Tityus obscurus

  • Tityus obscurus
    (Gervais, 1843)





    Über seinen Namen:


    T. obscurus hat keinen allgemeingültigen umgangssprachlichen Namen.


    Etymologie:


    Der Name obscurus -in Anlehnung an den Gattungsnamen (Tityus)- bedeutet „dunkel“ oder „Der Dunkle“.


    Andere Bezeichnungen:
    T.amazonicus Giltay 1928, T.cambridgei Pocock 1897, T.paraensis Kraepelin 1896, T.werneri Mello-Leitão 1931, T.sampaiocrulsi Mello-Leitão 1931 (Lourenço, 2008). T.piceus Caporiacco 1947 ist eine untergeordnete Bezeichnung von T.cambridgei Pocock 1897 (Kovařik, 1999).


    Verbreitung:


    Brasilien (Amapá, Pará), Franz. Guyana, Suriname (Tafelberg, Brownsberg, Suriname und Marowijne Flusssysteme). Ecuador, Guyana, Venezuela und Panama (1).


    Natürliche Umgebung:


    T. obscurus ist ein weit verbreiteter Vertreter der Tierwelt im Amazonasbecken. In Suriname kommt er in gemäßigten Wäldern im Hochland vor. Der untere Bereich dieser Wälder besteht aus Palmen (z.B. Astrocaryum spp.) und aus Bäumen, die zum Teil 35 – 40m hoch werden, wie zum Beispiel Ceiba pentandra und/oder Manilkara bidentatus, die dem Walddach sein typisches Aussehen verleiht. Der Waldboden ist mit Farnen und Farnmoosen überzogen. T. obscurus kann man sowohl in den Baumkronen finden, als auch auf dem Waldboden unter gefallenen Baumstämmen und anderem Geröll. Manchmal findet man sie sogar in den Wurzelsystemen großer Bäume. Außerdem kommen sie in ländlichen Gebieten in Nähe der Menschen vor, z.B. in den Dörfern von Moengo und Albina, entlang der „Ost-West Verbindung“(lange Straße, die von der Ostgrenze bis zur Westgrenze entlang der Küste Surinames führt) in Suriname.


    Gift:


    Der LD-50 (mg/kg) Wert des Giftes beträgt 12,14, was verglichen mit beispielsweise T. serrulatus Lutz & Mello 1922 (0.43 Zlotkin et al, 1978) oder T. bahiensis Perty 1833 (1.38, Hassan 1984) eher hoch
    zu sein scheint. Es gibt Berichte von tödlichen Unfällen mit dieser Art. Die Symptome, die bei drei Patienten durch die Vergiftung durch T. obscurus auftraten, waren: lokaler Schmerz, farbliche Veränderungen um die Einstichstelle, übermäßiges Schwitzen und Zyanose, Hypersensibilität, vermehrter Speichelfluss und Erbrechen. Einer der Patienten erfuhr Taubheit der Beine, Muskelkontraktionen, Krämpfe, Kollaps und wurde eventuell semi-komatös. Der Patient erholte sich nach entsprechender Behandlung, war aber fünf Tage außer Gefecht (Floch et al, 1950). 1997 starb ein 7 Jahre altes Kind in Cayenne, Franz. Guyana an einem Stich von T. obscurus. Das Kind wurde sieben Stunden nach dem Stichunfall in ein Krankenhaus gebracht. Sechs Stunden nach der Einlieferung kam es auf die Intensivstation. Das Kind litt unter Atemproblemen, welche zur Bewusstlosigkeit, und schließlich zum Herzstillstand führten. Alle Versuche der Reanimation schlugen fehl und rund 16,5 Stunden nach dem Stich verstarb das Kind (Hommel et al, 2000). Aufgrund seiner Toxizität sollte diese Art nur von sehr erfahrenen Haltern gehalten werden.


    Morphologische Informationen:


    Die Gattung Tityus C.L. Koch, 1836 besteht aus mehr als 180 gültigen Arten und Unterarten. Es ist eine komplexe und dynamische Gattung und die taxonomische Position mancher Arten ist bis heute unklar. Früher beschriebene Arten (2) werden teilweise synonymisiert und es werden immer noch regelmäßig neue Arten entdeckt. Eine Revision dieser Gattung wird dringend benötigt um taxonomische Unklarheiten zu bereinigen und einen tieferen Einblick in diese Gattung zu bekommen. Bei der Anzahl an Arten wäre dies eine sehr laborintensive und zeitaufwändige Arbeit. T. obscurus gehört zu der Untergattung Atreus. Diese Untergattung besteht überwiegend aus großen Skorpionen(65-100 mm+), die im Adultstadium eine dunkle, schwärzliche Färbung aufweisen. Jungtiere besitzen eine gelbliche, bunte Färbung. Die basale, mittlere Lamelle ist bei den Weibchen erweitert (Lourenço, 2006). Die Endgröße von T. obscurus beträgt 80 – 100mm. Seine Färbung ist dunkelbraun bis schwarz mit ein paar blassen Stellen am Sternum. Die Kammzahnanzahl beträgt bei beiden Geschlechtern 18 – 22. Sie besitzen 17 Granulierungsreihen am beweglichen Scherenfinger. Der subaculeare Tuberkel ist spitz und stark ausgeprägt. Diese Art zeigt einen deutlichen Sexualdimorphismus. Die adulten Männchen haben schlankere und längere Pedipalpen und Metasomasegmente als die Weibchen. Selbst jemand, der sich nicht mit Skorpionen befasst sollte in der Lage sein, diesen Unterschied zwischen Männchen und Weibchen zu erkennen. Bei Jungtieren kann man anhand der Exuvien nach der vergrößerten, basalen, mittleren Lamelle Ausschau halten, die die Weibchen besitzen (3).


