika (Äthiopien, Botswana, Eritrea, Kenia, Mosambik, Tansania, Zimbabwe)


    Äußere Merkmale:
    Hottentotta trilineatus ist eine kleine und optisch auffällige Hottentotta – Art. Die Cheliceren sind gelb und haben keine Maserungen zu verzeichnen. Exemplare der Art weisen fast gänzlich eine Behaarung am Körper auf, diese ist jedoch spärlich ausgeprägt. Hottentotta trilineatus weist eine sandfarbene bis rotbraune Grundfärbung (je nach Herkunft) am Prosoma und Mesosoma auf, einzelne Stellen am Carapax und Mesosoma haben leicht orangefarbene Färbung zu verzeichnen. Aufgrund des riesigen Verbreitungsgebietes treten die Exemplare zum Teil recht polymorph auf. Es wird u.a. von einer „black morph“ gesprochen, welche allerdings nicht in schwarz erscheint. Die längsverlaufenden 3 schwarzen Streifen auf Pro- und Mesosoma geben ihm seinen Namen. Die metasomal verlaufenden Carinae sind ebenfalls schwarz gehalten. Der Oberschenkel der Pedipalpe, auch Femur genannt, besitzt 3 komplette und 2 unvollständige Carinae. Die Patella besitzt 8 Carinae, welche zum Teil fein und gleichmäßig verlaufen und keine Granulierung aufweisen. An der Scherenhand findet man keine Carinae. Der bewegliche Scherenfinger ist mit 11 bis 13 Granulierungsreihen durchzogen. Die Metasomasegmente I - III weisen 10 Carinae, Metasomasegment IV 8 oder 10 Carinae, das Metasomasegmente V 5 Carinae sowie 2 ventral verlaufende Granulierungsreihen auf.




    Haltung:
    Aus dem Klimadiagramm der Herkunft abgeleitet bietet sich eine aride Haltung, Halbwüste bis Steppe, mit einer Tagestemperatur von 28°C bis 32°C, lokal auch 35°C, an. Nachts ist eine Abkühlung auf normale Zimmertemperatur, etwa 20°C, empfehlenswert. Eine Trinkschale, mit frischem Wasser gefüllt, sollte einmal wöchentlich angeboten werden. Eine Luftfeuchtigkeit von ca. 30% wird erreicht, in dem man den Bereich um die Trinkschale alle 2 Wochen leicht anfeuchtet. Sprühen reicht bei dieser Art einmal im Monat. Vorsicht: Hottentotta trilineatus ist Mykose - anfällig. Eine trockene Überwinterung (Luftfeuchtigkeit um die 30%) bei 14°C bis 18°C ist der Paarungsbereitschaft zuträglich. Diese sollte einen zeitlichen Rahmen von 2 bis 3 Monaten nicht übersteigen. Auf eine höhere Lebenserwartung durch Überwinterung liegen mir bislang keine belegbaren Erkenntnisse vor.


    Das Terrarium sollte eine Grundfläche von mindestens 20x20cm für diese etwas kleinere Art aufweisen. Für eine Paarhaltung, welche übrigens meist ohne Probleme möglich ist, sollte jedoch mindestens ein Platzangebot von 30x20cm sowie genügend Versteckmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Für eine kleine Gruppe empfehle ich ein Terrarium mit den Maßen 30x30x20cm, welches mit Verstecken auf unterschiedlichen Ebenen durchzogen sein sollte. Da es sich bei Hottentotta trilineatus um keine grabende Art handelt, welche zum Großteil in offenem, stark isoliertem Gelände angetroffen wird, kann der Bodengrund aus einem Sand – Lehm – Gemisch bestehen (normaler Sand geht auch), welches ca. 5cm bis 8cm hoch, leicht feucht, in das Terrarium gegeben werden sollte. Nach dem Austrocknen des Bodengrundes sollte dieser hart werden, aber dennoch grabfähig bleiben und so die Möglichkeit für das Anlegen einer Wohnmulde bieten (kann auch von Hand angefertigt werden, die Tiere nehmen es gerne an). Wohnröhren werden nicht angelegt. Trächtige Weibchen zeigen ab und an den Hauch einer Grabaktivität. Neben der Option Sand – Lehm – Gemisch kann aber auch eine trockene, grabfähige Mischung aus 20% Lehm, 30% grober Sand, 40% feiner Sand sowie 10% Kies als Substrat verwendet werden. Als Einrichtung bieten sich neben Steinen, Wurzeln und Hölzer, auch Kork- und Rindenstücke an. Dadurch kann die Lauffläche im begrenzten Terrarium zusätzlich vergrößert werden. Hottentotta trilineatus neigt zu einer engen Wohnmulde mit Rückenkontakt. (Anmerkung: Auf die Verwendung von „Rieselsand“ verzichte ich in der Skorpionhaltung generell, da er nicht modellierbar ist, könnte aber rein theoretisch verwendet werden.)


    Geschlechtsunterschiede, Paarung und Aufzucht:

    Bei Hottentotta trilineatus handelt es sich um eine relativ gut erforschte Art. Dadurch gibt es natürlich sehr viele Erkenntnisse zur Auseinanderhaltung der Geschlechter. Die Breite des Manus sowie die Metasomasegmente sind beim Männchen etwas breiter ausgeprägt. Der Scherenfinger ist beim Männchen etwas gewundener als beim Weibchen. Männchen weisen 22 – 28 Kammzähne auf, wobei die Kammzähne sich beim Weibchen auf 17 – 25 beschränken. Bei adulten Exemplaren kann man das Geschlecht auch einfach an der Körpergröße der Tiere erkennen. Männchen bleiben deutlich in der Größe zurück. Sie wirken adult wie Weibchen im Instar 5, lediglich das Mesosoma ist viel graziler. Männchen besitzen eine stärker ausgeprägte Granulierung.




