Tityus bahiensis (Pertry, 1833) [tox]

  • Tityus bahiensis:


    Diese Art verfügt über einen für den Menschen sehr gefährlichen Giftcocktail aus Beta- und Gammatoxinen. Es wurden insgesamt 8 Toxine lokalisiert, wobei 5 Toxine in der Wirkung gegen Säuger und 3 Toxine gegen Insekten gerichtet sind (G. Schmidt in „Giftige und gefährliche Spinnentiere). Beide Anteile des autonomen Nervensystems werden stimuliert. Das Gift führt zu einer Ausschüttung von Katecholaminen und Acetylcholin.Daraus resultieren vorübergehende cholinerge Effekte die sich durch die Symptome Erbrechen, profuses Schwitzen, Bradykardie, vermehrter Speichelfluss sowie arterieller Hypotension bemerkbar machen. Länger anhaltende adrenerge Effekte wie arterielle Hypertension, Tachykardie bis Myokardversagen treten meist auf. Im Unterschied zu ähnlich wirkenden Skorpiongiften (z.B. Leiurus quinquestriatus) ist Priapismus kein typisches Symptom bei Tityus – Stichen, kommt nur in ca. 1 % der Fälle vor.


    DasVergiftungsbild reicht vom zunächst sehr starken, brennenden Schmerz kombiniert mit Unruhe bis hin zu Atemschwierigkeit bis Luftnot. In schlimmen Fällen kann es zu Hyperästhesie einer Herzinsuffizienz mit pulmonaler Komponente (kardiales Lungenödem (Austreten von Blutflüssigkeit aus den Kapillargefäßen in das Interstitium)) kommen. Weitere auftretende Symptome sind unten beschrieben.



    Exemplare von Tityus bahiensis verfügen über ein Gift mit einem LD50 – Wert von 1,38mg/kg. Tityus bahiensis gehört zu den giftigsten Vertretern seiner Gattung. Beim Umgang mit der Art ist allerhöchste Vorsicht geboten.


    Zu den möglichen Giftwirkungen (Quelle: Giftnotrufzentrale München):
    Allgemein: starker Schmerz sofort nach dem Stich an der Stichstelle mit baldigen cholinergen Aneichen;
    Lokal: sehr starker Schmerz an der Stichstelle;
    Vegetatives Nervensystem: sehr bald nach Stich Speichelfluss, Schwitzen, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Durchfall;


    ZNS: Erregung, Verwirrtheit wechselnd mit Somnolenz, Tremor, Krampfanfälle und Koma;
    Neuro-Muskulär: Tachykardie, Hypertonie, Arrythmien, Herzinfarkzeichen im EKG + CK-MB + Hypokinesien in Herzschall, Herzversagen mit Lungenödem; Befundnormalisierung meist in 3-7d;
    Zusätzlich: Lungenödem kardial und evtl. auch extrakardial als direkte Toxinauswirkung 1 bis 12h nach Stich, Harnverhalt und Priapismus, erhöhter Blutzucker, Leukozytose;
    Tödlich: Todesfälle sind möglich.


    Behandlung: jeder Patient mit Tityus-Stich soll mindestens 4 Stunden stationär überwacht werden, bei systemischen Symptomen bis zur Symptomfreiheit. Kardiale Symptome werden bei auftretender Hypotonie mit Nifedipin oder Nitraten behandelt. Auftretendes Lungenödem nach Normalisierung des RR und des peripherenWiderstandes bei Weiterbestehen des Ödems frühe Entscheidung zur Intubation und PEEP-Beatmung gegen toxisches Lungenödem; Corticoide sind möglich, aber es liegen keine positiven Therapieberichte vor;
    Antiserum: "Soro Antiescorpionico", Instituto Butantan Sao Paulo, wirksam gegen Tityus bahiensis in der Dosis nach Allergietest 4-8 Amp. a 5ml intravenös. Wirksamkeit wird als sehr verschieden beurteilt. Eine Besserung ist vor allem gegen den Schmerz bemerkbar, aber eine Tachykardie sowie ein mögliches Lungenödem können oft bis 12 – 24 Stunden nach Antiveningabe auftreten.

  • Pandemonium

    Hat den Titel des Themas von „Tityus bahiensis:“ zu „Tityus bahiensis (Pertry, 1833) [tox]“ geändert.