Skorpione in der Mythologie und Symbolik

  • Einbezogene Quellen für die Recherche dieses selbstverfassten Textes:
    Digitale Bibliotheken, Handbook of Tibetan Buddhist symbols von Robert Beer, Die Thierarten des Aristoteles von Carl J. Sundevall, Antike Welt - Zeitschrift für Archäologie und Urgeschichte, Lexikon der Symbole von Wolfgang Bauer, allgemeine online Recherche

    ---


    Skorpione in der Mythologie und Symbolik


    Skorpione haben in der Menschheitsgeschichte durch ihre Eigenschaften als nachtaktive, bizarr anmutende und vor allem giftige Geschöpfe recht früh die Symbolbedeutung von Bedrohung und Tod erhalten.


    In der Bibel beispielsweise gelten sie, ähnlich der Schlange, als Symbol von dämonischen Mächten.
    In der Offenbarung des Johannes werden die in der Apokalypse aufziehenden Heuschrecken sinngemäß mit der Kraft verglichen, wie sie Skorpione auf der Erde besitzen. Die Qual, die die Heuschrecken den Menschen zufügen, ist so stark wie der Schmerz durch einen Skorpionstich (Offb 9,3 & 9,5)


    Auch im babylonischen Talmud werden sie erwähnt: "Drei Dinge kommen unerwartet wenn man nicht an sie denkt: der Messias, der Fund und der Skorpion." Unter anderem werden sie dort ebenfalls in den Weisheitstexten (Rezepte gegen Krankheiten) erwähnt: "Gegen den Star nehme man einen Skorpion von sieben Gliedern und trockne ihn im Schatten. Und man zerreibe zwei Teile Stibium und einen Teil von ihm, und gebe je drei Schmikstifte voll in das eine und in das andere Auge. Mehr aber gebe man nicht hinein; denn sonst zerstört man seine Augen."


    Neben diesen negativ belegten Eigenschaften gilt der Skorpion aber auch unter anderem als Symbol für Wahrhaftigkeit und wird in den in der Antike entstandenen Bildungszweigen der 'Sieben freien Künste' oftmals auch neben der Schlange als Emblemtier der Dialektik genannt.
    Auf dem Gemälde von Sandro Botticelli 'Ein junger Mann wird in den Kreis der sieben freien Künste eingeführt' hält die Personifikation der Dialektik, dargestellt in Frauengestalt, einen Skorpion in der Hand (vgl. erstes hier angehängtes Bild). Der Skorpion versinnbildlicht dort symbolisch durch seine Scheren die beiden gegeneinander gerichteten Positionen des dialektischen Denkens.


    Als ein Sinnbild taucht der Skorpion ebenfalls in der Darstellung der Stiertötungsszene (Tauroktonie) aus dem römischen, ursprünglich persischen Mithraskult auf (vgl. zweites hier angehängtes Bild). Mithras, verehrt als Göttergestalt, tötet den Stier mit einem Dolchstoß in die Schulter. Ein Hund und eine Schlange trinken dabei Blut aus der offenen Wunde, während ein Skorpion die Hoden des Stieres attackiert.
    Eine neben der astronomischen Deutung der Tiergestalten als Sternbilder eher geisteswissenschaftliche Auslegung dieser Szene besagt, dass der hier gezeigte Stier der tierischen Natur entspricht. Skorpion, Schlange und Hund stehen dabei für die niederen Triebimpulse. Der Mensch kann diese durch seine naturgegebene Beschaffenheit überwinden; veranschaulicht durch den Dolchstoß des Mithras.


    In der Symbolkunst Afrikas ist der Skorpion ebenfalls ein oft verwendetes Emblemtier gewesen. Praktisch wurde er dort zur Heilung genutzt. Ebenso wurde sein Gift für die Präparation von Giftpfeilen verwendet.


    In der Astrologie wird der Skorpion auch als Doppelsymbol Skorpion/Adler genannt. Dabei steht der am Boden lebende Skorpion für die primitiven Triebe, welche er überwindet. Er tötet seine eigene niedere Natur (symbolisch richtet der Skorpion seinen Stachel auf sich selber), um dann in seiner höheren Form, dem Adler erneut geboren zu werden. Ähnlich dem Mythus des Phönix, der verbrennt und aus seiner Asche neu entsteht.
    Dem Skorpion werden in der Astrologie auch Attribute wie Bedrohung, Sexualität, Zerstörung, Okkultes, Mystisches, Erleuchtung, Heilung (als Gegengewicht zu dem Gift) und Auferstehung zugeschrieben.


    Weit zurückführen lässt sich auch die mythologische Betrachtung in Ägypten. So hat man in Abydos das Grab des altägyptischen Königs Skorpion I. als der erste erwähnte Pharao (3.200 v. Chr.) entdeckt.


