Smeringurus mesaensis (STAHNKE 1957)

  • Hier ein Haltungsbericht, den ich 1 zu 1 von Daniel übernommen habe (natürlich mit Absprache). Er wird immer
    wieder bearbeitet, wenn es neue Informationen etc. gibt. Die Orginal Version gibt's auf Skorpione.de | Das Forum rund um die Skorpionhaltung | mit kostenlosen Kleinanzeigen, Bildergalerie, Chat und vielem mehr...


    Smeringurus mesaensis (STAHNKE 1957)


    Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
    Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
    Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
    Ordnung: Skorpione (Scorpiones)
    Familie: Vaejovidae
    Gattung: Smeringurus
    Art: mesaensis



    0.1 S.mesaensis


    Herkunft und Vorkommen
    Smeringurus mesaensis ist ein arid lebender Skorpion der in den Wüsten Nordamerikas beheimatet ist. Genauer gesagt in den mexikanischen Wüsten in Baja California und Sonora und den US amerikanischen Wüsten in Arizona und Süd-Californien. S.mesaensis lebt bevorzugt auf lockeren Dünensand. Dieser Skorpione ist für seinen sensiblen Vibrationssinn, mit dem er im Umkreis von 50 cm Beute lokalisieren kann, und seiner extrem hohen Geschwindigkeit bekannt.


    Äußere Merkmale & Geschlechtsunterschiede
    S.mesaensis haben eine hellgelbe, an den Beinen fast durchsichtig wirkende, Grundfärbung. Lediglich am Ende des Prosoma und der Tergite ist diese Gelbfärbung durch einen hellen, weißlichen Querstreifen unterbrochen. An den Beingelenken weisen die S.mesaensis rötlich-braun, schwarze Punkte auf die einem unwissendem Betrachter vielleicht im ersten Moment wie Mykose vorkommen, aber vollkommen normal sind. Die Spitze des Stachels ist ebenso wie die Punkte zwischen den Beinsegmenten rötlich-braun bis schwarz gefärbt.
    Die letzten Beinsegmente der S.mesaensis sind stark behaart. Diese Behaarung ermöglicht es den Tieren auch auf lockeren Dünensand laufen zu können ohne einzusinken. Sie funktionieren ähnlich wie Schneeschuhe, die das Einsinken im lockeren Schnee verhindern sollen.
    Optisch können S.mesaensis auf den ersten Blick leicht mit den sehr ähnlich aussehenden Buthacus arenicola/leptochelys verwechselt werden.

    0.1 S.mesaensis



    0.1 B.arenicola


    Jedoch beim genaueren hinschauen weisen die S.mesaensis deutlich kräftigere Pedipalpen auf.

    Pedipalpe von S.mesaensis



    Pedipalpe B.arenicola


    Außerdem ist das Telson leicht anders geformt. Während das Telson von Buthacus arenicola/leptochelys eher kugelrund sind und der Stachel einen relativ starken Bogen macht, ist das Telson der S.mesaensis ein wenig länger gezogen und ist eher oval geformt, der Stachel macht einen deutlich schwächeren Bogen.



    Telson 0.1 S.mesaensis


    Telson 0.1 B.arenicola

    Zu guter letzt fehlen bei den beiden Buthacus Arten die schwarzen Punkte an den Beingelenken(siehe Bilder weiter oben). Mit diesem Wissen sind die beiden Gattungen leicht und ohne großen Aufwand gut voneinander zu Unterscheiden.
    Bei den S.mesaensis lassen sich die Geschlechter leicht unterscheiden, ohne dass man die Kammorgane zählt. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle nicht verschweigen, dass die Weibchen 21-27 und die Männchen 31-39 Kammzähne auf beiden Seiten der Kammorgane haben. Durch die größere Anzahl und größere Länge der Kammzähne der Männchen sind die Kammorgane der Männchen auch deutlich länger als die der Weibchen. Dies ist auch der am einfachsten zu erkennende Geschlechtsdimorphismus. Bei den Männchen ragen die Kammorgane deutlich an den Seiten des Körpers heraus, während die der Weibchen oft nur minimal oder gar nicht an den Seiten unter dem Körper hervortreten. Bei den Männchen kann man dies sogar gut sehen wenn man den Skorpion von oben betrachtet.


