Androctonus crassicauda (OLIVIER, 1807)

  • Androctonus crassicauda (OLIVIER, 1807)


    Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
    Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
    Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
    Ordnung: Skorpione (Scorpiones)
    Familie: Buthidae (C.L. KOCH, 1837)
    Gattung: Androctonus ( EHRENBERG, 1828)
    Art: crassicauda (OLIVIER, 1807)


    Herkunft und Vorkommen:
    Androctonus crassicauda ist ein in den Wüsten und Trockengebieten des nahen und mittleren Ostens(z.B. Türkei, Israel , Irak, Iran, Jordanien, Oman) und angeblich teilweise Nordafrika (Marokko) beheimateter, arid lebender und stark grabender Skorpion.
    Seine Habitate in diesen Ländern bestehen wie bei allen Androctonus spec.aus Sand, Stein(Fels)wüsten, sowie aus Steppenartigen Trockengebieten mit lehmhaltigen, sandigen und steinigen Untergründen.


    Äußere Merkmale & Geschlechtsunterschiede sowie einige einfache Unterscheidungsmerkmale zu anderen Arten der Gattung Androctonus:


    Beim Androctonus crassicauda handelt es sich um einen mittelgroßen bis großen Skorpion (bei den Buthiden) der als adultes Tier Größen zwischen 8 und bis zu 12 cm erreichen kann. Androctonus crassicauda wirkt auf mich sehr wohl proportioniert und hat ein schön Kompaktes Aussehen.


    Androctonus crassicauda besitzt ein breites Farbspektrum von mattschwarz und leicht grünlich schimmernd (Israel) bis hin zu rötlichbraun-schwarz (Tiere aus Jordanien). Androctonus crassicauda weist wesentlich weniger Granulierungen am Prosoma, Mesosoma und besonders am Metasoma auf als andere Androctonus spec., deshalb wirken Prosoma, Mesosoma und das Metasoma glatter und glänzend, was auch ein Unterscheidungsmerkmal zu den anderen schwarzen Arten der Gattung Androctonus darstellt. Ebenso halte ich die hellen Kämme für ein Unterscheidungsmerkmal zu anderen dunklen Arten dieser Gattung.
    Androctonus crassicauda besitzt schmalere aber wuchtige Scherenhände (Pedipalpen) als z.B. Androctonus mauritanicus! Die Scherenfinger sind länglich und laufen Spitz zu, sein sich zum Telson hin leicht verdickendes Metasoma mit dem Stachel ist ein auffälliges und eindrucksvolles Merkmal, es verdickt sich in der Regel jedoch etwas weniger als bei anderen Androctonus spec., was nicht heißen soll das Androctonus crassicauda ein schmales Metasoma hat was ist mitnichten der Fall!


    Die Weibchen von Androctonus crassicauda sind größer und massiger als die Böcke.
    Wie bei allen Androctonus spec. gibt es auch bei dieser Art, ein erkennbares aber von Art zu Art unterschiedlich ausgeprägtes Unterscheidungsmerkmal am unbeweglichen Scherenfinger zwischen Böcken und Weibchen. Beim Androctonus crassicauda Bock ist die Ausbuchtung nicht so stark ausgeprägt wie beim Androctonus mauritanicus.
    Die Ausbuchtungen bei den Böcken, dienen dazu das Weibchen bei der Paarung besser festhalten zu können! Am einfachsten und sichersten lassen sich jedoch die Geschlechter anhand der Pectine (Kammorgane) mit den Kammzähnen wie bei allen Androctonus spec. unterscheiden!
    Bei Androctonus crassicauda haben Weibchen 22-27 Kammzähne und Böcke 27-33 Kammzähne!
    Außerdem erkennt man einen Unterschied in der Stellung der Kämme zueinander was bei fast allen Buthiden so zu sehen ist! Bei Böcken berühren sich die ersten Zähne (bzw. fast) bei angelegtem Kammorgan (V-Stellung)bei Weibchen hingegen tun sie es nicht! Des Weiteren sind die Kämme bei den Böcken länger.
    Dies konnte ich anhand von einigen Dutzend Androctonus crassicauda in den letzten Jahren dokumentieren! Tiere waren DNZ, Wildfangnachkommen und 3 adulte Wildfangtiere. Die Geschlechter teilten sich in etwa zu 2/3 in Weibchen und 1/3 Böcke auf.