    Haltung in Gefangenschaft:


    Die meisten der folgenden Informationen basieren auf meinen eigenen Erfahrungen und sollten eher als Beispiel verstanden werden. Meiner Meinung nach sollte ein Terrarium für ein Pärchen die Mindestmaße von 30x20x20 cm nicht unterschreiten. Jungtiere können in jeglicher Art Dosen aufgezogen werden. Ich halte meine Jungtiere einzeln um dem Risiko des Kannibalismus vorzubeugen(insbesondere frisch gehäutete Tiere sind sehr gefährdet, von den anderen gefressen zu werden). Adulte Pärchen halte ich zusammen, nehme jedoch das Männchen kurz vor der Geburt heraus. Tagsüber sollte eine Temperatur von 26-30 °C, nachts eine von 18-20 °C herrschen. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte 75-80% betragen. Dies erreicht man, wenn man beispielsweise ein Drittel des Substrates trocken(oder nur leicht feucht) hält, und die übrigen zwei Drittel feucht(nicht nass, um Schimmel und Milben vorzubeugen). Ich befeuchte die Terrarien einmal die Woche, oder auch zweimal falls nötig(je nach Temperatur und Verdunstungsrate). Wenn die Skorpione sich einer Häutung nähern, sollte man sicherstellen, dass die rLF ausreichend hoch ist, um Häutungsprobleme zu vermeiden. Meistens häuten sich diese Skorpione kopfüber an einem Stück Rinde oder Ähnlichem.
    Einfacher Humus ist ideal als Substrat. Diese Art gräbt nicht, aber Korkstücke und dergleichen werden gerne als Rückzugsmöglichkeit angenommen. Manchmal schaffen sie sich eine kleine Mulde und pressen sich unter den Kork. Tagsüber verstecken sie sich meistens, aber nachts sieht man sie oft auf dem Kork sitzen, mit offenen Pedipalpen oder umherstreifen. Sie jagen ihr Futter nicht wirklich und sind eher Lauerjäger. Diese Skorpione laufen sehr langsam, kriechen regelrecht über das Substrat, was sie fast zahm erscheinen lässt, jedoch können sie sehr schnell sein, wenn sie aufgeschreckt werden. Ich habe bisher noch nie eine Tityus spp. Gesehen, die aus einem stehenden Gewässer(Trinkschale) getrunken hat. Sie trinken von den Wänden des Behältnisses, in dem sie gehalten werden, nachdem man gesprüht hat. Deswegen sollte man in den Abendstunden sprühen, um zu verhindern dass die Wassertropfen verdunsten, bevor die Skorpione aktiv werden. Für entsprechende Luftzirkulation ist zu sorgen, aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit, die eigentlich alle Tityus spp. benötigen. Überreste von Futterinsekten müssen regelmäßig entfernt werden, da insbesondere bei hoher Feuchtigkeit sich sehr schnell Schimmel bildet und ungewünschte Organismen wie Milben hervorruft (Acari sp.). Adulte Tiere sollte man einmal die Woche mit ein oder zwei Futtertieren in entsprechender Größe versorgen. Ich füttere meine Tiere zweimal die Woche mit Heimchen(Acheta domestica), bis sie das dritte Instar erreicht haben. Die Beute wird durch einen Stich bzw. Stiche getötet. Dies hängt von der Größe des Skorpions und von der Größe der Beute ab. Jungtiere können erstaunlich große Futtertiere überwältigen, manchmal sogar welche, die eineinhalb mal so groß sind wie sie selber. Neugeborene Skorpione fressen üblicherweise kleine Heimchen oder Grillen.
    Diese Art wurde einige Male in Gefangenschaft nachgezogen und T. obscurus ist bekannt dafür, nach einmaliger Befruchtung mehrmals trächtig werden zu können. Die Kleinen häuten sich das erste Mal nach 4-5 Tagen. Die Durchschnittsgröße der Würfe beträgt 15-40(Lourenço et al 2000, Kovařik 2005).
    Das adulte Männchen und Weibchen, die unten auf Bild 1 zu sehen sind, haben sich am 8. Februar gepaart. Am 15. Juli(157 Tage später) kamen 33 Jungtiere auf die Welt. Die Jungen häuteten sich am 26. Juli ins zweite Instar. Am 23. Juli fingen sie an die Umgebung zu erkunden und alle verließen die Mutter bis zum 26. Juli.


