Heterometrus cyaneus (Koch, 1836)

  • Familie: Scorpionidae

    Gattung: Heterometrus (Ehrenberg, 1828)

    Art: cyaneus (Koch, 1836)

    Trivialname: blauer (cyanfarbener) Riesenskorpion


    Unterarten:   Heterometrus cyaneus insulanus (Couzijn, 1981 diese Unterart wurde 1981 von H. W. C. Couzijn nach Sammlungsexemplaren von Sumatra und einem Exemplar mit der Fundortangabe Lesser Nicobar Islands beschrieben
    Heterometrus cyaneus sumatrensis Couzijn, 1981: auch diese Unterart wurde von Couzijn beschrieben. Dabei standen ihm Sammlungsexemplare von der Insel Madura zur Verfügung


    Größe: bis zu 15 cm (zählt zu den großen Skorpionen) WF könnten sogar noch etwas größer sein!



    Herkunft und Vorkommen

    Diese sehr imposante Art ist in den Ländern und Regionen Borneo, Philipinen und Indonesien beheimatet.

    Dort hält er sich in tropischen Regenwäldern und Feuchtwäldern auf. Er gräbt Wohnhöhlen im Erdreich in denen er sich aufhält. Auch unter Steinen oder umgefallenen Bäumen ist er zu finden.





    Äußere Merkmale & Geschlechtsunterschiede


    Der Heterometrus cyaneus zählt zur Familie der Scorpionidae und ist einer der größeren Vertreter seiner Gattung. Er erreicht eine Größe von bis 12cm. Einzelne Berichte, beschreiben auch Tiere mit einer Größe von 15cm.

    Der Körper dieses Skorpions ist durchgehend dunkel schwarz bis hin leicht grün-bläulich gefärbt, wobei die Beine hier auch leicht bräunliche Färbungen aufweisen können. Die Giftblase adulter Tiere ist rot-bräunlich gefärbt sowie deutlich und kräftig ausgeprägt. Der Skorpion ist recht stark granuliert. Jungtiere haben eine oftmals eine abweichende Färbung. Diese sind zunächst weiss-gräulich und gehen mit zunehmenden Instaren in die dunkle Färbung über. Das Telson ist anfangs noch leuchtend weiss abgesetzt und färbt sich erst in späteren Instaren in zunächst Orange-Tönen in das entgültige rot-bräunliche. Die Unterseite der H. cyaneus ist deutlich heller abgesetzt. Unmittelbar nach der Geburt der Jungen als auch nach der Häutung in das 2. Instar sind die Kleinen fast durchgehend weiss gefärbt.


    Zur Unterscheidung der Geschlechter, gibt es eine recht einfache Methode. Rein vom Körperbau ist es kaum bis nicht ersichtlich ob sich ein weiblicher oder männlicher Skorpion vor einem befindet. Die simple Methode ist, sich die Genitalplatten (Opervulum) der Tiere anzuschauen.

    Während die des männlichen Tieres ovalförmig sind und die Kämmzähne meist auch länger ausgeprägt sind, zeichnet sich das Operculum des weiblichen Tieres herzförmig ab. Die Kammzähne sind hier auch etwas kürzer.



    Haltung:


    Diese Skorpionart lässt sich in den meisten Fällen gut in Gruppen halten. Innerartliche Aggressionen treten meist nur in Kombination mit Paarung oder unmittelbar vor dem Wurf bei trächtigen Tieren auf. Selten kommt es bei richtiger Haltung zu Kannibalismus. Nichts desto trotz, kann es auch bei diesen Tieren zu Komplikationen kommen und sofern die Tiere dann nicht getrennt werden zum Tod eines oder mehrerer Tiere kommen. Hierbei gilt auch - eine nachträgliche Vergesellschaftung eines Tieres in eine bestehende Gruppe ist immer mit größerem Risiko verbunden.