    Bekannt aus der Kultur Ägyptens ist ebenfalls Selket 'Die, die Lungen atmen lässt'. Eine Göttin die den Status einer Heilerin und Magierin besaß (vgl. drittes hier angehängtes Bild). Dargestellt wird sie oft in menschlicher Gestalt, auf dessen Kopf ein Skorpion sitzt, als Skorpion mit Frauenkopf oder rein in Skorpion Gestalt. Sie galt als Totengöttin, beschützte jedoch ebenso das Leben in dieser Welt und bewahrt die Menschen im täglichen Leben vor Skorpionstichen. Sie sandte sieben Skorpione aus (Tefen, Masetetef, Petet, Tjetet, Matet, Mesetet und Befen), um die Göttin Isis auf der Flucht und vor dem Angriff der Gottheit Seth zu beschützen.
    Hededet, welche die Muttergöttin Isis und die Schutzgöttin Selket vereint, wird ebenfalls mit dem Unterkörper eines Skorpions dargestellt.
    Die altägyptischen Priester empfahlen schützende Amulette gegen die Abwehr von Skorpionen und zur Heilung nach einem Stich zu tragen und besondere Zauberformeln aufzusagen. Eine magische Formel lautete: "Gift des Skorpion, gehe doch weg und fließe zu Boden, ohne im Körper zu bleiben!"


    In einem alten Mythos aus dem sumerischen Reich in Mesopotanien - der Gilgamesch Epos (zwischen 2100 - 600 v. Chr.) - wird erzählt, wie zwei Wächter, ein Mann und eine Frau, welche beide zur unteren Körperhälfte in Skorpiongestalt erscheinen, den Eingang des Berg Maschu (die Unterwelt) bewachen.
    Die 'Girtablulu' als Mischwesen, halb Mensch - halb Skorpion, abgebildet als Bogenschützen, wurden in der akkadischen Mythologie von der weiblichen Seite der Urkräfte Tiamat erschaffen, um gegen die Götter zu kämpfen.


    Nina (auch Nansche, Nanse), die sumerische Stadtgöttin des Ortes Nina, gilt als Fruchtbarkeitsgöttin der Quellen und Kanäle, Göttin des Orakel und als Deuterin von Träumen. Ihre Symboltiere sind wiederum die Schlange und der Skorpion.


    Auf dem 'Kudurru der Melishihu', ein Grenzstein aus dem alten Babylon (1202-1188 v. Chr), ist neben einer hierarchisch aufgeteilten Darstellung von Göttern, Menschen und Tieren unterhalb einer gehörnten Schlange ein Skorpion (vermutlich als Tier der Unterwelt) eingemeisselt.


    Bei den Maya wurde der Gott Ek-Chuah (Ekchuah oder auch Gott M) in schwarzer Körperfarbe und oftmals mit einem langen Skorpionschwanz abgebildet. Interpretiert wird er als ein Kriegsgott, als Gott der Kaufleute und der Kakaopflanze.


    In der griechischen Mythologie gilt der Skorpion als Vernichter von Orion, dem Jäger. Mit einem Stich in die Ferse tötete er Orion. Daraufhin wurden beide von den Göttern an den Himmel als Sternbilder gebannt und dort weit voneinander getrennt. Wenn der Skorpion sich im Osten am Himmel zeigt, flieht Orions Sternbild im Westen unter den Horizont. Das Sternbild des Orions ist in der Winterzeit zu sehen, das Sternbild des Skorpion in den Sommermonaten.


    Im tibetischen Buddhismus wird dem Skorpion ebenfalls Bedeutung zugeschrieben. Milarepas, ein tibetischer Lehrer und Dichter, der in seiner Jugend einer Legende nach die schwarze Magie erlernte, beschwor, um an seinen Verwandten Rache zu nehmen, eine Horde von Reptilien und einen riesigen schwarzen Skorpion.
    Im 'Handbook of Tibetan Buddhist symbols' von Robert Beer wird beschrieben, dass das Bild eines Skorpions verwendet wurde, um Dämonen der Plage und der Pest zu markieren. In Ritualen wurde oft auch das gemalte Bild eines Skorpions für die Geisterunterwerfung verwendet.
    Rinpoche Padmasambhava, der als Begründer des Buddhismus in Tibet gilt, erlangte durch eine Begegnung mit einem neunköpfigen Skorpion, welcher ihn in geheime Lehren einweite, große Scharfsichtigkeit. Eine seiner acht Manifestationen wird daraufhin auf Bildern oft mit einem Donnerkeil und einem Skorpion in den Händen haltend dargestellt und als Guru Dragpo benannt.


    Auch Aristoteles (384-322 v. Chr) untersuchte und erwähnte in seinen naturwissenschaftliche Schriften den Skorpion und klassifizierte sie als flügellose, vielfüssige Insekten.
    Aus "Die Thierarten des Aristoteles von Carl J. Sundevall: "(Scorpius) Skorpion. II, 3.10: Der Schwanz des Landskorpiones hat einen Stachel ... Einige Insekten haben den Stachel nach aussen (nackt), wie der Skorpion, der das einzige langgeschwänzte unter den Insekten ist. Dieser hat auch Scheren ... V, 21.3: Auch die Landskorpionen legen viele, kleine eierähnliche Würmer, welche sie bebrüten. Wenn aber dies vollendet ist, werden sie, gleich den Spinnen, vertrieben und von den Jungen getödtet; den oft werden etwa elf geboren. - VIII, 28.2: Von der Skorpiongattung Scorpius L., findet man ein paar Arten im südlichen Europa, und mehrere in Afrika.


    - Fabeln sind wohl immer von diesen Tieren erzählt worden."



    Gruß
    Thorsten


    Hinweis: Hier im passenden Diskussionsthread kann zu dem Thema weiter gepostet werden.