Tityus serrulatus (LUTZ & MELLO, 1922)

  • Familie: Tityus (C.L.Koch)

    Gattung: Tityus

    Art: (Tityus) serrulatus (Lutz&Mello)

    Trivialname: Roter brasilanischer Skorpion


    Unterarten: -


    Grösse: 6-8cm (zählt zu den mittelgroßen Arten)



    Äußere Merkmale:


    Pro- und Mesosoma dieser Art sind schwarz. Metasoma und Telson heller und braun. Beine und Pedipalpen sind bis auf dunklen Scherenfinger gelblich gefärbt.

    Tityus ist mit über 100 verschiedenen Arten die größte Gattung der Familie der Buthidae. Sie stammen alle aus der Karibik sowie auch aus Zentral- und Südamerika. Öfters werden diese immer wieder in ,,verschiedene Gruppen" unterteilt, bsp. in ,, Escorpioes Sul-Americanos" von Mello und Leitao (1945) oder von Lourenco

    ,,Scorpions of Brazil".

    Der giftigste der Tityus Art ist der T. serrulatus. Tityus serrulatus ist parthenogenetisch. Der bei allen Tityus Arten vorhandenen Subkulearstachel ist sofern kein eindeutiges Merkmal!

    Für die verlässliche Bestimmung der Gattung Tityus muss man vor allem die Trichbothrien und die Merkmale der Scherenfingerzähne heranziehen.


    Haltung:


    In einem Terrarium von den Maßen (cm) 20x30x20 lassen sich 2 Tiere halten.

    Auf dem sandigen Boden oder auch auf meist Regenwaldboden (je nach Herkunft ist dieser anzupassen!), sollten einige Steine und Rinden als Versteckmöglichkeiten vorhanden sein.

    Die Temperatur sollte am Tage max. 35 Grad Celsius und 25 Grad Celsius in der Nacht betragen.

    Eine Trinkschale und eimaliges, tägliches übersprühen des Habitates garantieren genügend Luftfeuchtigkeit.

    Es sollte eine Luftfeuchtigkeit nach Klimadiagramm und Herkunft erfolgen.

    Richtwerte stehen in diesem Diagramm aus Brasilien:




    Klimadiagramm Brasilien:






    Regionale und saisonale Unterschiede

    In Brasilien gibt es erhebliche klimatische Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen. Zu berücksichtigen ist, dass die Jahreszeiten denen in Europa entgegengesetzt sind, da das Land auf der Südhalbkugel liegt.

    Der Großteil Brasiliens hat ein tropisch-heißes Klima, während es im Süden zumindest im Winter deutlich kühler wird.



    Tityus sp. halten sich in Urwäldern aber auch an Waldrändern oder auch in Savannengebieten auf, wo man sie unter umgestürzten Bäumen, im Laub, unter Steinen oder auch in Termitenbauten finden kann.

    Diese meist agilen Tiere klettern sehr gern und sind öfters in Gewächsern vertreten. Dementsprechend sollte auch das Terrarium so gestaltet sein.


    Verhalten:


    Dieser Skorpion kann sehr agil sein und ist öfters in der vorgegebenen Flora in bsp. Bäumen und Pflanzen zu finden, aber flüchtet in der Regel vor Menschen.

    Trotzdem sollten alle sicherheitsrelevanten Maßnahmen bei dieser Art unbedingt eingehalten werden!



    Futter:


    Diese Jäger überfallen alles an Wirbellosen was sie überwältigen können!



    Giftigkeit:


    Tityus serrulatus gilt als giftigste Art Südamerikas und ist vom Gift her einer der gefährlichste Skorpion überhaupt.

    Seine Stiche sind sehr schmerzhaft, mit kardialer und zentralnervöser Symptomatik die für jährlich schwere und auch einige wenige tödliche Unfälle sorgen.

    Antiserum ist nur im äußersten Notfall zu geben.


    Tityus serrulatus: sehr gefährliche Vergiftungen in Brasilien.

