Hottentotta tamulus

  • Familie: Buthidae (C.L. Koch, 1837)
    Gattung: Hottentotta (Birula, 1908)
    Art: (Hottentotta) tamulus (Fabricius, 1798)
    Trivialname: “Indischer roter Skorpion”
    Unterarten: Hottentotta tamulus concanensis
    Hottentotta tamulus gangeticus
    Hottentotta tamulus gujaratensis
    Hottentotta tamulus sindicus


    Größe: Angaben reichen von 50mm bis 90mm (zählt zu den mittelgroßen Skorpionen)


    Herkunft: Asien (Indien (alle ssp.), Sri Lanka, Pakistan (nur H.t.s))


    Äußere Merkmale:
    Hottentotta tamulus ist eine große Hottentotta – Art. Sie weist je nach Farbmorphe eine gelb – bis rot – bräunliche Grundfärbung am Prosoma und Mesosoma auf, wobei das Mesosoma etwas dunkler gehalten ist. Das Metasoma, die Pedipalpen sowie die Laufbeine nehmen den dominierenden Grundton des Körpers auf, sind jedoch etwas heller ausgeprägt. Während die Pedipalpen eine relativ dichte Behaarung aufweisen, zeigen das Metasoma sowie die Laufbeine eine spärliche Ausprägung. Die linearen Granulierungsreihen (Carinae) ventral am Metasoma sind schwarz ausgeprägt. Die feinen dorsalen Granulierungen auf den Metasomasegmenten, aber auch die feinen ventralen Granulierungen des Mesosoma sind in ihrer Ausprägung innerhalb der Unterarten verschieden. Hottentotta tamulus gehört zu den mittelgroßen Skorpionen und verfügt über dünne Pedipalpen sowie ein mittelstark ausgeprägtes Metasoma (im Vergleich zu den Pedipalpen).



    Haltung:
    Aus dem Klimadiagramm der Herkunft abgeleitet bietet sich eine semiaride Haltung, Halbwüste bis Steppe, mit einer Tagestemperatur von 28°C bis 32°C, lokal auch 35°C, an. Nachts ist eine Abkühlung auf normale Zimmertemperatur, etwa 20°C, empfehlenswert. Eine Trinkschale, mit frischem Wasser gefüllt, sollte einmal wöchentlich angeboten werden. Eine Luftfeuchtigkeit von ca. 30 - 40% wird erreicht, in dem man den Bereich um die Trinkschale einmal die Woche leicht anfeuchtet. Leichtes Sprühen reicht bei dieser Art in einem ein- bis zweiwöchigen Rhythmus aus. Eine trockene Überwinterung (Luftfeuchtigkeit um die 30%) bei 14°C bis 18°C soll der Paarungsbereitschaft zuträglich sein. Diese sollte einen zeitlichen Rahmen von 2 bis 3 Monaten (max. 12 Wochen) nicht übersteigen. Auf eine höhere Lebenserwartung durch Überwinterung liegen mir keine belegbaren Erkenntnisse vor.


    Das Terrarium sollte eine Grundfläche von mindestens 30x20x20cm für diese mittelgroße Art aufweisen. Für eine Paarhaltung, welche übrigens möglich ist, sollte jedoch mindestens ein Platzangebot von 30x30x20cm sowie genügend Versteckmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Da es sich bei Hottentotta tamulus um keine grabende Art handelt kann der Bodengrund aus einem Sand – Lehm – Gemisch bestehen (Mischungsverhältnis 5:1), welches ca. 5cm bis 10cm hoch, leicht feucht, in das Terrarium gegeben werden sollte. Nach dem Austrocknen des Bodengrundes sollte dieser nur leicht hart werden und so die Möglichkeit für das Anlegen einer Wohnmulde, angelegt an Einrichtungsgegenständen, bieten. Wohnröhren werden eher selten angelegt, bestehende Geländeeinschnitte dankend angenommen. Neben der Option Sand – Lehm – Gemisch kann aber auch eine trockene, grabfähige Mischung aus 10% Lehm, 30% grober Sand, 50% feiner Sand sowie 10% Kies als Substrat verwendet werden. Als Einrichtung bieten sich neben Steinen, Wurzeln und Hölzer, auch Kork- und Rindenstücke an. Dadurch kann die Lauffläche im begrenzten Terrarium zusätzlich vergrößert werden. Hottentotta tamulus zeigt sich tagsüber eher selten, in der Dämmerung jedoch sehr häufig. Kork- und Rindenstücke werden beim Streifzug durch das Terrarium sehr gerne zum Klettern genutzt.