    Aufgrund des nur leicht eingeschränkten Sozialverhaltens und der Möglichkeit der Paar- sowie Gruppenhaltung stellt sich die Zucht der Art als relativ einfach dar. Die Nachzuchten, meist zwischen 12 und 20 Jungskorpione pro Wurf, sollten bis zur Adulthäutung einzeln aufgezogen werden. Somit kann man Ausfällen durch eventuell auftretenden Kannibalismus bei Häutungen vorbeugen. Bei Bereitstellung von genügend Raum und Versteckmöglichkeiten kann man sie aber auch in Gruppen aufziehen. Haltungsbedingungen können wie bei adulten Tieren der Art beschrieben werden. Eine zu warme, aber auch zu kalte Haltung verlängert die Zeiträume zwischen den Häutungen drastisch. 32°C sollten selten überschritten werden, Nachtabsenkung auf Zimmertemperatur ist empfehlenswert. Auf eine Wasserschale sollte man jedoch aufgrund der Gefahr des Ertrinkens verzichten und lediglich einen Teilbereich inklusive der Wand wöchentlich leicht besprühen. Dieser Abschnitt wird als Trinkgelegenheit genutzt und verhindert die Dehydration der Jungskorpione. Auch ein leicht angefeuchtetes Zellstofftuch kann hier zusätzlich zum Einsatz kommen. Fütterung einmal wöchentlich mit Futter in Körpergröße ist angemessen. Das Jagdverhalten bei Jungtieren ist nach meinen Beobachtungen sehr stark ausgeprägt.





    Im Mai 2009 schenkte mir meine Hottentotta trilineatus Dame 18 Jungtiere. Die Verpaarung geschah 5 Wochen nach der Adulthäutung, der Wurf setzte ca. 8 Monate danach ein. Eine Schonfrist über 4 Monate gegönnt, wurde die Dame erneut verpaart. Im Juni 2010 gab sie mir dann 27 wunderschöne Jungtiere als Dank. Alle Jungtiere häuteten sich jeweils problemlos ins Instar 2. Drei selbst behaltene Exemplare pro Wurf sind mittlerweile adult (2009) bzw. im Instar 4 (2010). Die Haltung der adulten sowie jungen Exemplare unterzieht sich ausschließlich den oben genannten Haltungsbedingungen.




    Verhalten:
    Hottentotta trilineatus sucht sofort nach dem Einsetzen in das Terrarium nach einem festen Gegenstand und versteckt sich dort bis zur Dämmerung. In der Dämmerung streift er durch sein Terrarium und sucht sich den bestgeeignetsten Platz für seine Wohnmulde aus, welche auch sofort angelegt wird (meist wird sich unter einen Gegenstand gequetscht). Futterpausen werden saisonal, natürlich auch abhängig von den Haltungsbedingungen, eingelegt. Bei der Erbeutung wird meist der Giftstachel eingesetzt.


    Hottentotta trilineatus ist ein sehr schneller Zeitgenosse, der auf Störungen nervös reagiert und stets Fluchtverhalten aufzeigt. In eine Ecke gedrängt verfällt er sofort in Drohposition, gespreizte Scheren und erhobenes Metasoma, und setzt, wenn notwendig, auch seinen Stachel ein. Es ist beim Umgang mit dem Tier größte Vorsicht angebracht!



    Futter:


    Als Futter werden Heuschrecken, Steppengrillen und Grillen, Heimchen, Schaben sowie Mehlwürmer bis Körpergröße angenommen. Hottentotta trilineatus stellt nach meinen Beobachtungen somit keine besonderen Ansprüche an sein Futter. Da gibt es kompliziertere Arten der Gattung.



    Giftigkeit:
    Hottentotta trilineatus verfügt über ein sehr schmerzhaftes, basisches neurotoxisches Peptid mit einem mir nicht bekannten LD50 – Wert, welches bei einem gesunden, erwachsenen Menschen zu Herzkreislaufproblemen führen kann. Beim Umgang mit dieser schnellen Art sollte die notwendige Sorgfalt an den Tag gelegt werden. Innerhalb des 5 – Stufen Giftmodells reiht das Neurotoxin Hottentotta trilineatus im Bereich um die 4 ein. Er zählt mit zu den giftigsten Vertretern seiner Gattung.


    Trotz Fluchtverhaltens bei Störung sowie der geringen Größe ist Hottentotta trilineatus meiner Meinung nach nur dem verantwortungsbewussten, fortgeschrittenen Skorpionhalter zu empfehlen.



    Anmerkung:
    Quellen für den Haltungsbericht sind, neben der Hottentotta Revision von Kovařík aus dem Jahre 2007 (http://www.science.marshall.ed…rpius/p2007_58%20full.pdf) Dokumentenseite 81ff, eigene Erfahrungen, gemacht über ca. 3 Jahre, anhand großgezogener DNZ aus unterschiedlichen Würfen, deren Verpaarung und spezifischer Haltung.


    Hinweis:
    Der hier dargebotene Haltungsbericht ist mein Gedankengut. Einbezogene Quellen wurden gekennzeichnet, Zitate nicht verwendet. Unerlaubte Vervielfältigung sowie Kopieren von Passagen ist hiermit untersagt bzw. bedarf Rücksprache. Danke für das Verständnis.