Parabuthus villosus (Peters, 1862) [tox]

  • Parabuthus villosus:


    Parabuthus villosus, vom Erscheinungsbild sehr leicht zu verwechseln mit dem als einer der giftigsten Vertreter der Skorpione in Südafrika bekannten Parabuthus transvaalicus (Tipp: auf die Farbe der Kammzähne achten), verfügt über einen sehr interessanten Giftcocktail, dessen Toxinbestandteile hauptsächlich neuromuskuläre Symptome auszulösen scheinen. Dieser Giftcocktail befindet sich in einem sehr großen Telson (Giftblase mit bis zu 12mg Trockengift Inhalt) und stimuliert das autonome Nervensystem durch Freisetzung von endogenen Katecholaminen (Ausschüttung von Neurotransmittern). Eine Ausschüttung von Acetylcholin ist ebenfalls möglich, der Bestandteil ist aber z.B. im Gegensatz zur Gattung Mesobuthus viel geringer. Hierin liegt auch die positive Ursache, dass cholinerge Symptome, wie Erbrechen, Schwitzen, überhöhte Speichelproduktion, aber auch länger anhaltend adrenerge Effekte, wie Hypertonie und Tachykardie, im Gegensatz zu anderen Skorpionarten nur eingeschränkt vorkommen. Ebenso entfallen die Krankheitsbilder Lungenödem, Myokardschäden sowie Priapismus. Dennoch wird Parabuthus villosus als eine humanpathogene Art (medizinisch bedeutsam) gehandelt, welche die Fähigkeit besitzt ihre großen Giftvorräte zu versprühen und, je nach Situation, die Zusammensetzung des Giftes aktiv zu steuern. Es wurden neben vielen leicht wirkenden basischen Toxinen 2 bestimmende Bestandteile extrahiert.


    Das erste Hauptgift des Parabutoxin (Alpha K-Toxin), auch als "Prevenom" bezeichnet, ist durchsichtig und dient besonders dazu, Insekten unbeweglich zu machen. An Säugetieren verursacht dieses Gift lediglich einen sehr großen Schmerz, da die enthaltenen Proteingifte (Kalium – Ionen – Kanalblocker) nur in einer sehr geringen Konzentration vorliegen und somit nicht zu einer Herzmuskellähmung fähig sind.


    Das zweite Hauptgift des Parabutoxin (Alpha K-Toxin), auch als „Postvenom“bezeichnet, ist in seinem Aussehen milchig – weiß. Dieses vorwiegend aus Neurotoxinen bestehende Säugertoxin kommt vor allem beim Kontakt mit großen wehrhaften Lebewesen zum Einsatz. Entwickelt wurde dieses Gift zur Abwehr der Fressfeinde Nummer 1, der Erdmännchen. Ursprünglich lediglich zur Fernabwehr (Sprühfähigkeit durch pulsierendes Telson bei extremem Stress) konzipiert, entwickelte sich ein interessanter Giftcocktail. Seine Hauptbestandteile bilden dabei Acetylcholin sowie endogene Katecholamine. Je nach injizierter Dosis kann dieses Säugertoxin vor allem für Kinder und ältere Menschen, aber auch für Erwachsene unter Umständen lebensbedrohlich werden. Starke Schmerzen sowie eine zentralnervöse Symptomatik mit einem kardialen Ungleichgewicht sind gewiss. Atemstörungen und Atemdepression kommen selten vor. Die Ursache für die meisten bekannten Todesfälle stellt nicht das Atemversagen (siehe Parabuthus transvaalicus), sondern unregelmäßige Herzschläge dar.


    Die Therapie nach einem Stich von Parabuthus villosus ist unterschiedlich. Zunächst gilt sofort einen Arzt aufzusuchen und sich Nitratinfusionen als Erstbehandlung geben zu lassen. Bei starken Schmerzen kann die Gabe eines Lokalanästhetikums erfolgen und somit eine Linderung erreicht werden. Die Verabreichung des existierenden Antiserums ist heiss diskutiert. Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes wurde dadurch noch nicht nachgewiesen. Zusätzlich sollte man im Hinterkopf behalten, dass die Gabe von Morphin, Barbituraten, Calciumpräparaten, Kortikoiden und Atropin ebenfalls unterbleiben sollte.


    Parabuthus villosus verfügt über ein Gift mit einem LD50 – Wert von 5,75mg/kg. In Südafrika bleibt er in Einstufung der Gefährlichkeit sowie negativen Vorkommnisse weit hinter Parabuthus transvaalicus zurück. Die medizinische Bedeutsamkeit ist vorhanden, Hauptaugenmerk liegt jedoch bei dem Gattungsverwandten Vertreter.


    Zu den möglichen Giftwirkungen (Quelle: Giftnotrufzentrale München):
    Allgemein: innerhalb 4h bei Erwachsenen, spätestens innerhalb ersten 12h Auftreten der Symptome
    AUGE: lokal nach Giftkontakt Konjunktivitis bis Korneaschädigung (Hornhaut des Auges)
    Vegetatives Nervensystem: Speichelfluss, Schweißausbruch, Übelkeit + Erbrechen, Durchfall
    Neuro-Muskulär: Muskelparalyse mit Schluck- und Sprechstörung, Ptosis bis generalisierte Paralyse (Kinder); Muskelschmerzen und Muskelkrämpfe, Schwäche, Tremor; gesteigerte Muskeleigenreflexe, Hyperästhesie, Ataxie, Ruhelosigkeit, Angst
    Zusätzlich: arterielle Hypertension, Tachykardie, selten Atemstörung, selten Atemdepression, beatmungspflichtig in Ausnahmefällen.
    Tödlich: Für kranke bzw. schwache Erwachsene, sowie Kinder und Allergiker kann ein Stich durchaus zum Tode führen. Nachgewiesene Todesfälle sind vorhanden, hier allerdings im Schwerpunkt Kinder und ältere Menschen, in einer Gegend mit geringer medizinischer Infrastruktur.

  • Pandemonium

    Hat den Titel des Themas von „Parabuthus villosus:“ zu „Parabuthus villosus (Peters, 1862) [tox]“ geändert.