Grosphus madagascariensis

  • G. madagascariensis (Gervais, 1843)


    Der Name:
    Dieser Skorpion hat keinen allgemeingültigen umgangssprachlichen Namen.
    Etymologisch: Simon beschrieb die Gattung Grosphus 1880 und auch noch im selben Jahr noch Grosphus madagascariensis. Gervais beschrieb diesen Skorpion 1843 als Scorpio (Androctonus) madagascariensis, jedoch als Simon 1880 die Gattung Grosphus beschrieb wollte er die Art Scorpio (Androctonus) madagascariensis zu Grosphus zählen, dafür musste er allerdings erst einmal Scorpio (Androctonus) madagascariensis in Grosphus madagascariensis umbenennen. Dies gilt bis heute. Das Artepitheton madagascariensis kommt daher, dass der Skorpion ausschließlich auf der Insel Madagaskar heimisch ist.


    Verbreitung:
    Die Gattung Grosphus ist endemisch in Madagaskar, das vor der Ostküste Afrikas liegt. Dies ist eine der gewöhnlicheren Arten, die auf der ganzen Insel an beiden Küstengebieten, im Inneren, jedoch eher weniger im Südwesten beheimatet ist.


    Natürliche Umgebung:
    In Madagaskar herrscht tropisches Klima, welches sehr stark von dem Passatwind beeinflusst wird. Der meiste Regen fällt hier im Sommer(von November bis März). Die Tagestemperaturen liegen dann um die 30 °C (86 F) und auch nachts kann es sehr warm werden. Im Winter(von April bis Oktober) herrschen niedrigere Temperaturen und es fällt auch weniger Regen. Der November bietet viel Regen und Gewitter, was zu gleich den Beginn der Regenzeit markiert. Im Osten Madagaskars regnet es ganzjährig und es ist nicht ungewöhnlich, wenn es den ganzen Tag durchregnet. Im Zentrum hingegen liegt Hochland. Höchster Punkt ist der Gipfel des Mount Maromokotro(2876 Meter/ 9435 Fuß). Der südliche Teil der Insel, besonders der Südwesten, besteht überwiegend aus trockener Fläche, gespickt mit Dornenbüschen und anderem Buschwerk. Im Norden liegen Wälder mit Farnen, Palmen und anderen Bäumen(z.B. der berühmte Affenbrotbaum kommt dort vor). Aufgrund dieser verschiedenen Lebensräume mit eigenen klimatischen Bedingungen und dem Verbreitungsmuster von G. madagascariensis auf der Insel kann man sagen, diese Art ist ein Lebensraumuniversalist, obwohl er eher dazu tendiert in feuchten Wäldern zu leben(sein naher Verwandter, G. hirtus, bevorzugt trockenere Wälder).


    Gift:
    Obwohl dieser Skorpion zu der Familie der Buthidae(Koch, 1837) gehört, gilt sein Gift nicht als äußerst giftig. Da es ein mittelgroßer Buthide ist, sollte man vorsichtig mit diesen Tieren umgehen und möglichst versuchen, nicht gestochen zu werden. Mir ist kein LD50-Wert dieser Art bekannt(oder anderer Arten dieser Gattung), ich tippe mal wegen seines „relativ ungiftigen“ Giftes besteht einfach kein Interesse an der Erforschung des Giftes.