    Geschlechtsunterschiede und Paarung:
    Das Geschlecht von Hottentotta tamulus kann sowohl durch Abzählen der Kammzähne als auch durch weitere sichtbare Geschlechtsmerkmale zugeordnet werden. Männchen weisen 30 – 39 Kammzähne auf, Weibchen besitzen 27 – 34 Kammzähne. Die Überschneidung lässt bei Jungtieren eine eindeutige Bestimmung nicht in allen Fällen zu. Der Manus des Männchens ist deutlich dicker ausgeprägt als beim Weibchen. Zusätzlich ist beim Männchen der Scherenfinger etwas gewundener (twisted = verwunden, verdreht) als beim Weibchen. Deutlich zu sehen sind diese letztgenannten Merkmale im Adultstatus. Hier bleiben Männchen auch deutlich in der Größe zum Weibchen zurück.


    Aufgrund des relativ gut ausgeprägten Sozialverhaltens und der damit verbundenen Möglichkeit der Paarhaltung stellt sich die Zucht der Art als relativ einfach dar. Falls sich Weibchen und Männchen aus irgendwelchen Gründen nicht das Terrarium teilen sollten, sollte für eine geplante Verpaarung das Männchen zum Weibchen gesetzt werden. Eine vorherige Fütterung beider bietet sich an.
    Die Nachzuchten sollten m.E. bis zur Adulthäutung einzeln aufgezogen werden. Somit kann man Ausfällen durch eventuell auftretenden Kannibalismus bei Häutungen vorbeugen. Bei Bereitstellung von genügend Raum und Versteckmöglichkeiten kann man sie aber auch in Gruppen aufziehen. Von Verlusten ist man dabei allerdings nicht gefeit. Haltungsbedingungen können wie bei adulten Tieren der Art beschrieben werden. Auf eine Wasserschale sollte man jedoch aufgrund der Gefahr des Ertrinkens verzichten und lediglich einen Teilbereich inklusive der Wand wöchentlich leicht besprühen. Dieser Abschnitt wird als Trinkgelegenheit genutzt und verhindert die Dehydration der Jungskorpione. Die Bereitstellung eines leicht angefeuchteten Zellstofftuches im Bereich des Versteckes verhilft den Jungskorpionen zu einer einfacheren Häutung. Fütterung einmal wöchentlich mit Futter in Körpergröße ist angemessen.



    Verhalten:
    Hottentotta tamulus sucht sofort nach dem Einsetzen in das Terrarium nach einem festen Gegenstand und versteckt sich dort bis zur Dämmerung. In der Dämmerung streift er durch sein Terrarium und sucht sich den bestgeeignetsten Platz für seine Wohnmulde aus, welche auch sofort angelegt wird. Bei der Erbeutung wird meist der Giftstachel eingesetzt.
    Hottentotta tamulus ist ein sehr agiler Zeitgenosse, der auf Störungen nervös reagiert und stets Fluchtverhalten aufzeigt. In eine Ecke gedrängt verfällt er sofort in Drohposition, gespreizte Scheren und erhobenes Metasoma, und setzt, wenn notwendig, auch seinen Stachel ein. Es ist beim Umgang mit dem Tier größte Vorsicht angebracht!



    Futter:
    Als Futter werden Heuschrecken, Steppengrillen, Grillen und Heimchen bis leicht über Körpergröße angenommen.



