Stufenmodell Giftkategorien mit Beispielarten

  • Stufenmodell:


    • Stiche mit geringer Lokalsymptomatik ohne systemische Giftwirkung:
    • Stiche mit starker Lokalsymptomatik ohne systemische Giftwirkung:
    • Stiche mit starken Schmerzen und kardiovaskulärer Symptomatik:
    • Stiche mit kardialer und zentralnervöser Symptomatik:


    Bei Stichen von mindergiftigen Skorpionen, z.B. Euscorpius spec. und Pandinus spec., wird der Schmerz und die weitere auftretende Lokalsymptomatik in der Stärke einen Bienen- oder Wespenstich nicht übertreffen. Man kann in diesen Fällen davon ausgehen, dass keine weiteren Einwirkungen auf den Organismus mehr passieren werden. Eine Lebensgefahr ist auch mit allergischen Reaktionen eher unwahrscheinlich. Diese treten nur in seltensten Fällen auf. Haltern wird eine Tetanusimpfung (Wundstarrkrampf) empfohlen. Zur Behandlung gehört neben verbaler Beruhigung, eine Wunddesinfektion mit Alkohol. Eine weitere ärztliche Überwachung ist nicht notwendig.


    Skorpiongattungen, deren Stich nur leichte kurz anhaltende Schmerzen hervorrufen:


    à Diplocentrus: südwestliche USA, Mittelamerika, Westinische Inseln


    à Euscorpius: Südeuropa, südliches Mitteleuropa, Marokko, Vorderasien


    à Hadogenes: südliches Afrika, Madagaskar


    à Heterometrus: Südasien


    à Opisthacantus: Afrika, Florida, Mittel- und Südamerika, Westinische Inseln


    à Opistophthalmus: südliches Afrika


    à Pandinus: Afrika, Mittlerer Osten


    à Scorpio: Nord- und Westafrika, Mittlerer Osten


    Gefährlicher sind Stiche von Skorpionen deren Stich stark schmerzend sowie länger anhaltende und stärkere Lokalreaktionen verursacht. Mit systematischen Symptomen durch das Gift ist bei dieser Gruppe, zu welcher z.B. Hadrurus arizonensis oder der europäische Buthus occitanus gehören, nicht zu rechnen, jedoch treten Übelkeit, Schwindel, Hyperventilation bis hin zum Kreislaufkollaps auf. Grund für diese Symptome sind Angstreaktionen sowie Reaktionsreize auf die starken Schmerzen. Neben der allgemeinen notärztlichen Behandlung wird eine Schmerztherapie eingeleitet sowie eine Überwachung im Krankenhaus empfohlen.


    Skorpiongattungen, deren Stich heftige, meist lang andauernde Schmerzen hervorrufen:


    à Buthus occitanus occitanus: Südeuropa


    à Compsobuthus: Nordafrika, Vorderasien bis Indien


    à Hadrurus: Südwesten der USA, Mexiko


    à Lychas: Süd- und Ostafrika


    à Mesobuthus gibbosus: Östliches Südeuropa, Türkei


    à Ortochirus: Nordafrika, Vorderasien bis Indien und China


    à Urodacus: Australien


    à Uroplectus: Zentral- und Ostafrika, Ostindien


    à Vaejovis: Westen Nordamerikas, Mittel- und nördliches Südamerika


    Die nächst gefährliche Gruppe von Skorpionen löst nach einem Stich einen starken Lokalschmerz sowie eine Stimulation der cholinerge Rezeptoren aus. Zu späterem Zeitpunkt werden durch Katecholaminfreisetzung adrenerge Rezeptoren stimuliert. Die systemische Giftwirkung findet zunächst in einer Form einer Tachykardie, Hypertonie und Extrasystolen statt. In schweren Fällen reicht das Spektrum von Hypotonie bis Schock durch Erschöpfung der Katecholaminspeicher. Bradykardie, AV – Blockierungen sowie selten anfängliche Hypotonie sind durch cholinerge Giftwirkungen verursacht. Als vegetative, cholinerg verursachte Anfangssymptomatik finden sich oft Bronchial-, Nasen-, Speichel- und Tränenfluss sowie gastrointestinale Symptome wie Übelkeit mit Erbrechen. In Extremfällen kann es zu Hyperthermie bis über 41°C kommen. Aufgrund der möglichen schweren Symptomatik muss nach einem Stich aus dieser Gruppe unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Eine klinische Überwachung über einige Stunden ist unerlässlich. Die kardiologischen Auswirkungen sind gut behandelbar. Eine Gabe von Antiseren und deren Wirksamkeit ist umstritten.


    Skorpione, deren Stiche starke Schmerzen und kardiovaskuläre Symptomatik hervorrufen können sind:


    à Bothriurus spec.: Südamerika


    à Buthus tunetanus: Nordafrika, Vorderasien


    Die Gruppe 4 beinhaltet Skorpionarten, welche durch einen Stich große Mengen an Katochelamin freisetzen. Dadurch führen sie lebengefährliche Herz – Kreislauf – Beschwerdenherbei. Zusätzlich stimulieren sie das Zentralnervensystem und lösen somit Erregung, Verwirrtheit und Krampfanfälle aus. Die Merkmale eines Stiches der Gattung Centruroides sind extrapyramidale Symptome mit oropharyngealen Dyskinesien und unkontrollierten Extremitätenbewegungen. Zusätzliche peripher neuromuskulär wirkende Toxinanteile können zu Muskelzuckungen, Muskelkrämpfen, Lähmungen und höllisch qualvollen Schmerzen führen. Im Endstudium kann es zu Herzinfarktsymptomen und zu einem kardial und selten auch toxisch verursachten Lungenödem kommen. Symptome der cholinergen und gastrointestinalen Bereiche entsprechen der Gruppe 3. Schon bei lediglich nur in Verdacht kommendem Stich eines Skorpions aus dieser Gruppe ist sofort ein Arzt auf zu suchen. Eine Überwachung ist lebensnotwendig. Garant hierfür ist eine schnellstmögliche Behandlung in den ersten Stunden. Sollte es zu keinen schweren Symptomen in dieser Zeit kommen, wird es in der Folge keine Verschlimmerung des Zustandes des Patienten geben. Wirksame Antiseren für Stiche von Centruroides spp. und Tityus spp. egalisieren die neurologische Symptomatik.


    Skorpiongattungen, deren Stiche extrem starke Schmerzen, Herz – Kreislauf – Symptome und teils auch ZNS – Symptome hervorrufen können:


    à Androctonus spec. : Nordafrika, Vorderasien


    à Buthacus spec.: Vorderasien


    à Hottentotta spec.: Afrika, Asien


    à Centruroides spec.: USA (Südstaaten), Mittelamerika


    à Hemiscorpius lepturus: Iran, Irak


    à Leiurus quinquestratius: Nordafrika, Vorderasien


    à Mesobuthus spec.: Indien, Östlicher Mittelmeerraum


    à Nebo hierochonticus: Vorderasien


    à Parabuthus spec.: Südafrika, Ostafrika, Vorderasien


    à Tityus spec.: Mittelamerika, Südamerika, Karibik