    Haltungsbedingungen:
    Androctonus crassicauda ist ein arid lebender nachtaktiver und stark grabender Skorpion. Er stellt seiner Beute als Lauerjäger nach! Die Terrarien sollten jedoch nicht zu klein gewählt werden da diese Art wie schon erwähnt sehr stark gräbt. Gelegentlich begibt er sich auch aktiv auf die Jagd!
    Androctonus crassicauda legt verstärkt selbst gegrabene Höhlen und Gänge an, nutzt jedoch gelegentlich auch die ihm von mir angebotenen Verstecke, die aus Korkrinde, Steinen oder z.B. aus Tontöpfen oder Tonscherben bestehen!
    Der Bodengrund muss aus grabfähigem Material bestehen, entweder fertigen Terrarien Sand oder z.B. aus mit Lehm versetzten Sand!


    Ich bevorzuge den mit Lehm versetzen roten oder gelben Sand da er gute grab Eigenschaften auf weist, optisch sehr ansprechend aussieht und dem Skorpion die Bedingungen bietet die er benötigt.
    Als Substrathöhe bringe ich 15 bis 20cm ein, so dass der Skorpion ausgiebig graben kann denn Androctonus crassicauda sind wahre Tunnelbauer und graben was das Zeug hält, wie schon mehrfach erwähnt.
    Als weitere Terrarieneinrichtung verwende ich Wüstensträucher zum klettern, Schieferplatten, Steine und setze kleine Kakteen oder ähnliches ein!
    Eine kleine Wasserschale, Thermo - und Hygrometer zur Überprüfung von Luftfeuchte und der Temperatur komplettieren meine Terrarienausstattung.
    Als Minimale Größe für ein Tier empfehle ich ein 30x30x20 cm Becken größer ist immer besser. Bei der Paarhaltung sollte man ein Becken mit den Maßen 40x30x30 wählen oder größer.
    Ob man nun ein Glas oder ein Plastikterrarium nimmt spielt keine Rolle das sollte jeder individuell nach eigenem Geschmack entscheiden!
    Ich bevorzuge Plastikterrarien (Faunaboxen) in unterschiedlichen Größen da ich dort 12 Volt Spots verbauen kann.
    Das einzige was ich aus eigenen Erfahrungen dringenst empfehle sind von oben zu öffnende Terrarien da es meiner Meinung nach am sichersten ist um Androctonus crassicauda zu handhaben, da diese Art zu den hochpotenten und potentiell für den Menschen gefährlichsten Arten gehört und recht aggressiv ist. Natürlich kann man auch Schiebescheibenbecken verwenden, ich mache das bei dieser Art nicht. Von oben zu öffnende Terrarien sind aber lediglich eine Empfehlung!


    Und da es bei ariden Becken bei sachgemäßer Befeuchtung nicht zu Staunässe kommt, die unbedingt zu vermeiden ist, muss man sich nicht um riesige Belüftungsflächen kümmern, ein Lüftungsgitter im Deckel reicht nach meinen Erfahrungen völlig aus!
    Ich halte adulte Androctonus crassicauda maximal paarweise, lieber aber in Einzelhaltung. Bei Paarhaltung empfehle ich gut zu füttern da es ansonsten zu einem Ausfall kommen kann, da die Art eine recht hohe innerartliche Aggressivität aufweist. Die Luftfeuchtigkeit sollte bei adulten Androctonus crassicauda zwischen 40-50% gehalten werden wobei man längere Phasen bei 40% einlegen sollte. In der Aufzucht erhöhe ich diese aber ein wenig um Häutungsschwierigkeiten vorzubeugen!!!
    Dies erreiche ich durch zweimaliges leichtes übersprühen der Einrichtung in der Woche und durch wöchentliches auffüllen einer kleinen Wasserschale.
    Die Tagestemperaturen belaufen sich zwischen 28 und 35 Grad wobei ich meinen Tieren lokale Plätze bis zu 40 Grad anbiete, die vor allem von den trächtigen Weibchen zum Sonnen genutzt werden. Bei Böcken sollte man die Temperatur auf max. 30° beschränken da dies die Lebensdauer der Böcke fördert.
    Diese Werte erreiche ich durch 10, 20 und 35 Watt Spots (12V) die die Terrarien beheizen.
    Die Nachttemperatur beträgt 22-25 Grad und sollte außerhalb der Winterruhe nicht unter 20 Grad absinken.
    Da es auch im Verbreitungsgebiet von Androctonus crassicauda einen Winter gibt (~Dez.- März) bei dem die Temperaturen zwischen 10-20 Grad liegen sollte man eine Winterruhe durchführen, dies fördert die Paarungsbereitschaft und Lebenserwartung von Androctonus crassicauda. In dieser Zeit übersprühe ich die Terrarium Einrichtung jede Woche zweimal ganz leicht, da im Winter auch in der Natur die Luftfeuchte ansteigt. Eine kleine Wasserschale biete ich weiterhin jede Woche an.