    Giftigkeit:
    Hottentotta tamulus verfügt über ein für den Menschen potentiell tödliches Gift. Der im Trivialnamen auch „Indischer roter Skorpion“ genannte Buthide hat ein neurotoxisches Peptid mit insgesamt 37 Aminosäuren. Lungenversagen und schwere Herzrhythmusstörungen treten durch die Ausschüttung großer Mengen an Neurotransmittern im peripheren Nervensystem auf. Dabei ist das ausschlaggebende Toxin des Giftes ein Iberiotoxin. Kaliumabhängige Calcium – Kanäle werden durch drei Disulfid – Brücken gesperrt. Die Kontraktion der Muskeln wird dadurch konzentrationsabhängig. Hottentotta tamulus verfügt über ein Gift mit einem LD50 – Wert von 4,57mg/kg.


    Trotz Fluchtverhaltens bei Störung ist Hottentotta tamulus meiner Meinung nach nur dem verantwortungsbewussten, fortgeschrittenen Skorpionhalter zu empfehlen.


    Anmerkung:
    Quellen für den Haltungsbericht sind, neben der Hottentotta Revision von Kovařík aus dem Jahre 2007 http://www.science.marshall.ed…rpius/p2007_58%20full.pdf Dokumentenseite 76ff, eigene gemachte Erfahrungen.

  • Klasse Haltungsbericht Martin :respekt:


    Weiter so!!


    Viele Grüße
    bruthus

    Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft
    Der Schlüssel zum Erfolg ist Geduld
    Jeder ist seines Glückes Schmied
    Nichts ist für die Ewigkeit/Lebe den Moment

  • Hi Martin,
    was ich hier lese kann ich nur mit folgenden worten beschreiben: man merkt sofort wie sehr du dich mit dieser art auseinandergesetzt hast und die details sind erstklassig ausgearbeitet! hut ab.


    ich erlaube mir eine kleine anmerkung:
    Zitat: Die Bereitstellung eines leicht angefeuchteten Zellstofftuches im Bereich des Versteckes verhilft den Jungskorpionen zu einer einfacheren Häutung.


    ich habe es in meinem bericht so beschrieben und fahre mit dieser methode bestens: Unter den angebotenen Rindenstücken (keine Steine, weil zu schwer) sollte man ein wenig Spagnummoos platzieren und dauerhaft feucht halten. Dort werden sich die Tiere vermehrt aufhalten und können sich ohne Probleme häuten.
    zum einen ist es dort gezielt anzuwenden und kein papier veschandelt das terra oder die aufzuchtdose! aber es ist auch eine möglichkeit!!!


    wenn ich darf verlinke ich mal meinen beicht:
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    hier findet man auch ein habitatbild was recht interessant ist wie ich finde!

  • Hallo


    Allso muss sagen das ist auch ein spitzen Haltungsbericht, zudem klasse Bilder und super erklärt :friede:


    Aber was bitte ist Spagnummoos???


    Noch nie gehört...!


    Grüße
    bruthus

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  • naja, hab mich auch verschrieben:
    Sphagnum moos:


    hier mal ne erklrärung ausm netz:
    Sphagnum Moos ist ein ideales Substrat für alle Landschildkrötenarten für die Schlafecken.
    Es ist feucht aber nicht nass. Schlüpflinge vergraben sich leidenschaftlich gerne darin.
    Auch Sumpfschildkröten nutzen es gerne als Deckungssubstrat.
    Man kann dieses Substrat sehr gut feucht halten, es bedeckt den Panzer mit Feuchtigkeit, ohne dass er nass wird.


    so übertrage ich es auf die skorpione. in kleinen mengen bindet es die feuchtigkeit auch wunderbar unter den verstecken in ariden terrarien...


    hier habe ich ein stück korkrinde hochgehoben und guck da wo sitzen die kleinen H tamulus gangeticus!?

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