Spinnengifte

  • Spinnengifte


    Die meisten Spinnengifte enthalten neurotoxische Komponenten. Hier sind vor allem Toxine von Phoneutria, Atrax,Hadronyche,Latrodectus, Cheiracanthium, Lycosa und Harpactirella zu nennen. Hauptvertreter der Spinnen mit nekrotoxischen Giftkomponenten sind die Gattungen Loxosceles, Lycosa, Cheiracanthium und in geringem Umfang auch Phidippus.
    Wichtigste Gattung mit neuro- und nekrotoxischen Komponenten ist Cheiracanthium, mit nekrotoxischen und hämolytischen Giftkomponenten Loxosceles ( offenbar nur amerikanische Arten). Südafrikanische Sicarius-Arten (im Gegensatz zu Südamerikanischen) verfügen gleichfalls über nekrotoxische und hämolytische oder hämotoxische Giftkomponenten. Der Begriff "nekrotoxisch" und "zytotoxisch" werden synonym gebraucht, desgleichen die Bezeichnung "neurotoxisch" und "neurotrop".


    Ähnlich wie bei Skorpionen hängt auch bei Spinnen die Giftmenge weitgehend von der Methode der Giftgewinnung ab. Durch Elektrostimulation gewonnenes Gift enthällt nach BETTINI u. MAROLLI (1978) bei Latrodectus-Arten Verunreinigungen durch Mageninhalte der Spinnen. GEREN u. ODELL (1984) gewannen durch Melken von Latrodectus-hesperus im Durchschnitt nur 20mg Gift pro Spinne, während ihre Extraktionsmethode durchschnittlich 830mg/Spinne lieferte. Das hängt damit zusammen das bei einer Elektrostimulation die mit Gift gefüllten Sekretionzellen des Drüsenpithels nicht im Umfang freigesetzt werden wie z.B bei einem Intensiven Biss.
    Das Auffüllen der Giftdepots geht bei Spinnen offenbar wesentlich schneller alls bei Skorpionen vonstatten. Eine Kreuzspinne kann nacheinander dutzende von Fliegen lähmen, ohne das man eine abnahme der Giftwirkung beobachten kann. Wahrscheinlich setzt sie ihr Gift recht sparsam ein. Nur im hohen Alter versiegt bei Spinnen die Produktion der Drüsensekrete (selbst schon beobachtet). Bei Steatoda nobilis z.B setzten erst die Spinndrüsen aus. Die Spinne macht zwar noch Einspinnbewegungen ,>merkt< aber nicht das aus den Spinnwarzen nichts mehr kommt.


    Zusammensetzung


    Alle bis heute erforschten Spinnen Gifte enthalten neben biogenen Aminen Proteine. Wie bei den Skorpiongiften unterscheidet man auch hier Säuger-, Insekten- und Krustazeentoxine. So ist das Latrodectus-Gift ein gemisch aus 6 Toxischen-Protein-Komponenten. Die Letaldosen schwanken zwischen 0,005 und 1mg/kg bei verschiedenen versuchstieren. Hunde sind relativ widerstandsfähig, obwohl ein Biss ein Pferd töten kann. Bei Meerschweinchen beträgt der LD-50 wert: 0,075mg/kg. Das Gift setzt bei Insekten, Hummer, Fröschen und Mäusen unterschiedliche Transmitter frei, bei Wirbeltieren Azetylcholin, bei Wirbellosen Gammaaminobuttersäuren und Glutamat. Eine der Giftkomponenten ist das a-Latrotoxin, ein Protein mit dem Molekulargewicht 130,000 wirkt präsynaptisch auf die neuromuskuläre Verbindung bei Wirbeltieren, während ein Anderes die Fraktion E , mit einem Molekulargewicht von 65000 und noch niedrigeren Molukulargewichten enthält, welche auf Hummer einwirken. A-Latrotoxin ist unwirksam. Die Fraktion c des Giftes ist die einzige die sich auf bei Fliegen und Schaben alls wirksam erwies, dabei gleichzeitig auch bei Wirbeltieren toxische Aktivität entfaltete. C³ ist in erster Linie Insektentoxin.


    Generell betrachtet sind die Spinnengifte reicher an Enzymen als die Skorpiongifte. Im Gegensatz zu den Giften der "echten Spinnen" sind die der Vogelspinne sehr hygroskopisch und brauchen eine viel längere Zeit im Vakuum zum trocknen.


