Offener Brief von Dr. Fernando Pérez-Miles und Dr. Anita Aisenberg

  • Gefunden im Vogelspinnenforum.ch ;)


    Heute möchten wir der Bitte von Dr. Fernando Perez-Miles nachkommen und einen sehr unerfreulichen Sachverhalt verbreiten, den er der DeArGe e.V. in einem offenen Brief mit der Bitte um Abdruck zugesendet hat:


    Montevideo, Uruguay 1. März 2016


    Vogelspinnen in Uruguay in Gefahr: Wilderer schlagen wieder zu


    Wir schreiben diesen offenen Brief, um alle arachnologischen Gesellschaften über einige besorgniserregende Fälle von Vogelspinnenschmuggel zu unterrichten, die im Januar 2016 in Uruguay aufgedeckt wurden.
    Am 14. und 18. Januar 2016 fielen der Post in Uruguay 3 Postsendungen auf, die von einem „Ian Meier“ an eine Adresse in der Dominikanischen Republik adressiert waren. Als die Postbeamten die Sendungen öffneten, fanden sie 61 Vogelspinnen der erst vor kurzem beschriebenen Art Grammostola quirogai (Anmerkung des Übersetzers: Diese Art wurde erst im Dezember 2015 als neue Art beschrieben und bis dahin als schwarze Farbvariante von G. anthracina betrachtet). Die Postbehörde kontaktierte daraufhin das Labor für Verhaltensforschung, Ökologie und Evolution (Laboratory of Ethology, Ecology and Evolution, LEEE), Institut Clemente Estable, Montevideo, welches die Spinnen identifizierte und beherbergte. Jede Postsendung (A3 Format) beinhaltete 2 Plastikbehälter, je 13.5 x 22 cm groß, in denen sich jeweils 10 Spinnen befanden. Die Spinnen waren einzeln in winzige Nylontaschen verpackt, standen somit in ständigem engen Körperkontakt und waren in einem sehr schlechten Zustand.
    Diese Vogelspinnenart ist eine der größten Vogelspinnen Uruguays und vor kurzem wurde ihr Schutz zur Priorität erklärt. Leider wird diese Art stark durch den Tierhandel dezimiert. Im Jahre 2007 wurde ein Schweizer Staatsbürger dabei ertappt, wie er versuchte, 750 Exemplare der Art nach Europa zu schicken. Die Verordnung 164/996 des Ministeriums für Tierzucht, Landwirtschaft und Fischereiwirtschaft in Uruguay verbietet ausdrücklich die Jagd, sowie den Besitz, Transport, Verkauf und die Weiterverarbeitung wildlebender Tierarten.
    Nach diesen dramatischen Vorkommnissen entdeckte die Postbehörde der Dominikanischen Republik am 1. Februar 2016 ähnliche Briefumschläge von derselben Absenderadresse (Milta Campos), dieses Mal mit insgesamt 80 G. quirogai. Von diesen 80 Spinnen überlebten nur 4 Exemplare. Diese 4 Exemplare werden derzeit von einer Professorin an der Universität Iberoamericana (UNIBE) in der Dom. Republik gepflegt. Wir arbeiten eng mit ihr, sowie der Dom. Republikanischen Botschaft in Uruguay zusammen, um diese Spinnen zurück nach Uruguay zu bringen und hier auszuwildern; in erster Linie wegen ihres Wertes als geschützte Art, jedoch auch als Symbol für den Naturschutz.
    Wir planen, die Tiere so schnell wie möglich wieder freizulassen und zeitgleich in den Provinzen, in denen sie gefangen worden waren, Naturschutzinformationsveranstaltungen zu organisieren.


    Mit diesem Brief möchten wir die Öffentlichkeit über diese bestürzenden Vorkommnisse unterrichten und für Ihre Unterstützung beim Schutz dieser charismatischen Art werben. Bitten helfen Sie uns, indem Sie diese Informationen in ihrem Bekannten- und Kollegenkreis verbreiten und auch, indem Sie den Handel dieser Art boykottieren und keine Exemplare von Grammostola quirogai (mehr) kaufen.


    Mit freundlichen Grüßen,


    Dr. Anita Aisenberg
    In representation of Laboratory of Ethology, Ecology & Evolution Clemente Estable Institute, Montevideo, Uruguay



    Dr. Fernando Pérez-Miles
    In representation of Section Entomology
    School of Sciences, University of the Republic,
    Montevideo, Uruguay.



    Übersetzung: Tobias Dörr