    Kammorgane 0.1 S.mesaensis



    Kammorgane 1.0 S.mesaensis


    Als zweitbestes Merkmal dient das Metasomasegment V. Dieses ist bei Männchen länger als bei Weibchen. Während bei den Weibchen die Stachelspitze fast das Metasomasegment IV berührt, wenn das Metasoma eingerollt ist, ist bei den Männchen das Metasomasegment V solang, dass zwischen Stachelspitze und Segment IV eine gut erkennbare Lücke bleibt. Diese beiden Geschlechtsunterschiede sind bereits bei juvenilen Tieren deutlich zu erkennen.



    Telson 1.0 S.mesaensis

    Telson 0.1 S.mesaensis


    Als dritten Geschlechtsunterschied kann man den Körperbau der Tiere miteinander vergleichen. Wie bei vielen Spinnentieren sind die männlichen S.mesaensis deutlich kleiner und schmaler als Weibchen. Der Größenunterschied wird besonders bei Adulten Tieren deutlich. Adulte Weibchen sind bei mir bisher ca 2 cm größer gewesen als ein adultes Männchen ( ca 6 cm Körperlänge). Die weiblichen Exemplare waren somit ca ein drittel größer als die männlichen. Die Unterschiede in Größe und Körperbau sind zugegebenerweise nicht so leicht zu erkennen, wenn man nicht von beiden Geschlechtern jeweils ein Vergleichsexemplar hat. Jedoch mit den anderen bisher genannten Geschlechtsunterschieden sollte eine eindeutige Identifikation des Geschlechts auch möglich sein sollte man nur ein Tier besitzen.