    Die Heterometrus cyaneus sind nach allgemeinen Beobachtungen extrem grabfreudig. Dies zeichnet sich bereits direkt nach verlassen des Mutterrückens ab. Selbst die Kleinsten beginnen sogleich mit dem Anlegen von Tunnelsystemen in denen sich die Tiere tagsüber aufhalten.

    Dies ist bei der Terrariumeinrichtung in jedem Fall zu berücksichtigen. Auch da die Tiere recht groß werden, sollte ein gewisses Platzangebot vorhanden sein.

    Für ein adultes Tier geht man hier von einem Terrarium in der Grundfläche von 50x40 cm aus. Die Höhe des Terrariums ist nicht allzu ausschlaggebend. Die Skorpione können zwar klettern, halten sich aber in der Regel auf dem Boden auf. Daher genügt theoretisch durchaus auch eine Höhe von 30cm.

    Mit entsprechendem Bodengrund usw. hat man hier allerdings nicht mehr sehr viel Luft zur Decke für Beleuchtung und co. Von daher ist etwas mehr an Höhe auch nicht verkehrt. Ein Pärchen H. cyaneus kann in einem Terrarium von 60x40 cm untergebracht werden. Bis zu einer Anzahl von 4 oder 5 Tieren sollte man dann auf ein 100x50 cm Terrarium umsteigen. Natürlich spricht nichts dagegen den Tieren sofern die Möglichkeit besteht mehr Platz zur Verfügung zu stellen. Hier sind lediglich die Mindestmaße genannt.

    Das Terrarium an sich muss gut belüftet sein. Als optimal haben sich die Terrarien mit einer Doppelbelüftung (Belüftungssteg vorn, und Lüftungsblech oben) erwiesen. Hier erreicht man eine gute Luftzirkulation, die der Bildung von Staunässe vorbeugt, welche es zu verhindern gilt. Staunässe birgt die Gefahr von Schimmelbildung. Bei diesen größeren Terrarien erhält man eigentlich immer die Ausführung mit Schiebescheiben, welches aber kein Problem darstellt. Zur Sicherung kann man hier Schlösser verwenden, die ein Aufhebeln durch die Skorpione verhindern.

    Als Bodengrund verwendet man am besten ungedüngte Erde oder ein Erde-Humus-Sand-Gemisch. Wichtig ist, dass der Bodengrund immer feucht gehalten wird und grabfähig ist. Die Substrathöhe sollte dem Grabtrieb der Tiere gerecht werden. Man sagt hier als Faustregel, dass eine Höhe von mind. 15cm gegeben sein sollte. Hat man ein Standardterrarium, ist dies auf Grund der geringen Steghöhe oft nicht machbar. Ein simpler Trick schafft hier Abhilfe. Das Substrat wird einfach nach hinten hin, höher eingefüllt. So hat man zwar ein Gefälle, aber die Tiere können sich im hinteren Bereich des Terrariums zurückziehen. Wichtig ist, dass der Bodengrund in jedem Fall grabfähig ist. Dies kann bei lockerem Substrat leicht durch die Zugabe von Lehmpulver erreicht werden.

