​Antivenine und Antitoxine

  • Antivenine und Antitoxine



    Antiskorpionserum wurde erstmals von TODD 1909 in Kairo hergestellt. Heute produzieren die Pasteurinstitute in Algerien, Marokko und Tunesien spezifische Antivenine, allso Seren, in denen alle Komponenten des Gifts alls Antikörper reagieren, gegen die wichtigsten nordafrikanischen Skorpione wie Androctonus australis und Buthus occitanus. Das Agouzainstitut in Kairo liefert ein polyvalentes Serum das aus den Giften von z.b Leiurus quinqestriatus hergestellt wird. Vom Listerinstitut in England wird ein Antiserum gegen afrikanische Skorpione bereitgestellt. Gegen Tityus serrulatus und Tityus bahiensis gerichtete Antivenine können aus dem Institut Butantan, Sao Paulo, Brasilien bezogen werden. Die Myn Laboratories in Mexiko sind Lieferanten eines polyvalenten Serums gegen Centruroides exilicauda . Im Central Institute of Hygiene, Ankara, stellt man ein monovalentes Serum gegen Androctonus crassicauda und im Institute for Medical Research, Johannesburg, ein Serum gegen Parabuthus und Hottentotta her.


    In Deutschland ist ein Skorpiongift-Immunserum von der Twyford Pharmaceuticals GmbH, Ludwigshafen, zu beziehen.


    Alle heute erhältlichen Antivenine werden von Immunisierten Pferden gewonnen. Bei Personen, die gegen Pferdeserum empfindlich sind, vor allem auch bei den besonders gefährdeten Kindern, muss mit akuten anaphylaktischen Reaktionen gerechnet werden. Ingesamt wird die Häufigkeit von Zwischenfällen mit 5% angegeben. Das Agouzaininstitut stellt daher für gegen Pferdeserum allergische Personen zusätzlich ein aus Kühen gewonnenes Skorpion-Antivenin bereit.
    Die Herstellung von Antivenin ist ein Langwieriger Prozeß. 400-500 Giftblasen von Androctonus bicolor werden für ein achtmonatiges Immunisierungsprogramm bei einem Pferd benötigt, um eine Neutralisierung von 1mg Gift pro Milliliter Imunserum zu erreichen. Im Butantan-Institut werden die Pferde mit Trockengift immunisiert, das aus dem Rohgift nach Elektrostimulation der Giftdrüse gewonnen wird. Dazu wird den Skorpionen alle 2-3 Wochen Gift abgenommen. Nach BÜCHERL 1953 erfolgten in 16 Monaten bei Tityus serrulatus, an 380 Tieren 4106 Giftabnahmen, wobei 309mg Trockengift anfielen. Eine Problematik bei der Herstellung der Antivenine darf nicht verschwiegen werden. Sie hängt mit der Zusammensetzung der Gifte zusammen. Die meisten Komponenten der Gifte sind großmolekular und kaum oder gar nicht toxisch. Die gefährlichen Neurotoxine machen nur weniger als 1% bis zu 3% des Gesamtgiftes aus. Wenn man nun das Gesamtgift als Antigen benutzt, werden die meisten Antikörper gegen die harmlosen Substanzen im Gift- zum Nachteil der Neurotoxine- gebildet. Daher nimmt es nicht wunder das die meisten der heute verfügbaren Antivenine nur eine relativ geringe Wirkung aufweisen. Beim Vergleich von Antiseren, die in Algerien, Ankara, Johannesburg, Mexiko und Sao Paulo hergestellt wurden, erwies sich das Androctonus crassicauda Serum aus Ankara am Wirksamsten. Es neutralisierte Androctonus australis Gift besser als das gegen diese Spezies gerichtete Antiserum (WHITTEMORE et al. 1961). Diese Befunde zeigen, daß das Androctonus crassicauda Gift breitere Antigeneigenschaften als andere Skorpiongifte aufweist.



    Trotz der aufgezeigten "Paraspezifität" von Antiveninen konnte niemals klar bewiesen werden, daß irgendeines der käuflichen Antivenine in der Lage ist, eine größere Anzahl von Skorpiongiften, z.b von Arten, die in einem bestimmten Gebiet wie Nordafrika leben, zu neutralisieren. So musste nach anderen Wegen gesucht werden, um die Serumtherapie verbessern. Als eine Möglichkeit dazu bietet sich die Verwendung von reinen Neurotoxinen anstelle des Gesamtgiftes als Antigene an. Man spricht dann von Antitoxinen. Diese haben sich bislang von unschätzbarem Wert erwiesen.
    Damit ist die Wirksamkeit gegenüber der früheren Therapie mit Antiveninen erheblich verbessert und ein großer Fortschritt erreicht worden.