    Todesrate (publ. 1971):

    • Erwachsene 0,8-1,4 %,
    • Schulkinder 3-5 %,
    • Säuglinge und Kleinkinder 15-20 %


    Symptome:


    Starker Schmerz sofort nach dem Stich an Stichstelle bald cholinerge Zeichen (1,4,5)

    --lokal: in 100 % der Fälle, Schmerzen an der Stichstelle (1)


    --CHOLINERGE ZEICHEN (kognigtive): sehr bald nach Stich Speichelfluß, Schwitzen, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Durchfall; Pankreatitis bei T. tinitatis in 80% der Fälle;

    --ZNS (zentrales Nervensystem): Erregung, Verwirrtheit wechselnd mit Somnolenz, Tremor, Krampfanfälle und Koma (1)

    --GIT gastrointestinal (Magen Darm Trakt): Erbrechen, Bauch-Schmerz, Diarrhoe, bei T.trinitatis Pankreatitis beschrieben

    --CORONAL(Herz): Tachykardie, Hypertonie, Arrythmien, Herzinfarktzeichen im EKG + CK-MB + Hypokinesien in Herzschall,

    Herzversagen mit Lungenödem (1,3,5); Befundnormalisierung
    meist in 3-7d (1,2,3)

    --PULMO(Lunge): Lungenödem kardial und evtl. auch extrakardial als direkte Toxinwirkung 1-12h nach Stich (1,2,3).


    --UROGENITAL(Harnweg,Blase): Harnverhalt (4); selten (ca.1%) Priapismus(1)


    --LABOR: CK und CK-MB erhöht, erhöhter Blutzucker, erhöhte Serumamylase, Leukozytose (1).


    ÜBERWACHUNG: jeder Patient mit Tityus-Stich soll mind. 4
    stationär überwacht werden, bei sytemischen Symptomen bis zur Symptomfreiheit.


    -- KARDIAL: bei Hypertonie Nifedipin od. Nitrate


    -- LUNGENÖDEM: nach Normalisierung des RR und des peripheren
    Widerstandes bei Weiterbestehen des Ödems frühe Entscheidung zur Intubation und PEEP-Beatmung gegen tox. Lungenödem; Corticoide sind möglich, aber keine pos. Therapie-
    berichte


    --ANTISERUM: "Soro Antiescorpionico", Instituto Butantan Sao Paulo, wirksam gegen T.bahiensis und T.serrulatus (in Tox-Mü )
    -Dosis: nach Allergietest 4-8 Amp.a 5ml i.v. (1).


    --WIRKSAMKEIT: verschieden beurteilt: Besserung bei 100% (1)
    gut wirksam gegen Schmerz, aber Tachykardie + Lungenödem oft bis 12-24h nach Antiveningabe (5)

    Beide Anteile des autonomen Nervensystems werden stimuliert (Gift führt zu Ausschüttung von Katecholaminen und Acetylcholin): daraus resultieren vorübergehende cholinerge Effekte (Erbrechen, profuses Schwitzen, Bradykardie, vermehrter Speichelfluß, art. Hypotension) und länger anhaltende, adrenerge Effekte (art. Hypertension, Tachykardie, Myokardversagen). Im Unterschied zu ähnlich wirkenden Skorpiongiften (z.B. Leiurus quinquestriatus) ist Priapismus kein typisches Symptom bei Tityus-Stichen, kommt nur in ca. 1 % der Fälle vor (1).





    Tityus serrulatus verfügt über ein Gift mit einem LD50 – Wert von 0,43 – 1,00mg/kg. Besonderheit bei Giften der Gattung Tityus ist es, das sich die Wirkung des Giftcocktails bei Verabreichung intravenös fast ähnlich wie subkutan darstellt (Zlotkin, 1976). Es ist allerhöchste Vorsicht geboten !!!!!




    Quellenangabe:

    Mahsberg- Kallas Lippe Skorpione

    Martin Watz Skorpione im Terrarium

    Toxologische Abteilung München Rechts der Isar Erstellt Tox-Mü Kleber J.J.; Wagner Ph. Feb. 1999

    Klimadiagramm Mexiko von weg.de
    (1) Junghanss, Th., Bodio, M.: Notfall-Handbuch Gifttiere,
    Thieme Verlag, 1996.
    (2) Amaral, C.F.S. et al.: Scorpion sting-induced pulmonary
    oedema: evidence of increased alveolocapillary membrane
    permeability, Short communication, Toxicon, Vol. 32,
    No. 8, pp.999-1003, 1994.
    (3) Hering, S.E. et al.: "Reversible cardiomyopathy" in
    patients with severe scorpion envenoming by Tityus
    serrulatus: evolution of enzymatic,

    electrocardiographic and echocardiographic alterations,
    Annals of Tropical Paediatrics, 1993, 13, 173-182.
    (4) Fuchs, S. et al.: Neurological Urinary Retention after
    Scorpion Sting, International Congress of the European
    Association of Poison Centres and Clinical
    Toxicologists (EAPCCT), Marseille, Juni 1996, Abstract-Band, S. 84
    5. Freire-Maria L. et al.: Treatment of scorpion evvenoming
    in Brazil. aus Envenomings and their treatments
    Editions foundation Marcel Merieux, Lyon 1996

  • Thorsten Geiger

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