    Die Luftfeuchtigkeit im Terrarium ist tropisch zu halten. Sprich tagsüber sollten die Werte im Bereich von 70-80% liegen und nachts dann entsprechend auf bis zu 90% ansteigen. Die Temperaturen sollten am Tag zwischen 28°C und 30°C liegen. Eine kühlere Ecke sowie Stellen mit höheren Temperaturen sind ideal. Hier können sich die Skorpione selbst ihre bevorzugte Temperatur suchen. Zur Einrichtung empfiehlt es sich auch Pflanzen einzusetzen. Diese schaffen ein schönes Bild und helfen auch gleichzeitig das Klima im Terrarium stabil zu halten. Moos kann zur Aufrechterhaltung der Luftfeuchtigkeit ebenfalls verwendet werden. Als Verstecke dienen Korkplatten und flache Steine wie Schieferplatten o.ä. Dabei ist darauf zu achten, dass die Verstecke möglichst flachgehalten werden. Die Tiere fühlen sich bei Rückkontakt zur Deckung am wohlsten. Kokosnussschalen und dergleichen sind hier nicht optimal. Eine Wasserschale die stets gefüllt zu halten ist muss ebenfalls vorhanden sein.Diese kann mit Steinen befüllt werden um ein ertrinken des Skorpions zu vermeiden. Um das Substrat sauber zu halten und Schimmelbildung vorzubeugen, empfiehlt es sich, dieses zu ‚impfen‘. Darunter versteht man, dass dort gezielt Bodenkulturen eingesetzt werden, die organisches Material fressen und zersetzen. Man nimmt hier meist sog. Springschwätze oder tropische Asseln (Ich nehme kubanische Asseln) . Auch simple ‚Kellerasseln‘ könnte man hier verwenden.Das Klima sollte dementsprechend der Herkunft des Tieres angepasst werden, da sich die Habitate überschneiden können. Falls man dieses nicht weiß sollte ein gesunder Mittelwert angestrebt werden und das Verhalten des Tieres beobachten, um Haltungsfehler zu vermeiden.









    Klimadiagramm Indonesien






    Verhalten:


    Der Heterometrus cyaneus ist ein eher friedfertiger Vertreter der Skorpione. Er zeigt keine Aggressionen und zieht den Rückzug dem Angriff vor. Erst wenn der Skorpion sich massiv bedroht fühlt, geht er in Verteidigungsstellung. Dies ist aber von Tier zu Tier unterschiedlich. Meine Dame geht sehr schnell in Drohposition. Flüchet aber in der Regel dann. Hier nutzt er allerdings auch vorrangig seine kräftigen Scheren bevor er zusticht. Wie alle Skorpione ist auch der H. cyaneus nachtaktiv. Sprich wenn man ihn beobachten kann, dann überwiegend in den nächtlichen Stunden. Dann sieht man ihn beim Ausbau seiner Wohnhöhlen oder auch gern mal ausserhalb die Oberfläche erkunden. Während die jungen Skorpione auch mal ihrer Beute nachstellen, verlieren die adulten Tiere das Jagdfieber und erlegen die Beute aus dem Hinterhalt in Lauerstellung. Zum Beutefang verlässt er sich hier auf seine kräftigen Scheren und der Stachel kommt in der Regel nicht zum Einsatz.


    Futter:


    Grillen, Heimchen, Heuschrecken, Mehlwürmer, Zophobas, Schaben


    Giftigkeit:


    Diese Art ist als mindergiftig einzustufen. Man spricht hier von einer Wespenstich-Symptomatik. Der Stich verursacht mässige bis starke Schmerzen ist aber ohne weitere Folgen. Dennoch können sich allergische Reaktionen des Körpers einstellen. Interessant ist die Acetyl-Cholin-Esterase-Aktivität. Desweiteren wurden Phospholipase A2, Alkalische Phosphatase, Phosphomonoesterase, 5-Mononukleotidase, Serotonin, Acetylcholin, Histamin, Hyaluronidaseaktivität, freie Aminosäuren, freie Hexosamine, Glykosylaminoglykane, Nukleotide, Tryptamin, Tryptophan und ein undefinierter Schmerzstoff, der glatte Muskeln kontrahiert, in Giften von Heterometrus-Arten nachgewiesen worden.Man sollte wie bei jedem Giftier sicherheitsrelevante Maßnahmen treffen! Sollte es trotzdem mal zu einem Stich kommen, sollten entsprechende Maßnahmen gertroffen werden d.h zum Arzt und eine Tetanus-Prophylaxe und evtl. etwas gegen die lokalen Schmerzen. Sollte der Schmerz o. a Symptome wie allergische Reaktionen aufkommen sollte dies ernst genommen werden.