    Futtertiere:
    Ich füttere meine adulten Tiere alle 8-10 Tage mit Heuschrecken, Grillen verschiedenster Art, Zophobas und Schaben, Jungtiere bekommen dieselben Futtertiere jedoch alle 5 Tage und natürlich ihrer Größe angepasst!
    Diese Haltungsparameter beziehen sich auf von mir gehaltene adulte Androctonus crassicauda und weichen von den Werten bei den Jungtieren leicht ab. Haltungsparameter bei Jungtieren beschreibe ich bei der Aufzucht der Jungtiere.


    Verpaarung, Aufzucht der Nachzuchten:
    Verpaart werden meine Androctonus crassicauda ca. 14 Tage nach Beendigung der Winterruhe, dies ermöglicht es mir die Tiere vor der Paarung noch ordentlich anzufüttern was bei Androctonus crassicauda wichtig ist aufgrund der innerartlichen Aggressivität!
    Die Verpaarungen meiner Androctonus crassicauda dauerten zwischen 6 und 24 Stunden.


    Verpaart werden meine Androctonus crassicauda in einem extra eingerichtetem Paarungsbecken, mit flachen Schieferplatten und flacher Korkrinde zum absetzen der Spermatophore!
    Nach einer erfolgreichen Verpaarung sollte der Bock ca. 10-14 Tage Ruhe bekommen um eine neue Spermatophore aus zu bilden, dann kann man den Bock erneut mit einem Weibchen verpaaren. Oftmals hat es sich bei mir gezeigt das mehrmalige Verpaarungen den Erfolg, das es zu einem Wurf kommt erhöht haben.
    Die Tragzeit bei meinen Androctonus crassicauda Weibchen betrug zwischen 6 und 12 Monaten, wobei ich die Wildfangwurfdauer nur schätzen kann. Die Anzahl der Häutungen bei meinen Androctonus crassicauda betrugen bei Böcken 6-7 Häutungen und bei den Weibchen 7-8.


    Androctonus crassicauda bringt wie alle Androctonus spec. weit entwickelte Jungtiere zur Welt. Die Wurfgrößen beliefen sich 48, 51, 52 und 67 Jungtiere.
    Die Würfe setzten sich aus 1 WF Wurf und 3 eigenen DNZ Würfen zusammen. Der WF Wurf war wesentlich größer als die DNZ Würfe.


    Die Haltungsbedingungen bei den Jungtieren unterscheiden sich von denen bei den adulten Tieren in folgenden Punkten:
    Die Luftfeuchtigkeit halte ich bei ca. 50% bis ins 5 instar was ich durch zweimaliges leichtes befeuchten einer Ecke in der Aufzuchtsdose in der Woche erreiche, die Temperaturen begrenze ich auf max.34 Grad (Kurz vor Häutungen)und die Jungtiere werden alle 5 Tage gefüttert.
    Wichtig! Jedoch hebe ich, meine maximal Temperatur kurz vor den Häutungen um ca. 3-4 Grad an und erhöhe in diesem Zuge auch die Luftfeuchtigkeit! Diese Maßnahme fördert nach meinen Beobachtungen die Häutungsbereitschaft ungemein! Diese Maßnahme funktioniert auch bei allen anderen ariden Arten. Wichtig!!
    Des Weiteren halte ich die juvenilen Androctonus crassicauda in Einzelhaltung bis ins adult Stadium danach setze ich sie maximal als Paar (1.1) zusammen.
    Dies waren bei mir die besten Bedingungen zur Aufzucht der juvenilen Tiere, da ich eine Gruppe bei diesen Bedingungen innerhalb von 14 Monaten adult bekommen hab! Zwei andere Gruppen waren erst mit knapp 19 Monaten adult!


    Hier die einzelnen Gruppen:


    Gruppe1:
    Bei Haltung mit folgenden Parametern: 50 % Luftfeuchte und max. Temperatur bis 32 Grad, (15 Tiere) bis adult:
    3 Ausfälle: 2 instar = 1 Tiere, 2 Tiere durch Fehler bei der Häutung ins 4 instar. 12 (3.9) Tiere erreichten das adult Stadium.


    Gruppe2:
    Bei Haltung mit folgenden Parametern:40- 50% Luftfeuchte und max. Temperatur bis 35 Grad, (15 Tiere) bis adult: 6 Ausfälle: 2 instar = 2 Tiere, 3 Instar = 2 Tiere, sowie 3 Tiere durch Fehler bei der Häutung im 3und 4 instar. 9 (2.7) Tiere erreichten das adult Stadium.


    Gruppe 3:
    Bei Haltung mit folgenden Parametern: 40% Luftfeuchte und max. Temperatur bis 35 Grad, (15 Tiere) bis adult:
    9 Ausfälle: 2 instar = 2 Tiere, 3 instar = 2Tiere, 4 instar = 1Tiere, 5 Tiere durch Fehler bei Häutungen im 3-5 instar. 6 (2.4) Tiere erreichten das adult Stadium.