    Prohpylaxe und Therapie von Spinnenbißvergiftungen


    Wie deutlich wurde, sind nur die wenigsten Spinnen in der Lage, den Menschen durch Bisse ernsthaft zu schädigen. Selbst ausgesprochene Giftspinnen sind in den meisten Fällen überhaupt nicht aggressiv. Unfälle durch Spinnen kommen entsprechend selten vor und verlaufen in den allermeisten fällen harmlos. Die wenigen gefährlichen-Arten von medizinischer Bedeutung kommen nur ganz selten auch da vor, wo auch Menschen leben (Ausnahme: Atrax, Latrodectus, Loxosceles, Phoneutria, Lycosa). Hier gilt es sich vor Bissen zu schützen. Das bedeutet, daß man Giftige und unbekannte Arten nicht einfach auf die Hand nimmt.
    Bei den meisten Spinnenbissen ist eine medizinische Versorgung unnötig. Die Symtome verschwinden ohnehin- falls sie sich überhaupt manifestieren- spätestens innerhalb einiger Tage, oft schon innerhalb von Stunden. Wenn überhaupt etwas unternommen werden muss hilft Kühlung mit kaltem Wasser lindernd. Evtl. kann man zur Prävention diverser Entzündungen vor Ort eine Kordicordsalbe anwenden. Nur bei Spinnenbissen, die die Epitermis penetriert haben, ist ggf. eine Therapie einzuleiten, die auch auf die Verhinderung von Sekundärinfektionen abzielt. Da die meisten Menschen die von Spinnen gebissen werden, übersteigerte Angstreaktionen erkennen lassen, ist alls wichtigste Primärmßnahme die beruhigung der Patienten erforderlich. Dies gilt sowohl bei Zwischenfällen durch harmlose, als auch besonders bei solchen durch gefährlichen-Arten.


    Festzuhalten ist, das L.hasselti der mit seiner weiten verbreitung zusammen mit Atrax.rubustus zu den wichtigsten australischen Giftenspinnen gehören. Die Art ist auch in Ozeanen häufig anzutreffen. L.mactans verursachte Unfälle treten häufig in ländlichen Gegenden auf. Noch 1952 bertrug der Protzentsatz der Todesfälle in Australien 5. 1936 ereigneten sich in 10 Jahren 7 Todesfälle. Zwischen 1933- 1959 kammen 7 Menschen ums Leben. Der letzte Tödliche zwischenfall ereignete sich 1955. 1956 wurde die Serumtherapie in Australien durh WIENER möglich.


    In einer Analyse von 167 Unfällen waren die häufigsten Symtome:


    • Schmerzen: 89,9%
    • Vermehrtes Schwitzen: 38,4%
    • Übelkeit oder Erbrechen: 24,0%
    • Lokales Ödem: 18,0%
    • Verwirrtheit oder Ohnmacht:16,8%
    • Lokales Erythem:13,2%
    • Muskelanfälle: 10,8%
    • Herzklopfen oder Tachykardie:9,6%
    • Schlafstörung: 9,6%
    • Schüttelfrost: 9,0%
    • Fieber: 8,4%
    • Tremor:7,8%
    • Muskelkrämpfe:7,2%
    • temporäre Hypertonie:1,8%



    Quelle: Scorpions, Acarina und Araneae


    Verfasst: bruthus

    Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft
    Der Schlüssel zum Erfolg ist Geduld
    Jeder ist seines Glückes Schmied
    Nichts ist für die Ewigkeit/Lebe den Moment

    4 Mal editiert, zuletzt von bruthus ()

  • Das ist interessant. Wo kann man sich so ein Tier kaufen?


    Jaja sehr interessant - das stimmt.
    Bevor du dir ein Tier der Gattung Phoneutria zulegt, solltest du dich gut informieren.
    zB. Kammspinnen, Phoneutria, Giftige Spinnen
    Phoneutria - Missverstandene Terrarienpfleglinge? - DGHT-Foren
    Toxikologische Abteilung, Klinikum Rechts der Isar, München


    Gruss Henryk

    [SIZE=2]Solange Menschen denken, daß Tiere nicht fühlen, müssen Tiere fühlen, daß Menschen nicht denken![/SIZE]

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