    Notizen:


    (1) Berichte von Ecuador, Guyana, Venezuela und Panama (Fet & Lowe, 2000: 254) wurden nicht durch entsprechende Tiere bestätigt. Das Vorkommen in Guyana konnte bestätigt werden, jedoch handelte es sich bei den anderen Ländern wohl um Verwechslungen mit Tityus asthenes Pocock 1893 (Lourenço, 2008).


    (2) Für Beispiele siehe Seite 1 unter “Andere Bezeichnungen”


    (3) Ich benutze diese Methode der Geschlechtsbestimmung, aber manchmal ist es schwierig sie auseinanderzuhalten(besonders bei jungen Tieren).



    Quellen:


    FET, V. & G. LOWE. 2000. Family Buthidae. Pp. 54-286. In: Catalog of the Scorpions of the
    World (1758-1998) (eds. V. Fet, W. D. Sissom, G. Lowe & M. E. Braunwalder). New
    York Entomological Society, 690 pp.


    HOMMEL, D.. HULIN, A. & W.R. LOURENÇO 2000. Accident scorpionique létal
    par Tityus cambridgei Pocock: À propos dŽun cas en Guyane Française. Concours
    mèdical : (Paris) Vol. 122, Nr.7, pp. 481-484


    KEEGAN, H.L. 1998. Scorpions of medical importance. Fitzgerald Publishing.


    KOVAŘIK,F. 2009. Illustrated catalog of scorpions. Part I. Introductory remarks; keys to
    families and genera; subfamily Scorpioninae with keys to Heterometrus and Pandinus
    species. Clairon Productions, Prague, 170 pp.


    LOURENÇO, W.R., LEGUIN, E. 2008. The true identity of Scorpio (Atreus) obscurus
    Gervais, 1843 (Scorpiones, Buthidae) Euscorpius, No. 75, Pp. 1-11.


    LOURENÇO, W.R. 2006. Nouvelle proposition de découpage sous-générique du genre Tityus C.L.Koch, 1836 (Scorpiones, buthidae) Boletin
    Sociedad Entomológica Aragonesa, No. 39 (2006): 55-67


    LOURENÇO, W.R. 2002. The scorpions of Brazil. Les Éditions de L’If Museum national d’ histoire naturelle Paris.


    LOURENÇO, W.R. 2002. Scorpiones. Amazonian Arachnida and Myriapoda. (4.9) 399-438
    Joachim Adis (Ed).


    LOURENÇO, W.R., HUBER, D, & J.L. CLOUDSLEY-THOMPSON 2000. Notes on the
    ecology, distribution and postembryonic development of Tityus cambridgei Pocock, 1897 (Scorpiones, Buthidae) from French Guyana and Oriental Amazonia. Entomol.Mitt. Zool.Mus.Hamburg 13 (162) 197-203.


    LOURENÇO, W.R. 1991. La Province biogeographique guyanaise;Etude de la biodiversite
    et des centre d’endemisme en vue de la conservation des patrimoines genetiques C.R.
    Soc. Biogéogr. 67 (2) : 113-131.


    LOURENÇO, W.R. 1986. Les modeles de distribution geographique de quelques groupes de
    scorpions neotropicaux C.R. Soc. Biogéogr. (2): 61-83.


    LOURENÇO, W.R. 1983. La faune des Scorpions de Guyane française. Bull.Mus.Natl.Nist.Nat., Paris, 4e sér. 5 (A3) : 771-808.


    NISHIKAWA, A.K. , CARICATI, C.P. et al. 1994. Antigenic cross-reactivity among the
    venoms from several species of Brazilian scorpions Toxicon, 1994 Aug; 32 (8): 989-98.


    OUTEDA-JORGE, S., T.MELLO & PINTO-DA-ROCHA, R. 2009. Litter size, effects of
    maternal body size, and date of birth in South American scorpions (Arachnida:
    Scorpiones). Zoologia 26 (1): 43-53, march 2009.





    Ich bedanke mich im Namen des gesamten SKF-Teams und sicherlich auch einiger Mitglieder bei Michiel dafür, dass er mir erlaubt hat seinen Bericht über T. obscurus ins Deutsche zu übersetzen.



    Diese Übersetzung wurde von mir(Marcel Eßer) angefertigt und ist mein geistiges Eigentum.

  • Ja, großes Lob auch von meiner Seite!
    Gute Arbeit :friede:


    Viele Grüße
    Bruthus

    Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft
    Der Schlüssel zum Erfolg ist Geduld
    Jeder ist seines Glückes Schmied
    Nichts ist für die Ewigkeit/Lebe den Moment