    Morphologische Information:
    Die Gattung Grosphus(Simon, 1880) umfasst zur Zeit 19 Arten. Innerhalb der Gattung existieren Artenkomplexe(Gruppen nah verwandter Arten), wie beispielsweise die G.madagascariensis/ G.hirtus Gruppe und die G.limbatus/ G.bistriatus Gruppe (Lourenço, 2003, 2004). Drei Merkmale sind wichtig beim identifizieren Mitglieder der Gattung: Farbmuster, die Form basalen Mittellamelle bei Weibchen und die Form und Größe des ersten Metasomasegmentes. G. madagascariensis ist von mittlerer Größe, so erreicht er eine Gesamtlänge von ca. 6cm(2,3 Inch). Die Färbung der Tergiten, des Carapax und der Pedipalpen ist rötlich-braun bis rötlich. Die Beine sind hellbraun. Er besitzt Tibiasporne an den Beinpaaren III und IV und Tarsalsporne an den Beinpaaren I-IV. Die Metasomasegmente I-III sind rötlich-braun und IV-V etwas dunkler, das Vesikel ist dunkelrot. Er besitzt einen kurzen, gebogenen Aculeus, jedoch keinen subakulearen Tuberkel. Die Kiele auf der Rückseite der Metasomasegmente I-IV enden in einer stacheligen Körnung. Juvenile Tiere sind in der Regel heller gefärbt als Adulte(siehe das Bild unten). Der bewegliche Finger der Pedipalpen bringen 12 Granulierungsreihen hervor. Männchen haben 18-20 Kammzähne, Weibchen 16-18, jedoch hat diese Art immer weniger als 20 Kammzähne(Lourenço, 1996). Männchen haben zudem voluminösere chelae als Weibchen und sind meist etwas schlanker gebaut. G. madagascariensis besitzt eine oval förmige basale Mittellamelle, wohingegen sie bei G. hirtus fast quadratisch ist.


    Haltung in Gefangenschaft:
    Die folgenden Informationen basieren auf eigenen Erfahrungen und soll als Beispiel dienen, wie man diese Art halten kann. Da diese Art nicht oft gehalten wird, gibt es kaum vernünftige Haltungsberichte oder Ähnliches. Meiner Meinung nach sollte das Terrarium für ein Pärchen adulter Tiere die Maße 30x20x20 cm(12x 8x 8 Inch) nicht unterschreiten. Juvenile Tiere können in Heimchendosen oder Ähnlichem gehalten und aufgezogen werden. Ich persönlich halte alle Jungtiere einzeln um Kannibalismus vorzubeugen, adulte Tiere hingegen halte ich in Pärchen. Tagsüber herrschen in diesen Behältnissen 24-28°C( 75-82 F), nachts 21°C(70 F). Die relative Luftfeuchtigkeit sollte um die 70-75% liegen. Dies erreicht man, wenn man eine Hälfte des Bodengrundes (fast) völlig trocken lässt und die andere Hälfte feucht(nicht nass, da es sonst zu Schimmelbildung und/oder Milbenbefall kommen kann). Ich befeuchte das Gefäß ein- bis zweimal die Woche, je nach Notwendigkeit aufgrund äußerer Temperaturen und Luftzirkulation. Nachtsüber liegen sie dann oft längere Zeit auf der feuchten Hälfte ihres Habitats. Wenn die Skorpione sich einer Häutung nähern, sollte ausreichende Feuchtigkeit sichergestellt sein. 70% Humus und 30% Sand ist meines Erachtens die beste Mischung für ein Substrat. Diese Art gräbt nicht, so reichen Korkstücke und Steine ihnen als Verstecke. Ein kleines Trinkgefäß sollte auch bereitgestellt werden. Für ausreichende Belüftung muss zudem gesorgt werden, damit die Luft nicht stickig wird. Diese Art lässt sich ohne Probleme in Gefangenschaft nachziehen. Adulte Tiere sollten ein- bis zweimal in der Woche mit einen Beutetier in adäquater Größe gefüttert werden. Ich füttere meine Tiere mit Grillen zweimal die Woche, bis sie das dritte Instar erreicht haben. Die Beute wird durch einen(mehrere) Stich(e) getötet, abhängig von der Größe der Beute und der Größe des Skorpions. Juvenile Tiere können Beutetiere von bis zu 150% und mehr ihrer eigenen Größe erlegen. Meiner Meinung nach ist diese Art nicht für einen Anfänger geeignet, da es sich um eine Art der Familie Buthidae handelt. Diese Art ist weniger nervös und angriffslustig als beispielsweise G.grandidieri or G.limbatus. Aufgrund der nahen Verwandschaft zwischen G.madagascariensis und G.hirtus kann man Lebensdauer, durchschnittliche Wurfzahl und Dauer der Trächtigkeit der beiden Arten gut vergleichen. G.hirtus lebt bis zu 65 Monate, die Dauer der Trächtigkeit beträgt ca. 8 Monate, und die durchschnittliche Wurfgröße beträgt 31,5 Jungtiere (Lourenço & Goodman 2005). G.madagascariensis wirft, wie andere Arten dieser Gattung, nach einer Befruchtung nicht mehrfach.