    Symptome:


    -- lokal:  leichte bis starke Schmerzen, evtl. Schwellung


    einer ganzen Extremität systemische Giftwirkung zweifelhaft da nur in 1 Einzel-


    fall beschrieben mit: (Heterometrus bengalensis)

    -- ZNS(zentrales Nervensystem): generalisierte Parästhesien, Schwitzen, Speichelfluß, Übelkeit

    -- Cor (Herz): : Tachykardie, Lungenödem



    Wichtig: Nach dem deutschen Ärtzeblatt (Dr. med. Johann J. Kleber) wird häufig Anaphylaxie beschrieben!







    Verpaarung & Nachzucht:


    Bei der Verpaarung sollte man auf jedenfall dabei sein und entsprechendes Werkzeug zur Hand haben um die Tiere zur Not schnell wieder trennen zu können.

    Man verwendet dabei ein neutrales Terrarium in welchem man die Tiere nacheinander beide einsetzt. Sind die auserwählten Partner in Stimmung, geht die Paarung recht schnell von statten. Das Männchen nimmt sofort die Geruchsspur des Weibchens war, fängt mit den typischen Zitterbewegungen an und sucht die Nähe des Weichens. Der Paarungstanz setzt dann recht schnell ein. Während der Paarung kann es zu Stichen untereinander kommen, welche meist aber harmlos verlaufen. Das Männchen führt das Weibchen dabei zu einer geeigneten Stelle (Tanz) und setzte dort eine Spermatophore ab über welche er das Weibchen zieht. Nach geglückter Paarung trennen sich beide recht schnell wieder. Dies ist der Punkt an dem es auch recht schnell zu ernsthaften Aggressionen kommen kann. Um sicher zu gehen sollte das Männchen möglichst nach der Verpaarung direkt wieder getrennt werden. Die Tragedauer der H. cyaneus kann bis zu 2 Jahren betragen!!! Im Mittel geht man von 14 bis 16 Monaten aus. Die Wurfgröße wird hier zwischen 8 und ca. 24 Jungtieren angegeben. Ca. 10 bis 14 Tage nach dem Wurf häuten sich die kleinen Skorplinge in das 2. Instar in dem sich dann auch den Rücken der Mutter verlassen und selbständig sind. Zu diesem Zeitpunkt ist es ratsam die Jungtiere vom Elterntier zu trennen.

    Bei der Aufzucht kann man die Heterometrus cyaneus gemeinsam oder in kleineren Gruppen halten.Ist aber keine Erfolgsgarantie! Die Aufzucht an sich ist recht unkompliziert und verläuft im Normalfall problemlos. Je nach Haltung benötigen die Kleinen bis zu 2 Jahren um das Adultstadium zu erreichen. Während die kleinen Instare recht schnell durchlaufen werden, verlängert sich die Zeit der letzten Häutung nicht selten auf bis zu einem Jahr.

    Bei der Aufzucht muss man etwas Feingefühl hinsichtlich der Temperaturund Feuchtigkeit entwickeln. Gerade in den späteren Instaren reagieren die Tiere sonst damit, dass sie sich nicht aus der alten Haut befreien können und sterben.





    Quellen:

    Illustrated catalog of scorpions Part 1 (F. Kovarik)

    Klimadiagramm von weg,de

    Wikipedia Subartenbeschreibung

    Toxologische Abteilung München Rechts der Isar Erstellt Tox-Mü Wagner Ph. / Kleber J.J. 9.97

    (1) Schmidt, G.: Giftige und gefährliche Spinnentiere, die neue Brehm-Bücherei 608, Westarp-Wissenschaften, Magdeburg 1993
    (2) Keegan, H.: Scorpions of medical importance, University Press of Mississippi, 1980
    (3) Junghanss, Th., Bodio, M.: Notfall-Handbuch Gifttiere, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1996




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