    1.0 S.mesaensis, schlanker Körperbau



    0.1. S.mesaensis, breiterer Körperbau


    Haltungsbedingungen
    Terrariumgröße
    Smeringurus mesaensis ist ein arider und nachtaktiver Skorpion, der als Lauerjäger nicht aktiv auf die Jagt von Beute geht. Im Gegensatz zu manchen anderen Arten, die als Lauerjäger nur an den Höhleneingang kommen und von dort aus auf Beute warten, sieht man den S.mesaensis auch oft durch die nähere Umgebung des Verstecks ziehen um irgendwann zu verweilen und auf Beute zu warten. Da die Skorpione somit Nachts, für einen Lauerjäger recht aktiv sind, sollte man ein Terrarium mit Mindestenmaßen von 30x30x30 haben. Für zwei Tiere verwende ich ein OSB-Terrarium der Größe 40x30x30, wobei die Wände gerne mal zum Klettern genutzt werden. Adulte Männchen sind nachts nochmal aktiver als Weibchen. In freier Natur legen sie in diesem Stadium weite Strecken auf der Suche nach Geschlechtspartnern zurück. Dies ist vermutlich auch einer der Gründe warum adulte Männchen in freier Natur nach der Adulthäutung nur noch eine Saison überleben.
    Bodengrund
    Wie bereits weiter oben erwähnt bevorzugen S.mesaensis in freier Natur lockeren Dünensand als Bodengrund. Ich habe jedoch bei meinen Tieren einen grabfähigen Sand mit Lehmanteil gewählt, da der Sand so besser nach hinten ansteigend gestaltet werden kann ohne dass die Tiere innerhalb weniger Tage das komplette Terrarium umgestalten. Es ist aber jedem Halter selbst überlassen welchen Bodengrund er wählt, da die Tiere keine großen Tunnel anlegen wie manch anderer Skorpion und somit ein nach hinten ansteigender Bodengrund nur aus rein optischen Gründen empfehlenswert ist. Smeringurus mesaensis graben lediglich kleine Tunnel unter Schieferplatten oder Rindenstücke. Die Tunnel haben eine länge von ca 6-10 cm und bieten den Skorpionen gerade genug Platz sich mit Beute in ihm zu verstecken.
    Temperatur und Luftfeuchtigkeit
    Mein 40x30x30 OSB-Terrarium heize ich mit einem gedimmten 20 W Halogenspot. Ich erreiche damit bis zu 37 Grad lokal unter dem Spot und habe ein Temperaturgefälle bis ca 26 Grad in den kältesten Ecken. Verstecke biete ich sowohl direkt unter dem Spot als auch in den kälteren Ecken an. Genutzt werden sowohl die warmen als auch die kälteren Versteckmöglichkeiten, dementsprechend sollten stets verschieden warme Verstecke angeboten werden, damit die Tiere sich frei aussuchen können wo sie sich im Moment am liebsten aufhalten.
    Die Luftfeuchtigkeit sollte nie längere Zeit über 40 % gehalten werden, da S.mesaensis senr schnell zu Mykose neigt. Ich halte meine adulten Tiere sehr streng arid, d.h. man sollte max 1 mal im Monat in eine Ecke leicht sprühen. Aber selbst eine noch längere Zeit ohne sprühen schadet den Tieren kein Stück. Beim Sprühen in die nähe von besetzten Verstecken ist mir mehrmals aufgefallen, dass diese umgehend verlassen werden (sogar am Tag, obwohl man die Tiere sonst NIE tagsüber außerhalb der Verstecke zu Gesicht bekommt) und möglichst weit entfernte Verstecke aufgesucht werden. Dies deute ich so, dass die Tiere um jeden Preis Feuchtigkeit aus dem Weg gehen, weswegen ich sogar aufs Sprühen fast komplett verzichte und nur alle 2-3 Monate sehr wenig in eine Ecke sprüh. Eine Wasserschale anzubieten ist ebenfalls nicht nötig, da S.mesaensis seinen Flüssigkeitsbedarf überwiegend über die Nahrung deckt.
    Paar- und Gruppenhaltung
    Zur Gruppenhaltung kann ich zur Zeit noch keine Angaben machen. Bisher hielt ich aber erfolgreich 2 adulte Weibchen über einen Zeitraum von ca 6 Monaten zusammen. Dann habe ich die beiden Tiere getrennt, da ein Tier offensichtlich trächtig war und zunehmend aggressiver gegenüber der Artgenossin wurde. Bis dahin waren innerartliche Aggression nie zu beobachten. Die Tiere wählen stets die Möglichkeit dem Gegenüber aus dem Weg zu gehen anstatt aggressiv anzugreifen. Oft berichten User in anderen Foren S.mesaensis sei eine aggressive und stark kannibalistische Art, dies kann ich bisher nicht bestätigen. Teilweise haben bei mir Tiere sogar Verstecke über einen längeren Zeitraum gemeinsam genutzt.
    Lediglich mit fortschreitender Trächtigkeit werden die Tiere aggressiver gegenüber ihren Artgenossen, daher ist zu raten die Tiere nach einer Verpaarung maximal noch 6 Monate in Gesellschaft zu halten, dies sollte aber stets unter sorgfältiger Beobachtung stattfinden, so dass man die Tiere gegebenenfalls möglichst schnell von einander trennen kann sollte das trächtige Tier aggressiver werden.
    Bisher habe ich auch nur die Gelegenheit gehabt Weibchen zusammenzuhalten, wie eine paarweise Haltung mit 1.1 oder 2.0 S.mesaensis funktioniert werd ich sobald ich die Möglichkeit habe testen und dann hier im Bericht nachtragen. Ebenso sind die anderen Angaben der Paarhaltung mit wenigen Exemplaren getestet worden. Im laufe der Zeit werden aber noch mehr Exemplare folgen und gegebenenfalls weitere Informationen zur Paar- und Gruppenhaltung hinzugefügt. So lange können diese Angaben gern als grobe Richtlinien betrachtet werden sollten aber noch nicht als allgemeingültig angesehen werden, da mir dazu einfach genug Tiere fehlen.


    Verpaarung, Aufzucht der Nachzuchten
    Zur Zeit habe ich nur Erfahrungen mit mehreren juvenilen Tieren die ich als Wildfang in meinen Bestand aufgenommen habe. Ich halte die Tiere ähnlich wie meine adulten Tiere. Einzige unterschiede sind, dass ich die Tiere nicht ganz so warm halte aus Angst vor Dehydration. Außerdem sprühe ich verhältnissmäßig oft. D.h. ich sprüh alle 2-3 Woche in eine Ecke der Aufzuchtbox ganz wenig Wasser. Bisher fahre ich damit ganz gut, allerdings sei dazu gesagt, dass ich die Tiere auch erst seit dem 10.09.11 habe und dementsprechend sind die Infos die ich dazu geben kann wenig aussagekräftig. Sobald ich mehr Erfahrung mit juvenilen Tieren habe wird dieser Teil noch ergänzt bzw korrigiert.