    Notiz:
    Notiz I: Der einzige Zusammenhang den ich zu “Grosphus” finden konnte ist eine Person namens Pompeius Grosphus, der in der klassischen griechischen Poesie Horats auftaucht. Warum Gervais diesen Namen als Gattungsnamen verwendet hat bleibt mir jedoch unklar.


    Bilder:
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    Quellenangabe:
    FET, V. & G. LOWE. 2000. Family Buthidae. Pp. 54-286. In: Catalog of the Scorpions
    of the World (1758-1998) (eds. V. Fet, W. D. Sissom, G. Lowe & M. E.
    Braunwalder). New York Entomological Society, 690 pp.


    LOURENÇO, W.R. Scorpions of South West Madagascar. II. The species of Grosphus
    Simon (Scorpiones, Buthidae).
    Boletin Sociedad Entomológica Aragonesa, No. 41 (2007): 369-375


    LOURENÇO, W.R. & S.M. GOODMAN. 2005. Notes on the postembryonic development
    and ecology of Grosphus hirtus Kraepelin, 1901 (Scorpiones, Buthidae)
    from the Park National d’Ankarafantsika, northwest Madagascar.
    Zoologischer anzeiger JCZ 25013, Elsevier GmbH © 2005


    LOURENÇO, W.R. Scorpions from Mandena East Coastal rainforest in Madagascar, and
    description of a new species of Grosphus Simon (Scorpiones, Buthidae).
    Boletin Sociedad Entomológica Aragonesa, No. 37(2005): 83-87


    LOURENÇO, W. R., GOODMAN, S.M. & O.RAMILIJAONA. Three new species of
    Grosphus Simon from Madagascar (Scorpiones, Buthidae). Revista Iberica
    de Aracnologia Vol. 9, 30-VI-2004, Pp 225-234.


    LOURENÇO, W.R. & S.M. GOODMAN. Description of a new species of
    Grosphus Simon (Scorpiones, Buthidae) from the Ankarana Massif,
    Madagascar. Revista Iberica de Aracnologia Vol. 7, 30-VI-2003, Pp 19-28.


    LOURENÇO, W. R. 2003. New taxonomic considerations on some species of the genus
    Grosphus Simon, with description of a new species (Scorpiones, Buthidae).
    Revue Suisse de Zoologie 110 (1): 141-154; mars 2003


    LOURENÇO, W. R. 1996. Faune de Madagascar 87 : Scorpions (Chelicerata,
    Scorpiones). Paris


    LOURENÇO, W. R. 1996. Origins and affinities of the scorpion fauna of Madagascar.
    Biogéographie de Madagascar, 1996: 441-455.



    Ich bedanke mich im Namen des ganzen Forums dafür, dass Michiel uns diesen Report zur Verfügung gestellt hat.
    Diese Übersetzung wurde von mir(Marcel Eßer) angefertigt und ist mein geistiges Eigentum.

  • Hallo,


    auch Grosphus grandidieri wird unter diesem Synonym gehandelt. Man sollte immer beim wissenschaftlichen Namen bleiben, dann ist eine Identifizierung einfacher.


    Frage:
    Mir fällt auf, dass du sehr viel mit Pauschalisierungen (z.B. Verhältnis Chela zu Metasoma) sowie Trivialnamen hantierst. Wieso machst du das? ("weil ich es kann wäre keine gute Antwort").


    Anmerkung:
    Solche Dinge sind eigentlich in einem Fachforum tabu.


    MfG
    M.