    Fazit:
    Bis zum 5 instar ist der juvenile Androctonus crassicauda nach meinen Beobachtungen schon recht anfällig gegenüber Häutungsschwierigkeiten und Dehydration bei hohen Temperaturen und niedriger Luftfeuchte im Gegensatz zu den adulten Tieren. Ab Instar 5 sind die Tiere dann recht robust gegen Ausfälle. Vor Häutungen sollte allerdings noch leicht gesprüht werden.


    Verhalten und Giftigkeit:
    Androctonus crassicauda reagiert bei Störungen gereizt und wenn man ihn in die Enge treibt geht er in Abwehrposition und weicht nicht zurück und schlägt massiv mit dem Metasoma aus!
    Androctonus crassicauda sollte wie oben erwähnt maximal als Paar gehalten werden, da die Aggressivität innerhalb der Art recht hoch ist dies zeigt sich grad bei ungenügender Fütterung darum sollte durch eine gute Fütterung, mehrere Verstecke und Platz im Terrarium diese Haltung unterstützt werden!


    !!Wobei ich wie immer betone, Ausnahmen gibt es natürlich immer wieder!!


    Bei der Paarhaltung würde ich eine Terrarien Größe von Minimum 30x30x30 wählen. Eine Einzelhaltung ist meiner Meinung nach vorzuziehen da es ärgerlich ist ein Tier zu verlieren was man solange großzieht!
    Androctonus crassicauda gehört zu den giftigsten Skorpionen überhaupt. Er gehört zu den medizinisch für den Menschen bedeutsamen Skorpionen, da in seinem Verbreitungsgebiet Todesfälle auf das Konto dieses Skorpions gehen.
    Diese Todesfälle treten hauptsächlich bei Kindern, alten und schwachen Menschen auf! Dieses geschieht meiner Meinung nach aufgrund von unzureichender medizinischer Versorgung, sowie an mangelnden hygienischen Verhältnissen, wie in vielen Gebieten dieser Welt!


    Wie giftig Androctonus crassicauda ist vermag ich nicht zu sagen! Hier geben eventuell die LD 50 Wertetabellen einen Aufschluss auf die Giftigkeit!
    Dort wird Androctonus crassicauda mit ~ aufgeführt 0,40mg/kg und kommt gleich nach dem Androctonus australis der mit ~0,25-0,33 mg/Kg aufgeführt wird!


    Daher rate ich dringend dazu alle anstehenden arbeiten, im Terrarium nur mit langen Pinzetten auszuführen oder den Skorpion während der Arbeiten in ein anderes Behältnis um zu setzen!


    Meiner Meinung nach sollten Einsteiger ins Hobby diesen Skorpion erst pflegen wenn sie ein wenig Erfahrung gesammelt haben, da er ein recht aggressiver Pflegling ist! Diese Tiere sollte man nicht unterschätzen da sie sehr schnell, aggressiv und sehr giftig sind. Auch wenn sie einen ruhigen Eindruck vermitteln explodieren sie bei den richtigen Haltungsparametern bei Bedarf und sind extrem schnell!!


    Persönlicher Kommentar:
    Für mich persönlich ist Androctonus crassicauda der schönste Skorpion der Gattung Androctonus da er für mich am proportioniertesten aussieht .
    Diese Art zu pflegen und zu beobachten ist wahnsinnig interessant!
    Androctonus crassicauda ist ein relativ schwer nachzuziehender Skorpion im Gegensatz zum Androctonus mauritanicus.
    Androctonus crassicauda benötigt wesentlich länger um adult zu werden als die meisten anderen Androctonus spec. Aufgrund seiner recht hohen innerartlichen Aggressivität ist er weniger gut für die Gruppenhaltung geeignet! Des Weiteren ist dieser Skorpion wie schon erwähnt für Anfänger meiner Meinung nach ungeeignet letztendlich muss das aber jeder für sich selbst entscheiden.


    Dieser Bericht beruht auf meinen eigenen Beobachtungen und Erfahrungen aus 3 Jahren Haltung und Nachzucht von Androctonus crassicauda! Nur die Giftigkeit wurde der LD 50 Werte Tabelle entnommen!
    Zum Vergleich bestimmter Daten wurde Skorpione im Terrarium von M. Watz und Skorpione von D. Mahsberg, R. Lippe und S. Kallas sowie Biology of Scorpiones hinzugezogen jedoch wurde dieser Literatur nichts entnommen!


    Quellenangaben:
    Eigene Erfahrungen
    LD 50 Werte --->LD 50
    Fotos: G. Dilger


    !!Copyright G.Dilger!!


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