    Verhalten und Giftigkeit
    S.mesaensis hat den ruf sehr aggressiv und schnell zu sein. Den zweiten Punkt kann ich auf jedenfall bestätigen. Meine S.mesaensis sind wohl vermutlich die schnellsten Skorpione in meinem Bestand. Allerdings sind sie meiner Erfahrung nach kein Stück aggressiv gegenüber Artgenossen oder potentiellen Angreifern. Bisher haben die Tiere ausnahmslos das weite gesucht wenn man ihnen zu nah kommt. Trotzdem ist dann allerhöchste Vorsicht geboten, da die Tiere dann so schnell wie es geht flüchten und dabei dann natürlich auch aus dem Terrarium oder der Box laufen könnten, falls dies möglich ist.
    Ich persönlich habe Gott sei Dank noch keine eigenen Erfahrungen mit dem Gift der S.mesaensis gemacht. Das Gift soll aber starke Schmerzen, anschwellen der Einstichstelle bis hin zu Schweißausbrüchen verursachen. Innerhalb von ca 15 min sollen die Schmerzen leicht stärker werden. Danach kann es bis zu 72 std dauern bis alle Symptome komplett abgeklungen sind. In der Zeit kann es sein, dass Berührungen rund um die Stichstelle Schmerzhaft sind.
    Allerdings hab ich auch von deutlich harmloseren Verläufen gehört bei denen es zu keinem anschwellen der Stichstelle kam. Wie man sieht können die Stiche unterschiedlich schwere Folgen haben und sind aber wohl in jedem Fall sehr schmerzhaft. Nie vergessen sollte man, dass Menschen auch allergisch auf Gifte reagieren können und es auch bei diesem eher mindergiftigem Skorpion zu lebensbedrohlichen Situationen kommen kann. Deswegen ist bei diesem Skorpion immer größte Vorsicht geboten!


    Persönlicher Kommentar
    Für mich persönlich stellt der S.mesaensis einen super interessanten Skorpion da, der aufgrund des geringen Feuchtigkeits- und Nahrungsbedarfs ein sehr angenehmer Pflegling ist. Adulte Tiere können so ohne Probleme längere Zeit ohne Pflege auskommen. Optisch gefällen mir persönlich die weißen Querstreifen auf dem hellgelben Körper sehr gut.
    Da man durch die regelmäßigen nächtlichen Aktivitäten viel von dem Skorpion sieht dürfte er besonders auch für Anfänger interessant sein. Ich persönlich kann diese Skorpione eingeschränkt Anfängern empfehlen. Jeder Anfänger sollte sich bewußt sein, dass diese Tiere extrem schnell sind und somit bei mangelnder Vorsicht schnell mal entwischen könnte. Ich empfehle daher nach Möglichkeit ein Terrarium mit Zugriff von oben und die Zugriffszeiten auf den Tag zu beschränken(in dieser Zeit sind die Tiere bei mir IMMER versteckt und kommen auch nicht ohne weiteres aus ihrem Versteck). Sollte man diese beiden Vorraussetzungen einhalten dürfte es keine Probleme mit entwischenden oder zustechenden Tiere geben. Trotzdem sollte man natürlich IMMER mit einer Pinzette im Terrarium hantieren, da es immer zu Situationen kommen kann die man nicht vorher sieht und die S.mesaensis aufgrund ihrer Schnelligkeit auch blitzschnell zuschlagen könnten.


    Quellenangaben
    -Eigene Erfahrung
    -REVSYS: Vaejovidae
    -Behavior and ecology of the mating in the cannibalistic scorpion, Paruroctonus mesaensis (joa_v7_p33.pdf)
    -Stingreport: Arachnopets - Arachnopets
    -Bilder B.arenicola: Markus (SpOoky)
    -Bilder S.mesaensis: Yanik (YR)



    Toter, adulter 1.0 S.mesaensis


    Dieser Haltungsbericht ist mein geistiges Eigentum, die Weiterverwendung und Verbreitung, weder als ganzen noch in Auszügen, ist ohne Absprache mit mir nicht gestattet.
    Besonderer Dank geht an Yanik und Markus die für mich die Kamera geschwungen haben.
    Dieser Bericht ist bisher nur eine BETA-Version, da mir in manchen Teilen die längeren Testphasen fehlen um meine Thesen sicher zu belegen.
    Falls jemanden Rechtschreib oder inhaltliche Fehler auffallen würd ich mich über über jeden Hinweis freuen. Genauso gern gesehen ist jegliches andere